17. September 2010

Quebec City - die unentschlossene Stadt (17. und 18.09.2010)

Am Samstagmorgen ging ich also um 6 Uhr aus der Tür in den doch kalten Herbstmorgen. Es war noch etwas neblig und ich ziemlich müde. Ich hatte mir selbst auch keine Zeit mehr dafür gelassen, einen Kaffee zu kochen bzw. zu trinken und hoffte einfach, dass wir auf der Fahrt bald irgendwo halten würden. Ottawa hat wie jede Stadt am frühen Morgen ihren ganz eigenen Flair.. Wir waren so gut wie die einzigen auf der Straße und der Himmel, der so langsam vom dunkel- ins hellblau verlief, ergab mit den Leuchtreklamen der Stadt ein sehr schönes Bild. Wir bogen auf den Highway und befanden uns bald außerhalb der Stadt, wo über den Wiesen noch der Nebel hang. Perfekt wurde dieses Bild, als durch den Nebel hindurch die Sonne direkt vor uns goldorange aufging. Und ich muss mich mal selbst loben: ich habe eines der schönsten Bilder meines bisherigen Aufenthalt geschossen, aus dem Auto heraus!
Die weitere Fahrt schlief ich viel und gönnte mir beim ersten Quebecer McDonalds einen Kaffee. Gegen 10 Uhr waren wir noch eine Stunde von Quebec City entfernt und hielten bei einem Tim Hortons (eine Art Fast-food-restaurant nur für Kaffee und Gebäck und seeeeehhhhhhr beliebt in Kanada. Dort wollte sich Flavie mit vier ihrer alten Freundinnen treffen, die in der Nähe ihrer Heimatstadt geblieben waren, während Flavie vor 25 Jahren von Quebec nach Ottawa gezogen war. Die Truppe war wirklich sehr witzig und auch wenn sie sich nur auf Französisch unterhielten, so verstand ich doch alles. Nur mit dem Sprechen hatte ich es noch nicht so ganz... Achso, vielleicht sollte ich dazu sagen, dass die Provinz Quebec, die an Ontario grenzt komplett französisch(sprachig) und darauf auch sehr stolz ist. Um 11 Uhr brachen wir wieder auf und kamen kurz vor Mittag in Quebec City an. Viele Menschen in Ottawa hatten mir versichert, dass ich als Europäer diese Stadt lieben würde, da sie als älteste Stadt Nordamerikas auch gleichzeitig die europäischste von allen sei. Mein erster Eindruck war, dass mich die Stadt an Italien erinnerte, da das Zentrum wie Assisi auf einem Berg lag mit dem Unterschied, dass auf der einen Seite des Berges der großes St-Lauren-River an der Stadt entlang zog. Der zweite Eindruck erinnerte mich eher an San Francisco, da die meisten Straßen eine wahnsinnige Steigung hatten. So zum Beispiel auch die Straße, in der Flavies Bruder Nicolas wohnte. Dieser stand mit seiner Partnerin schon am Straßenrand um uns zu begrüßen UND um mir eine Karte in die Hand zu drücken. Der erste Kontakt verlief ungefähr so: ich: „Hallo ich bin Maria. Schön dich kennen zu lernen.“ Er: „Hallo ich bin Nicolas. Hier ist die Karte. Das wichtigste habe ich dir markiert. Wir sind gerade hier (er zeigt auf die Karte) und du gehst einfach hier die Straße immer gerade aus, dann siehst du es schon. Hab einen schönen Tag.“ In dem Moment haben Flavie und ich so gelacht, denn sie hatte mich schon darauf vorbereitet, dass ihr Bruder gerne durch Quebec führt, wenn Gäste da sind und dass er ein begeisterter Weltenbummler sei. Dazu aber später mehr. Daraufhin wurden noch ein paar wenige Worte gewechselt und dann ging ich Richtung Stadtzentrum und die anderen fuhren Richtung Familienveranstaltung.
Wenn ich Quebec City beschreiben müsste, dann würde ich sagen, dass es durchaus eine Stadt ist, in die man sich verlieben kann. Ich hatte an diesem Nachmittag leider nur die Möglichkeit eine kurze Affäre mit ihr einzugehen. Auf den ersten Blick war die Innenstadt wirklich sehr schön; kleine Läden mit selbst genähten und sehr modischen Sachen wie T-Shirt, Mäntel und Taschen, andere Architektur als in Ottawa und überall der Hauch des Französischen. Je weiter ich aber in das Zentrum kam, desto mehr Leute wurden es und als ich zu den Attraktionen gelangte, die Nicolas mir eingezeichnet hatte, konnte ich mich kaum vor den Massen an Touristen retten. Auf jeden meiner Schritte musste ich achten, dass ich nicht jemanden rempelte und so wunderte es nicht, dass sich die Besichtigung der Hauptattraktionen wie das Chateau Frontenac und den Blick auf den Fluss relativ kurz hielten. Interessant waren aber wiederum die vielen Straßenkünstler, die überall in der Innenstadt ihre Talente zur Schau stellten. Ruhiger wurde es erst als ich die Basilica Notre Dame betrat; eine sehr schöne Kirche, die aber über und über mit Gold verziert ist und an jeder Säule einen Plasmabildschirm besitzt (etwas typisch nordamerikanisches hab ich mir sagen lassen.). Nach der Kirche beschloss ich in die kleineren Gassen der Stadt zu gehen und das war die beste Entscheidung, die ich hätte treffen können. Mit einem Schlag war niemand mehr auf der Straße und eines der wahren Gesichter der Stadt kam zum Vorschein; ein sehr schönes Gesicht. Die kleinen Häuser und individuell gestalteten Fassaden waren wunderschön und bestätigten meinen Eindruck von Quebec als eine Stadt, die sich einfach nicht entscheiden wollte in welchem Land sie liegt. Da waren Häuser, die sehr italienisch aussahen neben welchen die gut und gerne auch in Schweden hätte stehen können. Wieder andere erinnerten mich sehr an Häuser, die ich auf Bildern von Irland gesehen hatte. Und nicht zum Schluss gab es viele, die sehr britisch und wieder andere die sehr französisch wirkten. Es war alles dabei und ich war begeistert und rannte wie eine Wilde mit meiner Kamera hin und her. Meinen Stadtrundgang beendete ich mit einem Gang am Wasser entlang und mit Suche nach einer Bäckerei um ein paar Postkarten zu schreiben und ein leckeres Stück Kuchen zu essen. Naja, die Bäckerei fand ich, aber klein war sie nicht. Dafür war aber das Gebäck umso leckerer... Blätterteig mit Schokolade und Birne, total simple und total lecker! Zum Kartenschreiben kam ich leider nicht mehr, weil bald Flavie anrief und sagte, ich könne nun jederzeit zu Nicolas kommen, da sie wieder da wären.
Also machte ich mich zu seinem Appartement und mit dem ersten Schritt hinein, hatte ich mich auch schon in die Wohnung verliebt. Diese Wohnung war der Hammer! Wie Quebec selbst war sie eine Mischung: mediterraner, orientalischer und amerikanischer Stil mit Holzdielen und viel Kunst und Fotos an den Wänden. Die Wohnung lag im Obergeschoss und dazu noch auf dem Hügel und so hatte man vom Balkon aus eine wunderbare Sicht. Ich bekam das schönste Zimmer und hätte es bei der Abreise am liebsten einfach mitgenommen. Der Holzfußboden, die braunroten Wände und das große Bett mit einer Federdecke; ich fühlte mich wahnsinnig wohl! Im Übrigen ist Nicolas Wohnung Couchsurfern zugänglich und ich kann diese Bleibe wärmstens empfehlen! Am Samstagabend saßen wir also zusammen, aßen ein leckeres Nudelgericht, tranken Wein und unterhielten uns auf Quebecer französisch. Mit der Zeit schaffte ich es auch mit meinem Schulfranzösisch Sätze zu formulieren. Es war ein wunderschöner Abend und ich würde lügen, wenn nicht französischer Flair in der Luft lag. Nicolas zeigte mir vieler seiner Fotos, die er überall in Nordamerika über die Jahre gemacht hatte und er gab mir viele Tips, wohin man im Januar fahren könnte.
Und so fuhr ich am Sonntagvormittag voller Eindrücke und guter Ideen zum Thema Reisen und Wohnungsgestaltung;)) wieder Richtung Ontario. Natürlich aber nicht ohne in einem kleinen Café um die Ecke gefrühstückt zu haben. Es gab zwar auch hier Bacon and Eggs aber dazu bestellte ich Pancakes. Allerdings sind die Quebecer Pancakes genau das gleiche wie bei uns die Crepes. Auf meine original amerikanischen Pancakes muss ich also noch ein wenig warten. Auf der Rückfahrt nahm Flavie anfänglich extra den Weg durch die kleineren Städte um mir zu zeigen, wie die Provinz Quebec sonst aussieht. Überall waren kleine Häuser und die Städtchen direkt am St.-Laurence-River waren wunderschön. Typisch für Quebec sind Häuser aus Stein, wie sie von den ersten Bewohnern dieser Gegend gebaut wurden. Es gab einige Jahrzehnte, wo diese Fassaden mit Holz versteckt wurden, aber so langsam wird es wieder populär und mir persönlich haben diese Häuser sehr gefallen. Irgendwie sahen sie sehr britisch aus... gezwungenermaßen musste ich an Rosamunde Pilcher denken. Und Flavie hatte erwähnt, dass die Provinz Quebec mit den Jahreszeiten immer 3 Wochen vorraus ist und wie man auf den Bildern erkennen kann, wurde es dort so langsam Herbst und die Bäume wechselten von grün zu einem kürbisorange.

So schön, wie das Wochenende war, so schrecklich war der Sonntagabend. Eine weitere Unterhaltung mit Peter über mein Praktikum war beim Abendessen etwas ausgeartet. Ich hatte gefragt, wer im School Board überhaupt wusste, dass ein Praktikant aus Deutschland da war und ob die Schulen davon wussten. In der Organisation wussten an die 4 Leute genauer Bescheid, an den Schulen aber absolut niemand. Es soll angeblich an meinem Motivationsschreiben gelegen haben, dass nicht genau formuliert sei, aber diesen Schwarzen Peter wollte ich mir nicht zuschieben lassen und so versuchte ich so ruhig wie möglich zu erklären, dass man keinen deutschen Praktikanten nach Kanada einfliegen lassen kann ohne dass überhaupt feststeht, dass er in die Schulen darf. Ich sollte dann erklären, wie die Organisation denn laufen solle, also schlug ich vor doch einfach bevor jemand nach Kanada kommt, zu checken ob die Schulen jemanden nehmen würden. So wirklich einsichtig war Peter aber nicht und ich deswegen um so wütender. Am Montag konnte sich mein Fall zum Glück lösen, da mich der Seelsorger der Immaculata Highschool gerne als Praktikant haben wollte. Also sollte ich am Dienstag gleich damit anfangen, ihm unter die Arme zu greifen. Und darauf freute ich mich riesig.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen