24. Dezember 2010

Frohe Weihnachten!

Hallo an euch alle! Wie geht es euch im verschneiten Deutschland?

Nun ist doch wirklich schon der 24. Dezember, Weihnachten. Ich habe den Blog in den letzten Wochen sehr vernachlässigt, tut mir Leid. Dafür gibt es nun ein umso längeres Update was ich im Advent so getrieben habe.

In den letzten Schulwochen war einiges los und Paul und ich steckten mitten in den Vorbereitungen für die "Christmas Hamper" (Weihnachtspakete) für bedürftige Familien der Schule. Dazu wurde vor Wochen im Kollegium nach Vorschlägen gefragt und natürlich hatten auch die Schulpsychologen und Paul selbst einige Schüler im Auge. So erstellten wir nach und nach Profile und kamen am Ende auf 72 Pakete. Bei den entsprechenden Leuten riefen wir natürlich vorher an, fragten, ob sie ein Paket haben wollen würden und auch was sie dieses Jahr besonders brauchen würden (Kleidung fürs Baby, Kosmetikartikel, Küchenutensilien - alles war irgendwie dabei.) Die Nachfrage ist, wie schon früher erwähnt, viel größer. Nachdem die Profile verschlüsselt wurden, sodass niemand die Familien erkennen kann, wurden sie in die Klassen gegeben. So hatte nun jede Klasse ein Paket zu packen, in das von uns vorgegebene Sachen kamen. In der letzten Schulewoche wurde diese dann von Lehrern ausgeliefert... und ich war froh, dass der Stress weniger wurde!
Am 2. Advent hatten Artemysia und ich ein großes Plätzchenbacken geplant. 4 Sorten sollten es werden und wir hatten jede Menge Spaß dabei und genauso viele Pannen. So war uns zum Beispiel nicht bewusst, dass der Ofen die Gradzahl in Fahrenheit anzeigen würde, weil Kanada eigentlich mit Celsium rechnet. Es war nur irgendwie komisch, dass das erste Blech mit Plätzchen nach einer halben Stunde immernoch genauso aussah wie zu dem Zeitpunkt als wir es in den Ofen geschoben hatten. Am Ende war das Ergebnis aber sehr zufriedenstellend und jeder von uns hatte eine ordentlich Portion an leckeren Keksen, die ihr auf den Fotos bewundern könnt. Am dritten Advent musste aufgrund zu schnellen Verzehrens dennoch eine weitere Plätzchenbackaktion stattfinden. Diesmal in einem anderen Ofen.
Denn wie vor einigen Wochen angekündigt, war ich nun endlich umgezogen. Eine Freundin, Sue, die an der Schule wahre Wunder mit Problemkindern vollbringt, ist über Weihnachten nach Europa gegangen und hat mich gebeten ihre Katze und das Haus zu sitten. So packte ich in der zweiten Adventwoche meine sieben Sachen und bemerkte dabei, dass ich schon jetzt viel zu viel besitze um das für den Rückflug in meine Koffer zu packen. Nun sitze ich aber erstmal in einem wunderschönen kleinen und gemütlichen Haus mit einer Katze und darf mich ganz zuhause fühlen. Die Gegend ist sehr schön. So bin ich nur 10 Minuten von Little Italy (einem Viertel mit vielen kleinen Cafes und Restaurant) und China Town entfernt. Auch die Outdoor-läden und der Kanal sind nicht weit weg. Wie man sicherlich bemerkt, ich bin absolut begeistert.
Wenngleich ich in den ersten Tagen vor Begeisterung lieber nicht in die Luft springen sollte, da dies zuviel Gefahrenpotential für meinen Rücken in sich barg. Tja, denn wenn man schonmal im Ausland ist, sollte man jede mögliche Erfahrung machen. Einen Tag vor dem Umzug kam ich mit zu nassen Schuhen in die Schule und rutschte im Treppenhaus aus und landete knallhart auf meinem Rücken. Zum Glück nur auf der Seite, da ich noch im Sturz dachte "Bloß nicht auf die Wirbelsäule! Bloß nicht auf die Wirbelsäule!!!" Als ich mich nach einer Stunde immernoch nicht richtig bewegen konnte, beschlossen Paul und Sue mich in ein Krankenhaus zu fahren. Ich landete im Montforte und durfte nun das kanadische Krankenhaussystem kennenlernen. Es gab nummerierte Wartebereiche, die man durchlaufen musste. Zuerst kam ich in den Bereich A, da ich noch niemanden gesehen hatte. Dort bekam ich aber immerhin einen Rollstuhl. Eine nette Schwester befragte mich daraufhin, was passiert sei und wie schwer es schmerzen würde. Danach durfte ich mich in den Bereich B setzen Von dort aus ging es dann an die Rezeption, wo nicht gerade freundlich meine ganzen Daten aufgenommen wurden. Dass ich zwar versichert, aber nicht ein typischer Patient war, bescherte der Dame noch schlechtere Laune und mir einen entgültigen Tränenausbruch. Ich fühlte mich so unsicher, wusste nicht wie genau es ablaufen würde und noch dazu schmerzte der Rücken höllisch. Am Ende des "netten Gesprächs" sagte sie mir mit einem Supermarktkassenton "Das macht dann 495$." Es gab wenige Momente in den letzten Wochen, wo ich mir gewünscht hätte nach Hause zu fliegen. Das war einer davon.
Danach war ich eine Woche krank geschrieben. Zum einen wegen des Rückens, zum anderen wegen der Medizin dagegen. Mir wurde sogenanntes Oxicodon verschrieben. Das ist ein Schmerzmittel, dass aber unter anderem Müdigkeit, Glücksgefühle und ein nettes Schwindelgefühl auslösen kann - unterm Strich gesagt, macht es high. Sue erzählte mir, dass ich pro Pille in der Schule von Schüler locker 30$ bekommen könnte, da es eine sehr beliebte Droge sei. Natürlich habe ICH die Pillen brav nach Vorgaben des Arztes genommen und sie dann in eine Schublade verbannt.
Damit hatte sich vorerst aber auch mein Schulalltag verabschiedet, was aber auch nicht so schlimm war. Sue musste ebenfalls krankheitsbedingt zuhause bleiben und so machten wir uns ein paar gemütliche Tage und ich genoss die Zeit mit ihr wirklich sehr. Wir schauten uns die Gegend an, machten einige Einkäufe und organisierten ihre Reise nach Europa, wobei ich ihr vor allem bei Deutschland sehr behilflich sein konnte. Ich lernte auch einige ihrer Verwandten kennen, die alle wirklich sehr nett waren und von denen jeder mindestens schon einmal in Europa war. Am 17. flogen Sue und ihr Mann dann Richtung London, was dazu führte, dass ihre Reise nicht so begann, wie sie sich das vorgestellt hatten. Mittlerweile sind sie aber da, wo sie hinwollten und hoffen, dass trotz des Wetters ihre Reise gut verläuft.
Ich habe die letzten Tage mit Freunden verbracht, die ja jetzt über Weihnachten nach Hause fahren. Es ist seltsam, denn viele von ihnen habe ich zum vorletzten Mal gesehen, denn wenn sie wiederkommen, werde ich mit Jörg wohl schon auf unserer großen Nordamerikatour sein. Am Ende bleiben uns noch 5 Tage in Ottawa, die aber wahrscheinlich gerade mal zum Aufwiedersehen-Sagen reichen.

Nun ist aber erstmal Weihnachten und ich bin heute Abend aber auch morgen bei Freunden eingeladen und sehr froh darüber. Jetzt da Heiligabend ist denke ich vor allem an meine Familie zuhause in Sonneberg und an Jörg und seine Familie. Es ist traurig nicht dort zu sein, nicht bei denen sein zu können, die man liebt und die mein ganzes Leben lang jedes Jahr mit mir am Weihnachtsbaum saßen. Ihr fehlt mir.
Auch meine Freunde seien hiermit herzlich gegrüßt. Ich habe euren Plätzchenbackbrief bekommen und mich riesig gefreut. Ihr seid die Besten.

Euch allen wünsche ich frohe, besinnliche und gesegnete Weihnachten, dass es nicht einfach nur Kommerz ist, sondern dass ihr wirklich das fühlen und feiern könnt, worauf es in diesen Tagen ankommt. Die Liebe zu den Menschen, die immer für uns da waren und hoffentlich auch immer sein werden.
In diesem Sinne: Frohe Weihnachten.

29. November 2010

Kleinigkeiten des Alltags - Teil 6

Bevor der November gänzlich vorbei ist, kommt hier noch eine  Kleinigkeit. Der November wird in Kanada schnell mal zum Mo-vember gemacht. Warum? Mo ist die Kurzform von Moustache und bedeutet Schnurrbart. So lassen sich im November viele Männer einen Bart stehen und sich dabei von Freunden und Bekannten sponsoren. Das Geld geht für einen guten Zweck an eine Stiftung für die Behandlung des Brustkrebs bei Männern. Dabei sieht man die lustigsten Exemplare und bei vielen Männern wird deutlich warum sie eigentlich keinen Bart tragen sollten... es ist auf alle Fälle in der Schule immer ein großer Spaß für Lehrer und Schüler!

28. November 2010

Die Vorbereitung auf die Ankunft

Hallo an Euch alle!
Auch hier wird es Advent. Man mag es zwar kaum glauben, aber es ist so. In den Geschäften läuft schon ordentlich Weihnachtsmusik, die Einkaufscenter sind voll von Weihnachtsbäumen und es scheint, dass hier die Menschen mit dem 1. Advent schon im Geschenkekaufstress sind. 
Eigentlich hatte ich dieses Jahr nicht vor, mir einen Adventskranz zu machen, doch dann lief ich über den Markt und sah überall das Tannengrün und es roch tatsächlich ein wenig wie... Weihnachten... und so lief ich wenige Minuten später freudestrahlend, ein Bündel Tannenzweige umarmend wieder nach Hause. Dank dem netten Herrn am Stand bekam ich kostenlos sogar ein paar Tannenzapfen dazu. Noch schnell 4 Kerzen und etwas schönes Geschenkband gekauft und so wurde der Samstagabend zur Bastelstunde. Den Werdegang und das Ergebnis seht ihr im Album. Euch allen wünsche ich einen schönen 1. Advent, dass etwas Ruhe einkehren kann und dass das, was in dieser Zeit besonders wichtig wird, euch täglich begleitet - die Vorbereitung auf die Ankunft des Herrn.



25. November 2010

An Tagen wie diesem....

Ich komme gerade aus der Schule und habe einen Tag hinter mir, der sich länger anfühlt als er eigentlich war. Warum?!

Ich hatte schon längere Zeit den Gedanken einen Text zu meinen emotionalen Erfahrungen zu schreiben, denn wie schon erwähnt – dies ist kein normales Auslandssemester. Täglich kommen Schüler zu Paul und mir, wollen einfach nur jemanden, der zuhört, der sich ihnen widmet. Täglich werden wir mit jungen Schicksalen konfrontiert, mit Problemen die Kinder in diesem Alter einfach nicht haben dürften. Fast wöchentlich finden Veranstaltungen und Konferenzen für Schüler statt, die sich um ihr Leben, um ihre Zukunft, im Generellen um die psychische Fürsorge kümmern. So trafen sich zum Beispiel vor einigen Wochen alle Jugendgruppen der Schulseelsorger für einen Tag um zum Thema „Liebe an-ziehen. Propheten im 21. Jahrhundert“ Vorträge zu hören, zu diskutieren und künstlerisch tätig zu werden. Ich war dabei und durfte alles ein wenig beobachten und den Vorträgen lauschen. Der Unikurs, den ich besuche dreht sich vor allem darum wer wir (die Kursteilnehmer) sind und was unsere Art der Seelsorge ist, welchen Stil wir im Umgang mit Menschen haben und wie wir uns entwickeln können auch in Hinsicht unseres Glaubens- und Gottesverständnisses. Dazu müssen wir Situationen aus unserem Tätigkeitsbereich sehr genau analysieren und Komponenten wie Psychologie und Theologie mit einbringen. Alles in allem ist diese Zeit hier zu einem absoluten Selbstfindungs- und Erkenntnisprozess geworden. Und dies verlangt einiges ab.
Dazu einige Zahlen, die zum Teil recherchiert sind, zum Teil aus persönlichen Erfahrungen stammen. Jedes zweite Paar in Kanada wird geschieden. Die Hälfte davon heiratet wieder, und ein gutes Drittel dieser Gruppe lässt auch die zweite Ehe scheiden. 2009 wurde ermittelt, dass bei 40% der kanadischen Frauen und 41% der kanadischen Männer im Laufe ihres Lebens Krebs diagnostiziert wird. Im Durchschnitt betrifft das jede Familie mindestens einmal. Tendenz zunehmend. Jeder zweite Schüler in Kanada wurde bereits gemobbt. Jede dritte Frau wird bis zu ihrem 30. Lebensjahr sexuell missbraucht, belästigt; verletzt sich selbst, hat Essstörungen, Suizidgedanken oder leidet unter psychischen Problemen. Jeder dritte Kanadier hat mindestens einmal in seinem Leben unter der Armutsgrenze gelebt... Jeder 10. schafft es nicht mehr zurück.
Vor allem heute habe ich den Eindruck, dass mich diese Fakten überall hin verfolgen. Kein Tag an der Schule vergeht ohne die Sichtbarkeit von mindestens einem davon. Erst heute wieder hatte ich mit einem Mädchen zu tun, dessen Vater sie zum Psychologen schickt, weil sie mit der Schizophrenie der Mutter nicht zurecht kommt. Ebenso ein Junge der 7. Klasse, der aufgrund der Krebstherapie eine neue Hose bestellen musste. Die alte war 3 Nummern zu groß. In der Religionsstunde heute kam ein Vertreter einer Organisation der Stadt in die Klasse, die sich um die Obdachlosen und Armen kümmert. Er kam mit erschreckenden Zahlen. Und letztendlich durfte ich online eine Liste erstellen von Weihnachtskörben für Familien der Schule, die sich kein Weihnachtsessen geschweige denn Geschenke leisten können. Es waren Familien mit 4 Kindern dabei; Großeltern, die sich um ihre Enkel kümmern weil die Eltern geschieden oder tot sind oder sich einfach nicht um die Kinder kümmern wollen. Bei den meisten Profilen war das Elternteil alleinstehend und die Kinderanzahl viel zu groß. Es waren Schüler der Schule darunter, die schon mit 14 in eine eigene Wohnung gezogen sind, neben der Schule jobben und versuchen ihren Abschluss zu meistern. Insgesamt waren es 60 Profile, die Anzahl der Anfragen übersteigt dies weit.

An Tagen wie diesem ist es schwer, seine Gefühle aus dem Spiel zu lassen, sich vom Mitfühlen nicht ins Mitleid zu verlieren. An Tagen wie diesen wird mir klar, wie gut es mir geht und wie stark diese Menschen sind. Es ist nicht so, dass sie bedauert werden wollen aber es ist erstaunlich, wie vor allem diese Kinder an der Schule (, die entweder geschiedene Eltern oder einen Krebsfall mit Todesfolge in der Familie haben) versuchen ihr Leben zu meistern.
An dem Tag als sich die Jugendgruppen trafen und ich den Vortrag über den Einfluss einer Scheidung der Eltern, über die Auswirkung unerfüllter Liebe auf Kinder hörte, rief ich spontan meine Eltern an, um ihnen zu sagen wie stolz und dankbar ich bin. Klar, das mag vielleicht für den einen oder anderen Außenstehenden zu sentimental klingen. Aber täglich mit diesen Dingen in Verbindung zu sein, hat mir bewusst gemacht, dass es nicht mehr selbstverständlich ist, wie ich aufgewachsen bin, dass meine Eltern immer noch verheiratet sind und dass ihre 3 Töchter alle den Weg in eine Universität geschafft haben und immer noch gerne nach Hause kommen. Ich habe an diesem Tag auch an Freunde und Bekannte gedacht, deren Eltern geschieden sind und auch hier ist zumindest mir klar geworden, dass es ebenso nicht selbstverständlich ist, dass sie Ausbildungen abschließen, an die Uni gehen, selbst heiraten und starke Persönlichkeiten entwickelt haben.

Ich möchte mich auf diesem Weg bei allen bedanken, die stets für mich da gewesen sind, bei meinen Eltern, Großeltern, bei Elisabeth und bei Jutta; bei Jörg, bei allen, die mich auf meinem Weg begleiten, seien es meine Freunde oder Menschen in meiner Heimatgemeinde und in Jena, Dingelstädt, Scheinfeld, Hamburg und anderswo und bei Menschen, die mich herausgefordert haben.
Ich merke jeden Abend, dass diese Erfahrung mich einiges an Kraft kostet und dass nach Kanada sicherlich einiges anders sein wird. Was genau, das wird sich noch zeigen...

15. November 2010

Kanada gedenkt - Rememberance Day

Sonntagabend. Zeit für einen Tee und einen Blogeintrag! Hallo an euch alle! Wie geht es euch? Bevor ich zu meinem sonntäglichen Studentengottesdienst gehe, wollte ich doch ein paar Zeilen über die vergangene Woche schreiben. Während in Deutschland am 11.11. um 11:11Uhr die Narrenzeit begann, standen in Kanada alle Autos und Maschinen still. Es war Rememberance Day. Das ist ein sehr besonderer Tag, was mir vor allem am Donnerstagmorgen deutlich wurde als ich in die Schule kam und Paul im Anzug mit Hemd und Krawatte erschien. Die Tage zuvor konnte ich nur Informationen aufschnappen wie: Kanada gedenkt seinen gefallenen Soldaten; es geht vor allem um den 1. und 2. Weltkrieg, es hat etwas mit Mohnblumen zu tun; es gibt eine große Zeremonie am Kriegsdenkmal und die Läden öffnen erst Mittag.
Nach ein paar Gesprächen und einigen Minuten bei Google kann ich folgenden Hintergrund dazu geben. Der Rememberance Day wird vor allem in den Commonwealth Ländern gefeiert, nachdem ihn König Georg V. im Jahre 1918 zum Gedenken der Gefallenen im 1. Weltkrieg einführte. Das Datum rührt daher, dass dieser offiziell am 11. Tag des 11. Monats zur 11. Stunde zu Ende war. Und so kamen auch dieses Jahr tausende Menschen zu dieser Zeit zusammen um zu gedenken. Jede Schule hat ihre eigene kleine Gedächtnisfeier zu der immer Soldaten eingeladen werden, die gedient haben oder noch dienen. So auch an meiner Schule. Um kurz nach halb neun begannen wir in der Turnhalle. Das Programm war gefüllt mit einer Rede der Direktorin, einem Gebet, für das Paul verantwortlich war und einem Vortrag eines jungen Offiziers, der letztes Jahr in Afghanistan von einer Miene schwer verletzt worden war. Schüler aller Klassenstufen nahmen an der Zeremonie teil und hörten sehr genau zu als der junge Soldat mit Bildern seine Erlebnisse schilderte. Es folgte eine kurze szenische Darstellung von der Theatergruppe, die wirklich gut und angemessen war. Sie stellten die Lebenswege zweier Soldaten dar. Einer, der nach dem Krieg wieder nach Hause kam und ein anderer, der dort starb. Alles geschah ohne Text und es war wirklich eindrucksvoll und rührend. Selbst ich musste mir einige Tränen verkneifen, dachte ich dabei doch auch an die Kriegsgeschichte Deutschlands. Das Schulorchester spielte die Nationalhymnen Englands und Kanadas und am Ende wurde den gefallenen Soldaten des Jahres 2010 in Afghanistan gedacht. Es waren 31. Nach der Zeremonie machte ich mich auf zum Kriegsdenkmal, dass mitten in der Stadt liegt. Lutz und Bea, ebenfalls Erfurter Studenten hatten auch beschlossen, sich die Feier anzuschauen. Je näher wir dorthin kamen, desto mehr rote Mohnblumen konnten wir sehen. Tage zuvor schon werden diese als Anstecknadeln in allen öffentlichen Einrichtungen ausgegeben. Das Format für diese ist patentiert und andere Anstecknadeln in Form von Mohn werden ungerne gesehen. Die Geschichte dazu ist eigentlich sehr schön, wenn sie nicht zugleich auch so traurig wäre... Im ersten Weltkrieg waren viele Soldaten in Flandern stationiert. Als nach einer großen Schlacht hunderte von Holzkreuzen dort aufgestellt wurden, wuchsen zwischen ihnen nach einiger Zeit Mohnblumen zu hauf. Das Rot der Blüten erinnerte vor allem an das vergossene Blut. Ein kanadischer Lieutnant namens John McCrae schrieb daraufhin ein Gedicht, das manche von euch vielleicht kennen. 

In Flanders Fields

In Flanders fields the poppies blow
Between the crosses, row on row,
That mark our place; and in the sky
The larks, still bravely singing, fly
Scarce heard amid the guns below.

We are the dead. Short days ago
We lived, felt dawn, saw sunset glow,
Loved, and were loved, and now we lie
In Flanders fields.

Take up our quarrel with the foe:
To you from failing hands we throw
The torch; be yours to hold it high.
If ye break faith with us who die
We shall not sleep, though poppies grow

In Flanders fields

Auf Flanderns Feldern

Auf Flanderns Feldern blüht der Mohn
Zwischen den Kreuzen, Reihe um Reihe,
Die unseren Platz markieren; und am Himmel
Fliegen die Lerchen noch immer tapfer singend
Unten zwischen den Kanonen kaum gehört.

Wir sind die Toten. Vor wenigen Tagen noch
Lebten wir, fühlten den Morgen und sahen den leuchtenden Sonnenuntergang,
Liebten und wurden geliebt, und nun liegen wir
Auf Flanderns Feldern.

Nehmt auf unseren Streit mit dem Feind:
aus sinkender Hand werfen wir Euch
Die Fackel zu, die Eure sei, sie hoch zu halten.
Brecht Ihr den Bund mit uns, die wir sterben
So werden wir nicht schlafen, obgleich Mohn wächst
Auf Flanderns Feldern.

Dieses Gedicht wurde eines der populärsten über die Thematik der Sinnlosigkeit des Krieges und die Mohnblume wurde daraufhin zum Symbol des Gedenkens der Gefallenen. Einige Jahre später während des 2. Weltkrieges waren kanadische Soldaten wieder in dieser Gegend stationiert. Es war Sommer und der Mohn blühte in Unmengen. So schickten viele von ihnen gepresste Blüten nach Hause und prägten somit weiterhin den symbolischen Charakter dieser Blume.
Heute werden die Anstecknadeln vor allem zugunsten von Stiftungen ausgeteilt und am Ende der Zeremonie legen am Kriegsdenkmal viele Besucher aus Zeichen der Solidarität ihre Anstecker dort nieder, wie ihr es auch auf den Fotos sehen könnt.
Die Zeremonie selbst war, so habe ich gehört, sehr andächtig und von vielen hohen Tieren besucht. Ich stellte an diesem Tag leider fest, dass ich viel zu klein für kanadische Verhältnisse bin und wir kamen auch etwas spät um noch die begehrten Plätze auf den Brückenpfeilern und Parkbänken zu ergattern. Wie voll es wirklich war, könnt ihr auf den Fotos sehen. Es waren einige hohe Tiere anwesend sowohl aus Kanada als auch Englands, deswegen gab es auch eine ordentliche Portion Scharfschützen auf den Dächern rund herum – die konnte ich wenigstens noch sehen. Alle Militäreinheiten waren vertreten, unter anderem die Navi und auch die berühmten Ranger! Ja, es gibt sie wirklich: die mit den roten Jacken und den komischen Hüten. Ebenso vertreten war die Luftwaffe, die zweimal in Formation über die Veranstaltung hinwegflog, was wirklich eindrucksvoll war. Außerdem war auch eine Abordnung der englischen Garde da sowie einige Schotten, die mit Dudelsäcken für einen Großteil der musikalischen Gestaltung sorgten. Schaut euch die Bilder an... es war fantastisch. Punkt 11 Uhr stand alles still und es folgten 21 Salutschüsse, die wirklich den Boden beben ließen. Nach der Feier konnte man überall Männer in jeglichen Uniformen sehen und in den Restaurants gab es spezielle Rabatte für Angestellte des Militärs. Lutz, Bea und ich werteten bei einem Lunch alles etwas aus. Wenngleich es ein riesiges Aufgebot an Militär war und eine Menge Vertreter des Staates anwesend waren, so kam es uns dennoch sehr andächtig vor. Wir hatten nicht das Gefühl, dass es sich hier um ein zur-Schau-stellen handelten, sondern das der Fokus wirklich auf das Gedenken gelegt wurde. Es gab weder Applaus noch große Reden. Nur zwei Gebete und ein feierliches Ablegen vieler Kränze am Denkmal. Auf uns machte es genau den Eindruck, den mir Paul am Morgen prophezeit hatte: dies war ein besonderer Tag für Kanada.

7. November 2010

Alltag

Nachdem dieser Blog mir fast in den Winterschlaf gefallen wäre, dachte ich die Stunde, die es heute extra gab für einen neuen Eintrag zu nutzen. Die letzten Wochen verliefen allerdings mehr im Alltagstrott, als dass es etwas überaus Spannendes zu erzählen gäbe. Aber dennoch gibt es ein kleines Update, was ich mittlerweile so treibe.
In der Schule läuft alles wie gewohnt. Ich komme morgens um kurz nach 8 Uhr an, schließe das Büro auf und begebe mich seit einiger Zeit nun immer auf den Nordflur, um da mit den Betreuungslehrern die Kinder noch vor der Hymne in die Klassen zu scheuchen und natürlich um ein wenig zu tanzen. Während der Hymne stoppen wir Schüler, die zu spät sind und fordern sie auf bis nach den Ankündigungen für den Tag dort still zu stehen, wo sie sind. Danach geht es dann meistens an die Arbeit. Paul hat meist schon eine lange Liste von Dingen, die wir den Tag erledigen müssen: Kinder sehen, um ihnen Uniformen, neue Unterkünfte, etwas zu Essen oder andere lebensnotwendige Dinge zu beschaffen; mit Schülern reden (sei es einfach so oder weil gerade ein Verwandter, Freund etc. gestorben ist);Veranstaltungen organisieren und wenn ich Paul mal nicht helfen kann, weil es sich um Papierkram handelt, dann bereite ich die Morgengebete vor. Mittlerweile stehen alle bis Weihnachten und ich glaube, Paul würde sich riesig freuen, wenn ich noch bis zum Halbjahresende vorarbeiten könnte. Solange habe ich allerdings dazu nicht mehr Zeit. In drei Wochen werde ich dann die Schule wechseln. Dann geht es an eine relativ neue Schule, in der das eigentliche Problem, so wurde mir gesagt, der Reichtum der Kinder ist. Betreuen wird mich da Sister Shelly, die ich auch schon kennengelernt habe und die nun zu meinem Supervisor für das gesamte Praktikum geworden ist. Das bedeutet, dass ich mich wöchentlich mit ihr treffe und reflektiere, was ich eigentlich mache und vor allem, wo die Theologie in meinem ganzen Tun steckt. Diese Geschichte gehört zu dem Unikurs, den ich immer noch besuche und der vor allem eines bringt: Selbstreflexion und Situationsanalysen. Es ist wirklich interessant wie viele Facetten man an einem Erlebnis und auch an sich selbst erkennen kann, wenn man sich die Zeit zur Betrachtung nimmt.
Des Weiteren habe ich den November für mich zum Hospitationsmonat erklärt. Das bedeutet, dass ich pro Tag mindestens eine Religionsstunde besuche. Ebenfalls habe ich in Eigeninitiative ein paar Deutschkurse an der Uni und an einer anderen Schule gefunden und die Professorin war zufälliger- und glücklicherweise auch die Lehrerin der Kurse an den Schulen und so durfte ich aber letzter Woche auch dort beisitzen und sogar schon kleine Einheiten selbst übernehmen. Da die Kurse aber Donnerstagabend von 18:30 bis 21:15 und Samstagvormittag 9:00 bis 12:30 sind, ist mein Wochenplan ziemlich ausgefüllt und an größere Reisen ist kaum noch zu denken. Das wird sich aber mit dem 17. Dezember ändern. Da ist sowohl das Schuljahr als auch das Unisemester vorbei und ich werde an diesem Tag ebenfalls meine Unterkunft wechseln. Eine Freundin, die Seelsorgerin an der Schule ist, fliegt ironischerweise über Weihnachten nach Deutschland und fragte mich, ob ich nicht ihr Haus sitten wollen würde. Da habe ich natürlich nicht nein gesagt, da ich zu Weihnachten doch etwas Ruhe gebrauchen kann... Im Haus läuft es leider noch immer nicht besser. So verfliegen nun doch so langsam die Wochen und ich zähle die Tage bis zum 27. Dezember, wenn Jörg kommen wird. Der Plan wohin es dann gehen wird steht. Es soll eine große Rundtour durch Kanada und den U.S.A. werden. Silvester werden wir in Chicago sein, dann geht nach Denver in die Rocky Mountains und per Flug nach Washington D.C., weiter nach New York und wieder zurück mit Zwischenhalten in Montreal und Quebec City. Am Ende stehen noch ein paar Tage in Ottawa, was letztendlich eine Art Mix aus den Dingen ergibt, die Jörg damals bei seinem Auslandssemester und ich nun bei meinem gesehen haben. Ich sage mir immer, dass das ja nun nicht mehr so lange dauert. Denn ehrlich gesagt, ich vermisse Deutschland und ich vermisse Jena. Ich habe lange darüber nachgedacht, ob ich etwas falsch mache und warum ich einfach nicht die Art Begeisterung verspüre, die viele meiner Freunde hatten, als sie weg waren. Aber eine gute Freundin hat mir erzählt, dass es ihr damals genauso ging bis sie im letzten Monat herumreiste. Ich kann mir gut vorstellen, dass ich dann auch ins Schwärmen komme. Bis jetzt ist mein Aufenthalt aber eher von Arbeit und Alltag geprägt.
Ansonsten verbringe ich die übrige Zeit im Fitnessstudio oder beim Schwimmen, gehe in die Stadt und treffe mich mit Freunden, wie zum Beispiel Artemysia, die ihr auf den Bildern vom Jackenraubzug sehen könnt. Ich habe sie beim Kaffee und Kuchen zum Tag der Deutschen Einheit kennengelernt. Sie besucht hier Deutschkurse und will vielleicht bald auch ein Semester in Erfurt verbringen. Auch Bradley sehe ich häufig und durch ihn treffe ich auch viele andere von Amys Party regelmäßig. Und mit Adam gehe ich häufiger Sushi essen...
Heute war ich zum ersten Mal im Gottesdienst einer Kirchgemeinde, was mir wirklich gut gefallen hat. Ich werde definitiv nächsten Sonntag wieder hingehen. Der Gottesdienst war um 19:30 und ist speziell für die Studenten und junge Menschen der Stadt ausgelegt und das konnte man auch merken.
Die Temperaturen pendeln sich hier nun um den Nullpunkt ein und gab auch schon Schnee, der allerdings noch nicht liegen blieb. Die Prognose der junge Dame im Strickgeschäft besagte allerdings, dass es noch circa 10 Tage dauern würde, bis der Winter käme. Ja richtig, Strickgeschäft! Ich stricke und habe auch schon das erste Paar Handschuhe fertig und arbeite jetzt an einem Alpakawollschal :)
Und zum Schluss für alle die es interessiert: ich habe mir gestern ganz spontan meine Haare abschneiden lassen und sehe mit richtig kurzen Haaren gar nicht so schlecht aus. So, das war´s für´s Erste mit diesem Update. Die nächsten Einträge werden wahrscheinlich wieder kleine sein, da sich wie gesagt, hier der Alltag einschleicht und ich für lange Einträge leider nicht mehr soviel Zeit und auch nicht genügend Stoff zur Verfügung habe. Aber ich denke, das ist euch doch auch ganz recht. Schaut im Übrigen immer mal bei meinem Picasawebalbum rein. Ich lade öfter mal Fotos hoch, ohne dazu hier Texte im Blog zu schreiben. Der Link kommt hier:


Ich wünsche euch eine schöne Woche! Ich vermisse euch und zähle wirklich die Tage bis ich wieder nach Deutschland fliege. Es freut mich aber immer mal zu hören, dass es euch allen soweit gut geht. Bis bald und kanadische Grüße :)

26. Oktober 2010

Kleinigkeiten des Alltags - Teil 5

Eines der gefährlichsten Dinge, die Ottawa zu bieten hat?! Öffnungszeiten bis 22 Uhr abends! Warum?! Weil man dann mindestens einmal täglich in irgendein Geschäft rennt und wirklich immer etwas finden wird. Von einer Insiderin habe ich aber nun folgendes erfahren: die Kanadier sind nicht dumm, wenn es ums verkaufen geht. Ein Kanadier würde ein Kleidungsstück niemals zum Normalpreis kaufen, nein. Denn alle zwei Wochen werden die Läden mit neuen Kollektionen versorgt. Das bedeutet das "alte" Zeug muss raus und wird um 50 - 70 % im Preis gesenkt. Warten lohnt sich also... Die Strategie der Läden ist allerdings, dass man, wenn man schon mal dabei ist, viel mehr einkauft und vielleicht auch Dinge mitnimmt, die nicht im Ausverkauf sind. Raffiniert!

25. Oktober 2010

Kleinigkeiten des Alltags - Teil 4

Die Hymne Kanadas ist zweisprachig. Die erste und dritte Strophe ist in englisch, die zweite französisch formuliert. Aufgrund des absolut englischen Akzentes ist mir das aber erst am Christian Community Day aufgefallen, als der Text per Power Point an die Leinwand gebracht wurde. Die Provinz, die sich als durch und durch französisch betrachtet, ist Quebec. Diese hatte einige Zeit das Bestreben, sich als eigenständiger Staat von Kanada loszulösen, was aber an der Volkabstimmung scheiterte. 2006 wurde Quebec jedoch als "Nation innerhalb eines geeinten Kanadas" anerkannt.

21. Oktober 2010

Truthahn, nichts als Truthahn!

Ich werde mich diesmal einfach nicht für den späten Eintrag entschuldigen, ihr seid es wahrscheinlich eh schon gewohnt.
Am vorletzten Wochenende fand das kanadische Thanksgiving statt. Für mich war es neu, dass dieses Thanksgiving nicht mit dem der Amerikaner zusammenfiel. Die haben ihres erst im November. Das Kanadische wird wiederum nicht ganz so groß aufgezogen, Truthahn gibt es aber dennoch und ein langes Wochenende für die Schüler. Jedenfalls für die Schüler der katholischen Einrichtungen. Dennoch für Paul und mich und alle anderen Mitarbeiter des Catholic School Board Ottawa begann das Wochenende mit dem Christian Community Day am Freitag. Dieser Tag ist nur für die Mitarbeiter des Boards gedacht, was aber dennoch einer Besucherzahl von 4000 Leuten entspricht. Diese kamen an diesem Tag zusammen, um gemeinsam zu beten, das letzte Jahr mit einigen PowerPoints und Vorträgen zu reflektieren und in den Kaffeepausen miteinander zu quatschen. Sehr interessant war der Vortrag eines Native Americans, der von seinen Erfahrungen als Pädagoge und Psychologe erzählte. Dieser war so gut, dass ich kurzer Hand meinen Notizblock herausholte und mitschrieb. Ach ja... die guten alten Vorlesungen.
Danach ging ich mit Paul und dem Lehrpersonal noch in einen nahegelegenen Pub.
 














Am Samstag musste ich relativ früh aus den Federn, denn Kerri, eine Kommilitonin aus dem Unikurs, hatte mich zu einer Wanderung in den Algonquin Nationalpark eingeladen. Dieser Nationalpark ist mit einer Fläche von 7500 km² einer der größten Nordamerikas. Er beherbergt fast alle Tierarten Kanadas, darunter auch Bären und natürlich den berühmten Elch. Man kann dort nicht nur wandern, sondern auch paddeln, Rad fahren und campen. Das Wochenende war perfekt um dort wandern zu gehen. Es war sonnig und warm, das Laub war aber dennoch schon bunt und die Blätter begannen zu fallen. Schon die Fahrt dorthin war sehr reich an Eindrücken und Naturbildern. Wo noch vor einigen Wochen grüne Bäume standen, war nun eine Mischung aus dunklen Rottönen, Kürbisorange und Goldgelb zu sehen! Eine großartige Aussicht. Am Parkrand angekommen, mussten bezahlten wir den Eintritt und mussten das Autokennzeichen im Falle einer Vermisstenmeldung durchgeben – sicher ist sicher. Und dann fuhren wir wieder circa 20 min, denn wie gesagt, der Park ist groß. Kerri und ich hatten uns vorgenommen eine kleine Tour mit schöner Aussicht und eine größere Tour zum wirklichen Wandern zu gehen. Die erste Tour war gerade mal 1,5km lang, dafür aber sehr sehr beeindruckend. Wir parkten auf einer Lichtung und waren nur wenige Meter einen Berg hinauf gegangen als sich auch schon die Bäume lichteten und wir direkt an einem ziemlich steilen Abhang standen. Unten im Tal war ein Fluss, uns gegenüber ging direkt an den Klippen der Wald weiter. Es war umwerfend!!! Es war möglich das Tal einige Kilometer zu verfolgen und so setzten wir uns an den Abhang und genossen ein wenig die Aussicht. Dies war wieder einer der wenigen Augenblicke, wo ich dachte „DAS ist Kanada.“
Etwas weiter trugen wir uns in ein Wandererbuch ein, stiegen wieder ins Auto und fuhren zur nächsten Strecke. Die zweite sollte circa 12 km lang sein und führte mehr durch den Wald. Es war schwierig, sich auf die Bäume und den Weg zu konzentrieren und so hielten wir einige Male an um Fotos zu machen und die Natur zu bewundern. Nur so nebenbei, Elche oder Bären haben wir an diesem Tag leider nicht gesehen, dafür aber sehr viele Erdhörnchen. Diese sind sehr schnell, etwas kleiner als Eichhörnchen und haben einen nicht so buschigen Schwanz und Streifen auf dem Rücken und sie sind super süß!!! Fotografieren war aber leider unmöglich. Der Weg führte uns zu einige wirklich schönen Seen, deren Anblick mich an sämtliche Reisemagazine erinnerte. Kleine Wasserfälle verbanden den See mit einem Fluss, der wiederum in einen anderen See mündete und alles in Sehweite. Und wir beobachteten dies alles von einigen Felsen aus, die ideal an den Wasserfällen „platziert“ waren – danke Mutter Natur! Dort machten wir unsere Mittagspause und gingen den Weg wieder zurück. Ich weiß, dass das alles nicht sonderlich aufregend klingt, aber es war nunmal eine Wanderung. Aber schaut euch die Bilder an... die Eindrücke waren wirklich einmalig!
Am Sonntag morgen fand bei uns in der Hausgemeinde der Thanksgivinggottesdienst statt, der vom Prinzip her mit dem Erntedank-Gottesdienst zu vergleichen ist. Da ich mir durchaus der Masse an Essen bewusst war, die da auf mich zukommen sollte, huschte ich im Anschluss gleich in Fitnessstudio. Gerade aber mal 5 min auf dem Laufband, rief mich Kerri mit einem Mal an, um mich zu fragen, ob ich eine Stunde eher abholfertig sein könnte. Ich war verschwitzt und verdutzt, denn das war in gerade mal 45 min. Da sie es aber nicht all zu eilig hatte, konnte ich zumindest mein Lauftraining beenden und so holte sie mich und eine weitere Kommilitonin am Nachmittag ab. Ich muss dazu sagen, dass das Thanksgivingdinner bei den meisten Familien auf 16Uhr angelegt ist...
Als wir dort ankamen, waren die Vorbereitungen noch in vollem Gange. Es sollte zwei Truthähne geben und etliche Beilagen: Kartoffelbrei, Süßkartoffeln, Brokkoli, Bohnen, Erbsen, Salat, die Füllung des Truthahn und zweierlei Soßen. Eine Menge Arbeit also, aber wir waren ja auch genug Leute um das Ganze vorzubereiten.
Gegen 17 Uhr wurden dann auch das Buffet eröffnet und jeder lud sich ordentlich auf den Teller. Ich ging fest davon aus, dass bei der Menge an Essen jeder mindestens zweimal zum Buffet gehen würde und war ziemlich überrascht als nach einem Teller jeder am Tisch absolut voll zu sein schien. Ich hatte natürlich noch Appetit und fragte Kerris Mutter ob es unverschämt wäre, wenn ich nochmal gehen würde. Die freute sich natürlich riesig und schob mich fast zum Truthahn. Alle anderen waren einfach nur beeindruckt, dass ein kleiner Mensch wie ich so eine Menge Essen verdrücken kann. Den Kuchen, den es zum Nachtisch gab, hab ich natürlich auch nicht ausgelassen, was noch mehr Verwunderung hervorrief. Nach dem Essen saßen wir eine Weile zusammen, quatschten über dies und das und über Deutschland. Die meisten Leute wollen hier Genaueres über die Teilung wissen und wie es so in Ostdeutschland war. Ich muss dann immer sagen, dass ich leider nicht aus eigener Erfahrung sprechen kann, aber trotzdem wird immer sehr gespannt zugehört.
Zum krönenden Abschluss lud mich Kerri in den Whirlpool auf der Terrasse des Hauses ein und so ließen wir Mädels den Abend in einem blubbernden wohlriechenden Bad beim beobachten der Sterne ausklingen. Und für den Nachhauseweg und die restlichen 30 Jahre nach dem Essen, gab es einen riesigen Berg an Resten zum Mitnehmen.
Auch der Montag sollte nochmals ganz im Zeichen des Truthahns stehen. Diesmal aber in anderer Form. Ich war zum Haus der Oblates eingeladen, einer Ordensgemeinschaft die laut Wikipedia zu den Benediktinern gehört. Alle Freunde des Hauses waren eingeladen und so hatte Bradley, ein sehr guter Freund von mir auch mich gefragt. Insgesamt waren dort an die 30 Leute und der Truthahn reichte genau für alle. Es gab wieder ein Buffet, die Runde war diesmal allerdings lockerer. Amy und ein paar Freunde von ihrer Party waren auch da. An sich war der Abend aber eher sehr gemütlich und nachdem wir Mädels noch mit aufgeräumt hatten, ging ich vollgefuttert nach Hause. Thanksgiving habe ich in Kanada als nicht als zu übertriebene Feier festgestellt, wenn man mal von der Größe des Truthahns absieht. Die Reste werden hier im Übrigen eingefroren und später für Sandwichs verwendet. Die Knochen kochen sie für einen Suppenfond, was ich wirklich toll fand. Es wurde wirklich alles verwendet und kaum etwas weggeschmissen. Im Endeffekt ist es ein Wochenende um mal ein wenig Zeit mit Freunden oder der Familie zu verbringen, mehr Bedeutung schien es aber in meinen Augen für die Kanadier nicht zu haben. Wobei Freunde und Familie ja doch bedeutungsvoll genug sind....

19. Oktober 2010

Kleinigkeiten des Alltags - Teil 3

Das Schuhwerk hier ist wirklich sehr interessant: draußen werden Birkenstock-hausschuhe getragen, in der Schule laufen die Mädels manchmal nur mit Socken durch die Gegend. Ich habe den Eindruck, man versucht es sich überall so gemütlich wie möglich zu machen.
Und ich fahre mittlerweile mit Handschuhen und leichter Mütze zur Schule. Zu Recht, denn heute Morgen gab es den ersten Frost auf den Autos. Im Bild im Übrigen mein alltägliches Transportmittel... klein, blau und ohne funktionierende Gangschaltung.

18. Oktober 2010

Kleinigkeiten des Alltags - Teil 2

Der Rideaukanal, der durch die Innenstadt fließt, wurde heute auf einen Pegel von circa 50 cm abgepumpt. Damit ist offiziell die kalte Jahreszeit eröffnet. Denn nur so wird gewährleistet, dass der Kanal ganz zufriert, sodass man im Winter darauf Schlittschuhlaufen kann...

Kleinigkeiten des Alltags - Teil 1

Über eine rote Ampel in Ottawa zu fahren, kostet 325$! Einer unserer Afrikaner im Haus hat das gleich zweimal in zwei Wochen geschafft ;)!

7. Oktober 2010

Immaculata Saints – meine Herausforderung


Es tut mir Leid, dass ihr solange nichts von mir gehört habt, aber momentan ist hier einiges los...
Nun beende ich schon die dritte Woche im Schulbetrieb hier in Ottawa und seitdem ist vieles anders geworden. Die Zeit scheint doch allmählich wie im Flug zu vergehen, was ich voll und ganz meinen neuen Aufgaben verdanke.
Wie also erwähnt, bin ich an der Immaculata und arbeite dort mit Paul, dem Hauptseelsorger. Paul Kozak ist 32 und Ukrainiancatholic. Er hat 4 Kinder und das 5. ist auf dem Weg. Darüber hinaus ist er wohl einer der witzigsten Personen mit denen ich jemals arbeiten werde. Vom ersten Tag an mochte ich die Art und Weise wie er mit den Schülern sprach und versuchte einen Draht zu ihnen zu finden. Genau wie ich ist Paul neu an dieser Schule, aber dafür macht er seinen Job als Seelsorger echt gut. Die Schule selbst ist katholisch und wurde 1928 von Schwestern gegründet und ist heute als eine sehr internationale Schule bekannt. Das heißt, dass vor allem Kinder von Immigranten hier lernen und betreut werden. Diese Betreuung erstreckt sich von Hausaufgabenclubs, über verschiedene Nachmittagskurse (Chor, Hockey, Schach, Mosaikgestaltung etc.) bishin zur direkten Seelsorge. Die Klassenstufen 7 bis 12 werden dort unterrichtet und es gibt an die 100 Lehrer und 4 Seelsorger, von denen Paul als Kaplan einer ist. Mein erster Tag an der Mac war schon sehr aufregend und bezeichnend. Ich erschien pünktlich um 7:45 Uhr und brachte meine Sachen in Pauls Büro. Und wie es für einen Praktikanten üblich ist, rannte ich ihm in den ersten Tagen nur hinterher und versuchte so viele Namen und Infos wie möglich zu behalten. Unser erster Weg führte uns durch die Eingangshalle der Schule Richtung Ansageraum (die Schule verfügt über eine Lautsprecheranlage), um dort das Morgengebet zu sprechen. Wie gesagt, die Schule ist katholisch! Jeden Morgen gibt es die gleiche Routine: um kurz vor acht werden aktuelle Songs durch die Lautsprecher gespielt um die Schüler mit guter Laune in die Klassen zu schicken. Um 8:15 Uhr folgt die Nationalhymne, dann das Morgengebet und abschließend die Ankündigungen für den Tag. Als ich also am ersten Tag mit Paul durch die Eingangshalle lief, wurde schon Musik gespielt und auf einmal blieb Paul stehen und fing an zu tanzen. Ich war irritiert! „Los! Wir starten einen Flashmob!“, so Pauls Aufforderung und welcher Student sagt zu einem Flashmob schon nein?! Seitdem machen wir das jeden Morgen und immer mehr Schüler machen mit, was wirklich für gute Stimmung sorgt und das um 8 Uhr :)...
Meine Aufgaben am Tag variieren und morgens weiß ich meistens noch nicht, was am Tag auf mich zukommt. Große Projekte, die ich bis jetzt übernehmen durfte, waren zum Beispiel die Gespräche, die ich mit den Achtklässlern führen sollte, die in diesem Jahr neu an die Immaculata gekommen sind. An dieser Schule wird sehr darauf geachtet, dass es allen Schülern gut geht und dass sie mindestens einen erwachsenen Ansprechpartner haben. Das ganze wird durch sehr viel Organisation, Fragebögen und einem Haufen Arbeit der Seelsorger ermöglicht, von denen ich nun allmählich einer bin. Weitere Aufgaben sind aber auch das Heraussuchen von neuen Morgengebeten, das Sortieren und Ausgeben der Schuluniformen. Ja genau, hier werden Uniformen getragen und leider wurde ich selbst schon zweimal gefragt, ob ich meine vergessen hätte. Aber ich muss mir einfach noch einen Ruf verschaffen, obwohl ich dachte, dass Tanzen am Morgen reicht... Zu den eher ungewöhnlicheren Aufgaben gehörte das Vorbereiten von 1200 Hotdogs für den Terry-Fox-Run. Was ist das? Also, Terry Fox war ein kanadischer Leichtathlet, der in den 60ern erfuhr, dass er Krebs habe und dadurch ein Bein verlor. Er bekam eine Prothese und überlegte, was er nun machen sollte. Und so beschloss er mit der Prothese durch Kanada zu laufen und von jedem Kanadier einen Dollar für Krebsleidende zu sammeln. Terry Fox fand viele Anhänger und Fans und begeisterte eine ganze Nation bis er nach 143 Tagen und 5373 gelaufenen Kilometern hatte der Krebs schon lange seinen Körper erneut befallen und war bis dahin in seine Lungen gelangt. Er musste den Lauf abbrechen und starb kurze Zeit später mit 22 Jahren in der Nähe von Thunder Bay hier in Ontario. Er wird hier als Held gefeiert und natürlich ist eine Stiftung für Krebskranke nach ihm benannt. Und für diese Stiftungen laufen jährlich alle Schulen in Ontario einen Spendenmarathon. Dieser fand in meiner ersten Woche an der Schule statt und im Anschluss bekamen alle Läufer eine Flasche Wasser und ein Hotdog. Das ganze endete in einer Art Sport- und Spielfest für die Schüler. Und ich habe an diesem Mittag das erste Mal „Dunk me!“ gesehen. Das heißt, ein Lehrer wird über einem großem Bottich mit Wasser auf eine Vorrichtung gesetzt, die mit einer Zielscheibe verbunden ist. Die Schüler bezahlen eine bestimmte Summe, um auf die Zielscheibe zu werfen. Treffen sie die Mitte, geht der Lehrer baden... nette Idee ;)! Und es gab wirklich einige Lehrer, die da mitgemacht haben.
Ich muss wirklich sagen, dass das Kollegium mir wirklich gut gefällt. So gut wie alle versuchen hier einen respektvollen Umgang mit den Schülern zu pflegen, sich dabei aber nicht über den Schüler stellen. Allein die Tatsache, dass sich Lehrer von den Schülern versinken lassen, zeugt von einer besonderen Beziehung, die die Schüler ebenso versuchen zu pflegen. Natürlich ist hier nicht alles schön und auch die Mac hat mit Problemkindern zu kämpfen, aber momentan scheint mir die Herangehensweise eine andere als in Deutschland zu sein.
Mein nächstes Projekt wird es sein, ein Konzept für eine Gruppe von Problemkindern zu erstellen, in dem vor allem Religion und Gott eine Rolle spielen. Diese Aufgabe bekam ich heute... mal schaun, was mir so einfällt.

Ansonsten geht hier momentan einiges drunter und drüber und ich stehe zur Zeit leider ziemlich unter Strom. Am letzten Wochenende war Frau Prof. Wijlens bei uns und hat am Montag auch mit dem School Board über zukünftige Praktikanten gesprochen. Sie schrieb mir hinterher eine Email, dass dort alle ganz begeistert von mir seien und in den nächsten Jahren gerne auch andere kommen könnten. Das sind doch mal gute Nachrichten! Am 3. Oktober feierten wir zusammen mit anderen Studenten, die aus Erfurt nach Ottawa für ein Auslandssemester gekommen waren, den Tag der Deutschen Einheit mit Kaffee und Kuchen, was sehr schön war. Am kommenden Wochenende ist nun Thanksgiving. Am Samstag hat mich eine Kommilitonin zum Wandern in einen Nationalpark eingeladen und am Sonntag werde ich in Ottawa mit ihrer Familie ganz traditionell Truthahn essen. Davon wird es dann sicher auch einige Fotos geben.
Aprospos Fotos: da ich in der letzten Zeit immer mal wieder Fotos geschossen habe, aber nicht zu jedem Album einen Text schreiben werde, lohnt es sich auf alle Fälle immer mal in mein Picasa-webalbum reinzuschauen. Die Fotos bekommen dann auch Unterschriften, um wenigstens ein bisschen Information dazu zu liefern.
Ich wünsche euch allen ein sehr schönes Wochenende und ich werde mich bemühen, wieder öfter von mir hören zu lassen. Ich vermisse euch!

17. September 2010

Quebec City - die unentschlossene Stadt (17. und 18.09.2010)

Am Samstagmorgen ging ich also um 6 Uhr aus der Tür in den doch kalten Herbstmorgen. Es war noch etwas neblig und ich ziemlich müde. Ich hatte mir selbst auch keine Zeit mehr dafür gelassen, einen Kaffee zu kochen bzw. zu trinken und hoffte einfach, dass wir auf der Fahrt bald irgendwo halten würden. Ottawa hat wie jede Stadt am frühen Morgen ihren ganz eigenen Flair.. Wir waren so gut wie die einzigen auf der Straße und der Himmel, der so langsam vom dunkel- ins hellblau verlief, ergab mit den Leuchtreklamen der Stadt ein sehr schönes Bild. Wir bogen auf den Highway und befanden uns bald außerhalb der Stadt, wo über den Wiesen noch der Nebel hang. Perfekt wurde dieses Bild, als durch den Nebel hindurch die Sonne direkt vor uns goldorange aufging. Und ich muss mich mal selbst loben: ich habe eines der schönsten Bilder meines bisherigen Aufenthalt geschossen, aus dem Auto heraus!
Die weitere Fahrt schlief ich viel und gönnte mir beim ersten Quebecer McDonalds einen Kaffee. Gegen 10 Uhr waren wir noch eine Stunde von Quebec City entfernt und hielten bei einem Tim Hortons (eine Art Fast-food-restaurant nur für Kaffee und Gebäck und seeeeehhhhhhr beliebt in Kanada. Dort wollte sich Flavie mit vier ihrer alten Freundinnen treffen, die in der Nähe ihrer Heimatstadt geblieben waren, während Flavie vor 25 Jahren von Quebec nach Ottawa gezogen war. Die Truppe war wirklich sehr witzig und auch wenn sie sich nur auf Französisch unterhielten, so verstand ich doch alles. Nur mit dem Sprechen hatte ich es noch nicht so ganz... Achso, vielleicht sollte ich dazu sagen, dass die Provinz Quebec, die an Ontario grenzt komplett französisch(sprachig) und darauf auch sehr stolz ist. Um 11 Uhr brachen wir wieder auf und kamen kurz vor Mittag in Quebec City an. Viele Menschen in Ottawa hatten mir versichert, dass ich als Europäer diese Stadt lieben würde, da sie als älteste Stadt Nordamerikas auch gleichzeitig die europäischste von allen sei. Mein erster Eindruck war, dass mich die Stadt an Italien erinnerte, da das Zentrum wie Assisi auf einem Berg lag mit dem Unterschied, dass auf der einen Seite des Berges der großes St-Lauren-River an der Stadt entlang zog. Der zweite Eindruck erinnerte mich eher an San Francisco, da die meisten Straßen eine wahnsinnige Steigung hatten. So zum Beispiel auch die Straße, in der Flavies Bruder Nicolas wohnte. Dieser stand mit seiner Partnerin schon am Straßenrand um uns zu begrüßen UND um mir eine Karte in die Hand zu drücken. Der erste Kontakt verlief ungefähr so: ich: „Hallo ich bin Maria. Schön dich kennen zu lernen.“ Er: „Hallo ich bin Nicolas. Hier ist die Karte. Das wichtigste habe ich dir markiert. Wir sind gerade hier (er zeigt auf die Karte) und du gehst einfach hier die Straße immer gerade aus, dann siehst du es schon. Hab einen schönen Tag.“ In dem Moment haben Flavie und ich so gelacht, denn sie hatte mich schon darauf vorbereitet, dass ihr Bruder gerne durch Quebec führt, wenn Gäste da sind und dass er ein begeisterter Weltenbummler sei. Dazu aber später mehr. Daraufhin wurden noch ein paar wenige Worte gewechselt und dann ging ich Richtung Stadtzentrum und die anderen fuhren Richtung Familienveranstaltung.
Wenn ich Quebec City beschreiben müsste, dann würde ich sagen, dass es durchaus eine Stadt ist, in die man sich verlieben kann. Ich hatte an diesem Nachmittag leider nur die Möglichkeit eine kurze Affäre mit ihr einzugehen. Auf den ersten Blick war die Innenstadt wirklich sehr schön; kleine Läden mit selbst genähten und sehr modischen Sachen wie T-Shirt, Mäntel und Taschen, andere Architektur als in Ottawa und überall der Hauch des Französischen. Je weiter ich aber in das Zentrum kam, desto mehr Leute wurden es und als ich zu den Attraktionen gelangte, die Nicolas mir eingezeichnet hatte, konnte ich mich kaum vor den Massen an Touristen retten. Auf jeden meiner Schritte musste ich achten, dass ich nicht jemanden rempelte und so wunderte es nicht, dass sich die Besichtigung der Hauptattraktionen wie das Chateau Frontenac und den Blick auf den Fluss relativ kurz hielten. Interessant waren aber wiederum die vielen Straßenkünstler, die überall in der Innenstadt ihre Talente zur Schau stellten. Ruhiger wurde es erst als ich die Basilica Notre Dame betrat; eine sehr schöne Kirche, die aber über und über mit Gold verziert ist und an jeder Säule einen Plasmabildschirm besitzt (etwas typisch nordamerikanisches hab ich mir sagen lassen.). Nach der Kirche beschloss ich in die kleineren Gassen der Stadt zu gehen und das war die beste Entscheidung, die ich hätte treffen können. Mit einem Schlag war niemand mehr auf der Straße und eines der wahren Gesichter der Stadt kam zum Vorschein; ein sehr schönes Gesicht. Die kleinen Häuser und individuell gestalteten Fassaden waren wunderschön und bestätigten meinen Eindruck von Quebec als eine Stadt, die sich einfach nicht entscheiden wollte in welchem Land sie liegt. Da waren Häuser, die sehr italienisch aussahen neben welchen die gut und gerne auch in Schweden hätte stehen können. Wieder andere erinnerten mich sehr an Häuser, die ich auf Bildern von Irland gesehen hatte. Und nicht zum Schluss gab es viele, die sehr britisch und wieder andere die sehr französisch wirkten. Es war alles dabei und ich war begeistert und rannte wie eine Wilde mit meiner Kamera hin und her. Meinen Stadtrundgang beendete ich mit einem Gang am Wasser entlang und mit Suche nach einer Bäckerei um ein paar Postkarten zu schreiben und ein leckeres Stück Kuchen zu essen. Naja, die Bäckerei fand ich, aber klein war sie nicht. Dafür war aber das Gebäck umso leckerer... Blätterteig mit Schokolade und Birne, total simple und total lecker! Zum Kartenschreiben kam ich leider nicht mehr, weil bald Flavie anrief und sagte, ich könne nun jederzeit zu Nicolas kommen, da sie wieder da wären.
Also machte ich mich zu seinem Appartement und mit dem ersten Schritt hinein, hatte ich mich auch schon in die Wohnung verliebt. Diese Wohnung war der Hammer! Wie Quebec selbst war sie eine Mischung: mediterraner, orientalischer und amerikanischer Stil mit Holzdielen und viel Kunst und Fotos an den Wänden. Die Wohnung lag im Obergeschoss und dazu noch auf dem Hügel und so hatte man vom Balkon aus eine wunderbare Sicht. Ich bekam das schönste Zimmer und hätte es bei der Abreise am liebsten einfach mitgenommen. Der Holzfußboden, die braunroten Wände und das große Bett mit einer Federdecke; ich fühlte mich wahnsinnig wohl! Im Übrigen ist Nicolas Wohnung Couchsurfern zugänglich und ich kann diese Bleibe wärmstens empfehlen! Am Samstagabend saßen wir also zusammen, aßen ein leckeres Nudelgericht, tranken Wein und unterhielten uns auf Quebecer französisch. Mit der Zeit schaffte ich es auch mit meinem Schulfranzösisch Sätze zu formulieren. Es war ein wunderschöner Abend und ich würde lügen, wenn nicht französischer Flair in der Luft lag. Nicolas zeigte mir vieler seiner Fotos, die er überall in Nordamerika über die Jahre gemacht hatte und er gab mir viele Tips, wohin man im Januar fahren könnte.
Und so fuhr ich am Sonntagvormittag voller Eindrücke und guter Ideen zum Thema Reisen und Wohnungsgestaltung;)) wieder Richtung Ontario. Natürlich aber nicht ohne in einem kleinen Café um die Ecke gefrühstückt zu haben. Es gab zwar auch hier Bacon and Eggs aber dazu bestellte ich Pancakes. Allerdings sind die Quebecer Pancakes genau das gleiche wie bei uns die Crepes. Auf meine original amerikanischen Pancakes muss ich also noch ein wenig warten. Auf der Rückfahrt nahm Flavie anfänglich extra den Weg durch die kleineren Städte um mir zu zeigen, wie die Provinz Quebec sonst aussieht. Überall waren kleine Häuser und die Städtchen direkt am St.-Laurence-River waren wunderschön. Typisch für Quebec sind Häuser aus Stein, wie sie von den ersten Bewohnern dieser Gegend gebaut wurden. Es gab einige Jahrzehnte, wo diese Fassaden mit Holz versteckt wurden, aber so langsam wird es wieder populär und mir persönlich haben diese Häuser sehr gefallen. Irgendwie sahen sie sehr britisch aus... gezwungenermaßen musste ich an Rosamunde Pilcher denken. Und Flavie hatte erwähnt, dass die Provinz Quebec mit den Jahreszeiten immer 3 Wochen vorraus ist und wie man auf den Bildern erkennen kann, wurde es dort so langsam Herbst und die Bäume wechselten von grün zu einem kürbisorange.

So schön, wie das Wochenende war, so schrecklich war der Sonntagabend. Eine weitere Unterhaltung mit Peter über mein Praktikum war beim Abendessen etwas ausgeartet. Ich hatte gefragt, wer im School Board überhaupt wusste, dass ein Praktikant aus Deutschland da war und ob die Schulen davon wussten. In der Organisation wussten an die 4 Leute genauer Bescheid, an den Schulen aber absolut niemand. Es soll angeblich an meinem Motivationsschreiben gelegen haben, dass nicht genau formuliert sei, aber diesen Schwarzen Peter wollte ich mir nicht zuschieben lassen und so versuchte ich so ruhig wie möglich zu erklären, dass man keinen deutschen Praktikanten nach Kanada einfliegen lassen kann ohne dass überhaupt feststeht, dass er in die Schulen darf. Ich sollte dann erklären, wie die Organisation denn laufen solle, also schlug ich vor doch einfach bevor jemand nach Kanada kommt, zu checken ob die Schulen jemanden nehmen würden. So wirklich einsichtig war Peter aber nicht und ich deswegen um so wütender. Am Montag konnte sich mein Fall zum Glück lösen, da mich der Seelsorger der Immaculata Highschool gerne als Praktikant haben wollte. Also sollte ich am Dienstag gleich damit anfangen, ihm unter die Arme zu greifen. Und darauf freute ich mich riesig.

16. September 2010

Tanzabend at St. Pauls und Amys Warm-up-Party


Nachdem der letzte Eintrag ja nicht so gut klang, möchte ich mich nun mit ein paar schöneren Erlebnissen zurückmelden. Am vergangenen Wochenende war bei mir ja doch einiges los. Zunächst war am Donnerstagabend an der St.-Paul-Universität ein Tanzabend. Dass dieser ein Motto, „Dance like the stars“, hatte und man sich dementsprechend kleiden sollte, erfuhr ich erst kurz vorher. Naja, Verkleiden hat mir eh noch nie so viel Spaß gemacht... Zum Glück kamen auch einige Studenten direkt aus ihren letzten Kursen (der letzte endet 20:30 Uhr und es gibt Nachtkurse bis 22:30 Uhr) und die hatten natürlich auch nicht extra eine Verkleidung mitgebracht. So lernte ich unter anderem zwei Studenten aus dem Bereich der katholischen Ost-Kirchen kennen (ukrainion catholics), Cyrell und, ich glaube, Henry. Tja und irgendwie wollte ich anscheinend unbedingt den Weltrekord im Fettnäppchentieftauchen aufstellen und fragte Cyrell als allererstes: „Ist es nicht deprimierend wie eine Null geschrieben zu werden nur noch mit einem l dazu?“ (Cyrell hört sich ausgesprochen wie Zero an, was das englische Wort für Null ist) Diesen Witz rafften die beiden leider erst nach einigen Minuten und sie hatten zumindest soviel Anstand noch so zu tun als wäre es nach den ganzen Erklärungen immer noch DER Brüller. Dennoch unterhielten wir uns den ganzen Abend und obwohl ich den schlechten Witz mit einem Bier wieder gut machen wollte, gaben mir die Jungs das Bier lieber aus anstatt es spendiert zu bekommen. Am besten habe ich mich mit Cyrell verstanden, weil wir ungefähr den gleichen Humor teilten und so redeten wir über Uni und sein angehendes Priesterleben, über Heimat und Freunde UND über Toronto. Denn Cyrell kommt aus einer Vorstadt Torontos und fährt dort an seinem monatlich freien Wochenende immer hin. Als ich sagte, dass ich Toronto natürlich fest auf meinem Touri-agenda hätte, gestand er vieles in Toronto noch nicht gesehen zu haben, was man eigentlich sehen müsste. Es folgte eine kurze Diskussion darüber, dass man sich nie die Dinge in der eigenen Heimatstadt anschaut, weil man denkt, immernoch soviel Zeit zu haben und wie fatal das eigentlich ist. Lange Rede, kurzer Sinn, plötzlich sagte er, dass ich ihn doch einfach ein Wochenende begleiten solle und dann würden wir einfach gemeinsam die ganzen Touri-attraktionen anschauen. Ich war natürlich begeistert! Da aber mein Oktober schon relativ voll ist, wird das wohl bis November warten müssen. Bis dahin wollen wir uns einige Museen in Ottawa vorknöpfen, die er und ich (sowieso) noch nicht besucht haben.
Die Tanzveranstaltung, die man ruhig Party nennen konnte, fand in der Cafeteria der Uni statt und ich schätze mal an die 50 Leute waren da und das soll für St. Paul wohl ziemlich gut sein. Die Dekoration war einsame spitze, dafür dass es 'nur' eine Studentenparty war und eines muss man den Kanadiern lassen, sie haben keine Hemmungen, wenn es ums Tanzen geht. Sobald die Musik anfing zu spielen, waren mindestens immer zwei Leute auf der Tanzfläche und es dauerte nie lange bis weitere dazukamen. Ich erfuhrt auch bald, dass noch ein anderer deutscher Student kommen sollte und natürlich war es ein Erfurter, Lutz :) Ich freute mich riesig jemanden aus der Heimat zu sehen und wir redeten auch einige Zeit mit einander. Er erzählte, dass sein Start ziemlich stressig gewesen war, da er erst noch ein Zimmer finden musste und sich auch nicht so schnell in das Unisystem reinfuchsen konnte. Er hatte allerdings schon Quebec und Toronto gesehen und sagte, dass er die freie Studienwoche im Oktober (ja hier haben Studenten mitten im Herbst eine Woche frei!) noch zum Reisen nutzen würde. Dafür fliegt er aber schon einen Monat eher als geplant wieder nach Hause, weil der Trip für ihn doch teurer wird als geplant. Verständlich.
Unsere Unterhaltung führten wir anfangs noch in Deutsch, als aber dann immer mehr Kanadier hinzukamen, wechselten wir zu Englisch über, was viele sehr erstaunte. So verging der Abend recht schnell und ich ging gegen halb eins am Kanal der Stadt entlang nach Hause und machte noch ein paar Nachtaufnahmen vom Parlamentsgebäude. Am nächsten Morgen erfuhr ich aber, dass ich so spät lieber nicht mehr da lang laufen sollte... nicht weil die Stadt voller Schwerverbrecher ist, sondern weil junge Mädchen wie ich um diese Uhrzeit eben nicht alleine durch die Gegend spazieren sollten. Naja, daran halte ich mich auch in nächster Zeit.
Am Freitagabend hatte ich mich deshalb auch mit einem Fahrdienst abgesichert., doppelt. Denn Bradley und David fuhren mit mir zusammen zu Amys Party und Gustave (ein Priester in unserem Haus) hätte mich aber auch abgeholt. Amys Party fand aufgrund eines Hauskaufes statt und war mit dem Titel „Warm-up-party“ („Aufwärmparty“) versehen. Eigentlich hatte ich erwartet, dass sich diese Party wilder gestalten würde, weil es ja nun mal eine Privatparty war. Entgegen meiner Erwartungen verlief der Abend aber eher gemütlich. Es waren überraschenderweise auch Leute im Alter meiner Eltern da und die meiste Zeit saß ich gemeinsam mit Bradley und anderen sehr interessanten Leuten im Garten. Dort hatten Amy und ihre Mitbewohnerin eine Butan-Gas-Feuerstelle (das Holz auf den Bilder ist also nur Fake) und ganz viele Marshmellows und Schokolade und Kekse gebunkert um eine typische kanadische Süßigkeit zu servieren. Zunächst spießt man sich 2 Marshmellows auf einen Spieß und lässt sie außen karamellisieren. Dann nimmt man 2 Kekse und ein Stück Schokolade und versucht nun die Marshmellows irgendwie dazwischen zu bekommen, indem man sie mit den Keksen vom Spieß schiebt. Ich sage euch, das ganze ist eine Kunst! Vor allem weil die Marshmellows überall kleben bleiben: am Spieß, an den Fingern, an meiner Kamera (aaaaarrrrrr!!!)... dafür ist es aber auch super lecker und eine wahnsinns Kalorienbombe. Von daher ist es eigentlich ganz gut, dass die Zubereitung nicht so einfach ist. Ja und so saß ich in einer Gruppe junger Kanadier an einem Butanfeuer und hatte wirklich sehr viel Spaß. Da waren zum Beispiel Adam und Matt, die zu zweit wirklich sehr witzig waren und mich irgendwie an die Alten aus der Muppetshow erinnerten; und David, ein weiterer Priesteramtskandidat, der mit bei Bradley in der Gemeinschaft lebt. Der hatte dann einfach mal den Einfall, sich aus Marshmellows einen Bart zu formen – das hat bestimmt schön geklebt. Lustig war es aber und ganz ehrlich, ich glaube eine Party wird unter anderem durch solche Leute wirklich gut. Ich versuchte mich so viel wie möglich an den Unterhaltungen zu beteiligen und einige begriffen erst nach einer Stunde, dass ich nicht aus Kanada komme, was mich sehr ehrte. Zunehmend bekomme ich auch gesagt, wie gut mein Englisch doch sei, ich glaube aber eher, dass sich mein Akzent so langsam dem der Menschen hier angleicht. Wie dem auch sei, die Ergebnisse dieses Abends waren mehrere neue Freunde (mit Adam werde ich am Sonntag etwas unternehmen), das Angebot mit zu einem Hockeyspiel zu gehen und endlich einmal viel Spaß mit Gleichaltrigen gehabt zu haben. Gegen halb eins fuhren wir dann nach Hause; ich musste ja gegen 5 Uhr aufstehen, da es um 6 Uhr am Samstag mit Flavie nach Quebec gehen sollte.

3 Wochen um und....??? Ein Zwischenbericht

Hallo an Euch alle da draußen. So langsam ebben die tagelangen Erlebnisse ab und die kleinen Überraschungen und Erfahrungen des Alltags stellen sich ein. Da ich in der nächsten Zeit eher thematisch arbeiten werde (also mal ein Post über das Haus, die Stadt, das Essen etc.) dachte ich, es wäre mal eine gute Gelegenheit für ein Update, was ich denn eigentlich zur Zeit hier treibe. Um es kurz zu fassen: nicht viel. Ehrlich gesagt, geht es mir zur Zeit aus einigen Gründen nicht so gut. Ich habe gelesen, dass nach 3 Wochen Aufenthalt in einem fremden Land sich der erste Tiefpunkt einstellen soll, weil eben der Alltag kommt. Aber das hier ist nicht Alltag oder sollte es nicht sein. Ich versuche das Ganze mal zu erklären. Eigentlich geht es mir hier sehr sehr gut und ich bin sehr dankbar, dass ich hier in Kanada sein darf, dass ich bei Peter wohnen darf und dass ich in den ersten Wochen schon so viel erlebt habe. Das waren tolle Erlebnisse und Erfahrungen, wie ihr ja lesen könnt. Leider läuft aber die Sache mit meinem Praktikum ganz anders als ich und auch andere Menschen in meinem Umkreis sich das vorgestellt hatten. Am kommenden Donnerstag bin ich bereits einen Monat hier und ich habe noch keine Schule von Innen gesehen. Woran das liegt? So genau kann ich euch das leider nicht sagen, weil ich anscheinend eine der Letzten bin, die etwas erfährt.
Zu Beginn meines Aufenthalts hatte die Schule noch nicht begonnen, sondern startete erst nach dem Labour Day am 7. September. Dann sagte Peter, dass sich sich an den Schulen erstmal die Lage entspannen müsse, da der Schuljahresbeginn doch sehr stressig sei. Auch das habe ich verstanden. Gleichzeitig war aber immer die Rede davon, dass ich zunächst mit den Vorgesetzten des Schoolboards reden müsste, um abzuklären was ich genau machen will und machen DARF. Dieses Gespräch hat bis heute noch nicht stattgefunden, obwohl es unabhängig vom Schulalltag war. Ich versuchte mich anfangs in Geduld zu üben, immerhin will ich nicht undankbar sein. Viele Leute hier versuchen mir den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen. Meinen inneren Konflikt, der dadurch entstand, könnt ihr euch vielleicht vorstellen. Aber bei einem Telefonat mit Frau Prof. Wijlens, die mir das Praktikum vermittelt hatte, machte sie mir deutlich, dass ich zu recht etwas sauer sein darf und nun bitte auf einen baldigen Beginn drängen soll. Also redete ich mit Peter. Manchmal macht es auf mich den Eindruck als ob er mich hinhalten will, da er immer versucht Entschuldigungen zu finden und mir erklären will, wie toll es doch (anscheinend auch ohne das Praktikum) ist. Ich drängte nun aber dennoch, dass mal was passiert und so versuchte er die Leute beim Schoolboard per Telefon zu erreichen. Als aber nach 2 Tagen immer noch nichts passiert war, fuhren wir zusammen zu der Organisation, dass ich die wenigstens schon mal gesehen habe. Natürlich war von den für mich wichtigen Leuten niemand da und so bekam ich nur eine kleine Führung durch den riesigen Komplex und wurde vorerst auf unbestimmte Zeit vertröstet. Nun hat sich das Schoolboard gestern per Telefon gemeldet und so wie es scheint, haben Peter und ich einen Termin für Montag bekommen, an dem ich vortragen soll, was ich machen will. Ja auch dazu will ich kurz etwas sagen: jeder fragt mich hier, was ich machen will. Auch die Leute vom Schoolboard, die meine Sachen in der Hand haben und ich musste mich gezwungenermaßen fragen, wozu ich in Deutschland mit der Hilfe vieler ein Motivationsschreiben erstellt hatte. Es gab im Schoolboard 2 Leute, die sich an mich erinnerten. Zum einen die Dame, die mein Bestätigungsschreiben verfasst hatte und zum anderen der Herr, der meine Bewerbung für das Praktikum bearbeitet hatte. Aber ansonsten war es das. Alles scheint hier anders zu laufen: es ist nicht wie in Deutschland, wo die Leute bei denen man Praktikum macht schon vorher genau wissen, wann du wo zu sein hast. Irgendwie macht es auf mich den Eindruck, als ob hier keiner auf mich vorbereitet ist. Tja und deswegen besteht mein momentaner Alltag aus unbestimmtem Warten, Warten darauf, dass es endlich losgeht.
Ach ja, als „kleiner“ Trost, hat mir Peter einen Unikurs „besorgt“. Ich bin nicht richtig eingeschrieben, aber ich soll teilnehmen. Das wurde mir überraschender Weise 2 Tage vor Unibeginn gesagt. So sitze ich nun jeden Mittwoch von 9 bis 12 Uhr in einem Kurs im Master of pastoral Theology zusammen mit 6 anderen Studenten, die aber viel älter sind als ich und alle später als Pastoren und Priester in einer Gemeinde arbeiten werden. Es ist natürlich interessant, das Unileben hier kennen zu lernen, aber ihr könnt euch sicherlich denken, dass ich mich innerlich zuerst fragte: Und was ist mit meinem Praktikum? Wieder so ein Punkt, wo es für mich ein wenig nach Vertröstung klingt. Es ist auch nicht wie bei uns in Deutschland, dass man einfach in die Veranstaltung geht, sich das anhört, ein bisschen was liest und das war es. Nein, hier bekommt man richtig Hausaufgaben auf. Ich muss zum Beispiel für nächste Woche ein 4seitiges Paper schreiben, ein Fachbuch gelesen haben und ein Symbol für mein Gottesverständnis mitbringen. Das mag jetzt noch alles gehen, aber ich mache mir etwas Sorgen darüber, ob ich das auch noch schaffen werde, wenn denn irgendwann mal das Praktikum angefangen hat. Klar sagt hier jeder, dass von mir nichts erwartet wird, weil ich am Ende keine Noten bekomme, aber ich möchte mich auch nicht in diesen Kurs setzen und nichts machen. Die Teilnehmer dort bezahlen an die 5000 $ und ich bekomme das umsonst. Ich will nicht, dass es am Ende heißt, die Deutschen wären faul und undankbar. Tja und so gestalte ich meinen Alltag mit warten und Unihausaufgaben. Ich habe in den letzten Wochen auch zwei jüngere Kanadier kennen gelernt: Amy (Doktorantin,26) und Bradley (Priesteramtskandidat, 22). Wir versuchen jetzt öfter etwas zu Dritt zu machen, weil auch die beiden zur Zeit fast nur ältere Bekanntschaften haben. So bin ich Freitagabend zum Beispiel bei Amy zu einer Hausparty eingeladen. Mal sehen, da lassen sich vielleicht noch weitere Kontakte knüpfen.
Ansonsten gehe ich ab und zu noch mit Flavie ins Fitnessstudio und schaue mir immer mal einen anderen Teil der Stadt an, war in den letzten Wochen zweimal im Kino („Eat,Pray,Love“ nur zu empfehlen!) und Montagabend in der Oper („Turandot“). Es sind eben kleine Dinge, die ich mir täglich einfallen lasse, um die Zeit bis zum Praktikum zu verkürzen. Vielleicht fragen sich viele von euch, warum ich nicht einfach verreise. Das Problem dabei ist, dass ich nicht wusste, wann es wirklich losgeht. Wie gesagt, ich bin die Letzte, die etwas mitbekommt und ich bin letzte Woche noch davon ausgegangen, dass ich diese Woche in die Schule darf. Und ich möchte auch nicht Reisen planen, solange ich noch keine Details über das Praktikum habe, z.B. wielange ich tägliche arbeite, ob die Möglichkeit für freie Tage besteht usw. Dass es sich solange hinzieht, hätte ich nicht gedacht...

Naja, wie ihr seht, ist es momentan für mich nicht ganz so einfach, auch wenn ich in einem wunderschönen Land sitze. Ich hoffe aber, dass sich bald etwas ändert, sehr bald. So langsam wird es hier auch Herbst und die Blätter färben sich. Bis zum Indian Summer dauert es aber noch ein wenig. Jetzt am Wochenende fahre ich mit Flavie in ihre alte Heimatstadt Quebec City. Es ist die älteste Stadt in Nordamerika und deswegen für Europäer wohl eine der schönsten Städte Kanadas. Ich werde sehen, ob sich das bestätigen lässt. Sicherlich schreit auch das Wochenende nach einem Blogeintrag. Ich versuche hinterher zu sein, wie ihr seht. Aber ich möchte auch keinen Eintrag tippen, wenn ich gerade nicht gut drauf bin. Irgendwie liest man das ja doch raus...

So dann fühlt euch alle, die ihr das lest, von mir gedrückt und drückt wiederum mir die Daumen für Montag. Ich denke sehr viel an Jena und an meine Freunde und Familie und was ihr jetzt alle so treibt. Für alle, die mich im Skype haben: immer wenn ich online und mein Status auf grün ist, bin ich auch skype-bereit. Dann bitte einfach anskypen! Lasst es euch gut gehen!
Grüße aus dem langsam herbstlichen Kanada

3. September 2010

Tage beim Cottage 03.09.2010 und 11.09.2010


Den Donnerstag nutzte ich nun dennoch zum Kofferauspacken und Sachenwaschen – ich erinnere, die Sachen waren immer noch voller Butter! Und ich versuchte mich ein wenig an dieses große Haus zu gewöhnen. Ehrlich gesagt, habe ich in Deutschland zwar nicht den besten Orientierungssinn besessen, aber mein Orientierungssinn hier ist eine Katastrophe! Ich habe mich wirklich in diesem Haus verlaufen. Ein gesonderter Blogeintrag mit Bildern vom Haus wird noch kommen. Momentan wird nämlich die Küche im Erdgeschoss renoviert und alles ist etwas chaotisch, da will ich ungern Fotos ins Internet stellen.
Naja, am Freitag war ein aufgrund des schönen Wetters ein Ausflug zur Hütte der Gemeinschaft des Hauses geplant. Gegen 11 Uhr fuhren wir los, 45 min sollte die Fahrt dauern. Wir fuhren in die Provinz Quebec, die direkt an Ottawa grenzt. Allein die Landschaft, die während der Fahrt an uns vorbei zog, war traumhaft. Ein paar Berge, viele Wälder, Felsen und der Ontarioriver direkt neben der Straße. Wir hielten noch an einem kleinen Supermarkt um dort Essen für den Abend zu kaufen, natürlich sollten wir mal wieder Barbeque machen. Der Markt war zwar kleiner als Supermärkte, die es zum Beispiel in Ottawa gibt, aber er war super ausgestattet. Wie es sich für eine französische Provinz gehört, gab es dort ein riesige Käseregal und eine große Auswahl an frischgebackenen Baguettes. Also beschlossen wir zum Mittag ein frisches Baguette und verschiedenen Käse mitzunehmen. Peter hatte mich darauf hingewiesen, dass je schlechter die Straße werden würde, desto näher kämen wir an die Hütte. Und genauso war es auch. Am Ende fuhren wir wirklich Waldweg über Laub und Äste und mussten das letzte Stück sogar laufen, weil ein umgeknickter Baum den Weg versperrte. Diesen hatte Peter ein paar Minuten später mit der Motorsäge aus dem Weg geräumt, während wir Frauen die Gartenstühle und einen kleinen Tisch an den See stellten. Ja an den See.... ich habe selten so einen Flecken Erde gesehen. Die Hütte befindet sich am Ufer eines großen Sees, der Manitu genannt wird, also großer Geist oder eben Gott. Der See lag ruhig und war dunkelblau. Drumherum nur Wälder und Felsen und vereinzelt andere Hütten. Während in Deutschland dieser See sicher schon von Touristen überrannt und mit Hütten am Ufer bombadiert worden wäre, waren es hier maximal 5 Häuser, die ich an den anderen Ufern erkennen konnte. Es war ruhig und ein wenig windig und wun-der-schön!!! So saßen wir eine Weile und machten Mittagspause und beschlossen einen faulen Tag zu haben. Also schnappte ich mir mein Buch und las. Peter und Flavie versuchten währenddessen am Rande des Sees einen Weg ins Wasser zu bahnen, da der Algenbefall durch den niedrigen Wasserstand in diesem Jahr doch relativ groß war. Und dann gings ins Wasser, ja ich war baden! Ich lasse es mir doch nicht entgehen in einem kanadischen See zu schwimmen. Das Wasser war angenehm frisch, nicht zu kalt und zu warm und ich hätte ewig drin bleiben können, wenn meine Kondition mitgemacht hätte. Die tiefste Stelle des Sees misst 30m und im Winter kann man sogar beobachten, dass der See ein paar kleinere Geysire hat, so Peter. Tja und als ob das Im-Wasser nicht gereicht hätte, folgte auch das Auf-dem-Wasser, denn die Hütte beherbergt unter anderem ein Kanu. Also fuhren Peter und ich eine „kleine“ Runde über den See. Glücklicherweise hatten wir das relativ früh gemacht. Als wir wenig später wieder am Ufer saßen, zogen sich doch allmählich Wolken zusammen und bald schon musste wir in die Hütte flüchten, während es draußen wie aus Eimern goss. Das war im Übrigen gut für alle die, die in den letzten Tagen eine Karte von mir bekommen haben, denn bei dieser Gelegenheit hab ich mich allen Postkarten gewidmet, die ich bis dahin gekauft hatte. Ich arbeite also fleißig am Vorsatz, jedem eine zu schreiben.
Später bereiteten wir noch das Abendessen in der Hütte vor. Ich muss zugeben, dass diese Hütte super ausgestattet ist: 3 Schlafzimmer, dazu die Sofas im Wohnzimmer.. insgesamt können da bis zu 12 Leute komfortabel schlafen. Dazu die Küche mit Herd, Kühlschrank, Mikrowelle und einer Wasserpumpe. Und dazu die volle Aussicht vom Wohnzimmer auf den See. Später hörte es auch auf zu regnen und über den Wäldern des Sees stiegen die Nebelschwaden auf. Ich konnte mich daran nicht sattsehen und habe unzählige Fotos geschossen. Als dann noch die Sonne dahinter unterging, musste ich darüber nachdenken, dass das einer der einmaligen Momente sein wird, an die ich mich nach dem halben Jahr erinnern würde. Dieser Abend auf dem Steg mit den in orange getauchten Nebelschwaden über den Wäldern Kanadas. So stelle ich mir einen Kurzurlaub vor.
Auch als wir eine Woche später ein zweites Mal dort waren, dauerte es nicht lange, bis ich den ganzen Alltag hinter mir gelassen hatte (Achtung ich schreibe nun über den 2. Besuch der Hütte eine Woche später!). Diesmal waren wir dort nicht alleine. Peters Nichte Michelle und ihre Familie hatten 2 Nächte in der Hütte verbracht und wollten über das Wochenende mit nach Ottawa kommen. Dieser Tag war allerdings ein typischer Septembertag in der Umgebung Ottawas: sehr sonnig und warm, wenn der Nordwind nicht gewesen wäre. Durch den war es leider zu kalt um nochmal schwimmen zu gehen, obwohl alle weiblichen Anwesenden optimistisch ihren Badeanzug mitgebracht hatte. Naja, aber so saßen wir drei Frauen (Flavie, Michelle und ich) an diesem Freitag am Ufer und quatschten, während die Männer (Jeff-Michelles Mann, die beiden Söhne und Peter) auf den See fuhren um zu angeln. Eigentlich sollte es Fisch geben und wir hatten extra Steaks gekauft, denn wenn man welche kauft, dann fängt man auch was; wenn nicht, geht meistens nichts an die Angel. Tja diesmal war es wohl genau umgekehrt, denn die Männer kamen ohne Fisch zurück und so gab es wieder ein ausgiebiges Barbeque mit Maiskolben und Kartoffel, Salat und Pilzen. Zwischendurch führte mich Peter ein Stück in den Wald hinter der Hütte – der erste Besuch großer kanadischer Wälder! Er zeigte mir, was Biber hier so alles anrichten können (da musste ich natürlich an das letzte Patfest denken – liebe Grüße an die KSG :)) und wie hoch und dicht dort alles wuchs. So ein wenig erinnerte mich das an den heimischen Thüringer Wald, nur war um ehrlich zu sein, das Licht hier irgendwie anders. Vielleicht kann man das auf den Fotos etwas erahnen. Wir liefen bis zur nächsten Hütte und von dort wieder zurück. Auf dem Rückweg ließ ich Peter vorgehen um die Natur noch etwas alleine genießen zu dürfen und Gedanken schweifen zu lassen – super Platz dafür!!! Wobei wie gesagt in Erinnerung an zuhause, doch etwas Heimweh aufkam. Auch an diesem Freitag ging die Sonne wunderschön hinter den Wäldern des Sees unter und es war Zeit nach Ottawa zurück zu fahren.

1. September 2010

Ein Wochenende in Watford - Abreise und Besuch der Niagarafälle

Gut, bevor ich den letzten Tag des langen Wochenendes schildere, möchte ich wenigstens mal ein paar aktuelle Worte schreiben. Es tut mir Leid, dass ich mit schreiben nicht so ganz hinterher bin, aber in den letzten Tagen gab es viel Organisatorisches zu erledigen. Die Texte werden bis auf Ausnahmen sicher auch kürzer werden, da die ersten Tage wirklich vollgestopft von Erlebnissen waren. Mir geht es soweit gut, wenngleich ich nicht leugne etwas Heimweh zu haben und Euch wirklich zu vermissen. Gut soweit dazu...

Der Abfahrtstag begann für mich relativ früh, weil ich noch einmal die Felder in der Morgensonne fotografieren wollte und Karren einen letzten Besuch abstatten musste.

Nachdem ich mich nochmals ausgiebig vom Coffeeshop und Karren und der kleinen Stadt verabschiedet hatte, wurde im „Basislager“ ein letztes Frühstück eingenommen, natürlich Bacon and Eggs. Dann gab es noch schnell ein Gruppenfoto mit Add und Rita und das Versprechen, dass wir uns vor meinem Rückflug nochmal sehen würden. Koffer ins Auto und los ging´s. Diesmal Richtung Niagarafälle! Wow, werden jetzt sicher einige von euch denken... *hüstel* okay, da an diesem Tag nicht allzu viel passiert ist, würde ich gerne kurz etwas erwähnen. Es gibt einen guten Grund, mich nicht zu beneiden und manch einer wird diesen sicher nachvollziehen. So gut es mir hier in Kanada geht und so lieb alle zu mir sind, es gibt eine Sache, die absolut störend war und zeitweise noch ist. Sowohl Peter als auch Flavie sind, man kann es schon als solches bezeichnen, Kettenraucher. Vor allem in Gesellschaft rauchen die beiden gerne und viel. Ich will an dieser Stelle sagen, dass ich nichts gegen Raucher habe, wirklich nicht. Aber wenn man einen ganzen Tag mit Rauchern in einem Auto sitzt und auch permanent dort geraucht wird, naja, dann vergeht vor allem mir die Reiseluft.. äh -lust. Da es in Kanada nicht erlaubt ist, in öffentlichen Einrichtung, Bars und Kneipen zu rauchen, wird eben häufig ins Auto ausgewichen oder ins eigene Haus. Ja leider raucht Peter auch im Haus... Naja bis zu diesem Tag. Die Hinfahrt war für mich nicht wirklich schön in DIESER HINSICHT, aber unhöflich wollte ich nicht sein. Dennoch musste ich auf der Rückfahrt etwas sagen, da all meine Sachen nach der Fahrt wie ein Aschenbecher rochen. Seitdem versuchen beide sich in meiner Gegenwart zurück zu halten, wofür ich sehr dankbar bin. Aber wie gesagt, es gibt Gründe mich nicht zu beneiden!

Nach vier Stunden Fahrt kamen wir bei den Niagarafällen an und ich war wirklich wirklich gespannt. Die Fälle sind immerhin eine der populärsten Attraktionen Nordamerikas. Also stieg ich aus dem Auto voller Erwartungen... und da, da waren sie... diese diese... diese.... großen Mengen an Wasser, die einen Abhang runterfallen... Nein, jetzt mal Ernst. Es war schon ziemlich beeindruckend, dennoch muss ich ehrlich zugeben, dass um die Wasserfälle für mich ein viel zu großes Spektakel gemacht wird. Aber mal davon abgesehen, so war es doch ein sehr schönes Bild. Es waren immerhin um die 33 Grad und strahlender Sonnenschein, sodass durch den Dunst der Wasserfälle eine Menge Regenbögen entstanden. Die Niagarafälle unterteilen sich ja in die amerikanischen und kanadischen, da die Grenze der beiden Länder direkt durch diese verläuft. Die kanadischen Fälle sind bekanntlicher Weise die schöneren, weil sie zum einen größer sind und zum anderen die auf allen Postkarten zu findende U-Form bilden. Die Niagarafälle auf Seiten der U.S.A. sind schmaler und durch keine besondere Form ausgezeichnet, dennoch sind sie schön, das will ich nicht bestreiten. Wir liefen also etwas an den Niagarafällen entlang und ließen uns bei etwas Wind den erfrischenden Dunst ins Gesicht sprühen. Nach einer Stunde hatten wir aber genug gesehen und ganz unter uns, länger braucht man für dieses Unternehmen nicht. Also stiegen wir in Auto und fuhren los. Ich bin froh da gewesen zu sein, denn man sollte die Niagarafälle, wenn man schon mal in Kanada ist, gesehen haben. Ich würde es auch jedem empfehlen, wenn er „in der Nähe ist“ dort mal vorbei zu schauen, aber nochmal dorthin fahren, würde ich nicht unbedingt. Denn es ist nunmal eben „nur“ eine Menge Wasser, die einen Abhang hinunterfällt.
Ansonsten verlief der Tag relativ unspektakulär. Wir fuhren über den Highway, der direkt durch Toronto verläuft nach Hause, standen 3 Stunden zur Rush-Hour im Stau und hatten am Ende des Tages 850 km zurückgelegt. Ich war froh wieder in Ottawa zu sein, wenngleich ich diese erste Woche als eine ungemeine Bereicherung erlebt habe. Aber nun wurde es so langsam Zeit sich mal einzuleben. Wobei Peter die Gelegenheit dazu noch ein wenig hinauszögern wollte...