3. September 2010

Tage beim Cottage 03.09.2010 und 11.09.2010


Den Donnerstag nutzte ich nun dennoch zum Kofferauspacken und Sachenwaschen – ich erinnere, die Sachen waren immer noch voller Butter! Und ich versuchte mich ein wenig an dieses große Haus zu gewöhnen. Ehrlich gesagt, habe ich in Deutschland zwar nicht den besten Orientierungssinn besessen, aber mein Orientierungssinn hier ist eine Katastrophe! Ich habe mich wirklich in diesem Haus verlaufen. Ein gesonderter Blogeintrag mit Bildern vom Haus wird noch kommen. Momentan wird nämlich die Küche im Erdgeschoss renoviert und alles ist etwas chaotisch, da will ich ungern Fotos ins Internet stellen.
Naja, am Freitag war ein aufgrund des schönen Wetters ein Ausflug zur Hütte der Gemeinschaft des Hauses geplant. Gegen 11 Uhr fuhren wir los, 45 min sollte die Fahrt dauern. Wir fuhren in die Provinz Quebec, die direkt an Ottawa grenzt. Allein die Landschaft, die während der Fahrt an uns vorbei zog, war traumhaft. Ein paar Berge, viele Wälder, Felsen und der Ontarioriver direkt neben der Straße. Wir hielten noch an einem kleinen Supermarkt um dort Essen für den Abend zu kaufen, natürlich sollten wir mal wieder Barbeque machen. Der Markt war zwar kleiner als Supermärkte, die es zum Beispiel in Ottawa gibt, aber er war super ausgestattet. Wie es sich für eine französische Provinz gehört, gab es dort ein riesige Käseregal und eine große Auswahl an frischgebackenen Baguettes. Also beschlossen wir zum Mittag ein frisches Baguette und verschiedenen Käse mitzunehmen. Peter hatte mich darauf hingewiesen, dass je schlechter die Straße werden würde, desto näher kämen wir an die Hütte. Und genauso war es auch. Am Ende fuhren wir wirklich Waldweg über Laub und Äste und mussten das letzte Stück sogar laufen, weil ein umgeknickter Baum den Weg versperrte. Diesen hatte Peter ein paar Minuten später mit der Motorsäge aus dem Weg geräumt, während wir Frauen die Gartenstühle und einen kleinen Tisch an den See stellten. Ja an den See.... ich habe selten so einen Flecken Erde gesehen. Die Hütte befindet sich am Ufer eines großen Sees, der Manitu genannt wird, also großer Geist oder eben Gott. Der See lag ruhig und war dunkelblau. Drumherum nur Wälder und Felsen und vereinzelt andere Hütten. Während in Deutschland dieser See sicher schon von Touristen überrannt und mit Hütten am Ufer bombadiert worden wäre, waren es hier maximal 5 Häuser, die ich an den anderen Ufern erkennen konnte. Es war ruhig und ein wenig windig und wun-der-schön!!! So saßen wir eine Weile und machten Mittagspause und beschlossen einen faulen Tag zu haben. Also schnappte ich mir mein Buch und las. Peter und Flavie versuchten währenddessen am Rande des Sees einen Weg ins Wasser zu bahnen, da der Algenbefall durch den niedrigen Wasserstand in diesem Jahr doch relativ groß war. Und dann gings ins Wasser, ja ich war baden! Ich lasse es mir doch nicht entgehen in einem kanadischen See zu schwimmen. Das Wasser war angenehm frisch, nicht zu kalt und zu warm und ich hätte ewig drin bleiben können, wenn meine Kondition mitgemacht hätte. Die tiefste Stelle des Sees misst 30m und im Winter kann man sogar beobachten, dass der See ein paar kleinere Geysire hat, so Peter. Tja und als ob das Im-Wasser nicht gereicht hätte, folgte auch das Auf-dem-Wasser, denn die Hütte beherbergt unter anderem ein Kanu. Also fuhren Peter und ich eine „kleine“ Runde über den See. Glücklicherweise hatten wir das relativ früh gemacht. Als wir wenig später wieder am Ufer saßen, zogen sich doch allmählich Wolken zusammen und bald schon musste wir in die Hütte flüchten, während es draußen wie aus Eimern goss. Das war im Übrigen gut für alle die, die in den letzten Tagen eine Karte von mir bekommen haben, denn bei dieser Gelegenheit hab ich mich allen Postkarten gewidmet, die ich bis dahin gekauft hatte. Ich arbeite also fleißig am Vorsatz, jedem eine zu schreiben.
Später bereiteten wir noch das Abendessen in der Hütte vor. Ich muss zugeben, dass diese Hütte super ausgestattet ist: 3 Schlafzimmer, dazu die Sofas im Wohnzimmer.. insgesamt können da bis zu 12 Leute komfortabel schlafen. Dazu die Küche mit Herd, Kühlschrank, Mikrowelle und einer Wasserpumpe. Und dazu die volle Aussicht vom Wohnzimmer auf den See. Später hörte es auch auf zu regnen und über den Wäldern des Sees stiegen die Nebelschwaden auf. Ich konnte mich daran nicht sattsehen und habe unzählige Fotos geschossen. Als dann noch die Sonne dahinter unterging, musste ich darüber nachdenken, dass das einer der einmaligen Momente sein wird, an die ich mich nach dem halben Jahr erinnern würde. Dieser Abend auf dem Steg mit den in orange getauchten Nebelschwaden über den Wäldern Kanadas. So stelle ich mir einen Kurzurlaub vor.
Auch als wir eine Woche später ein zweites Mal dort waren, dauerte es nicht lange, bis ich den ganzen Alltag hinter mir gelassen hatte (Achtung ich schreibe nun über den 2. Besuch der Hütte eine Woche später!). Diesmal waren wir dort nicht alleine. Peters Nichte Michelle und ihre Familie hatten 2 Nächte in der Hütte verbracht und wollten über das Wochenende mit nach Ottawa kommen. Dieser Tag war allerdings ein typischer Septembertag in der Umgebung Ottawas: sehr sonnig und warm, wenn der Nordwind nicht gewesen wäre. Durch den war es leider zu kalt um nochmal schwimmen zu gehen, obwohl alle weiblichen Anwesenden optimistisch ihren Badeanzug mitgebracht hatte. Naja, aber so saßen wir drei Frauen (Flavie, Michelle und ich) an diesem Freitag am Ufer und quatschten, während die Männer (Jeff-Michelles Mann, die beiden Söhne und Peter) auf den See fuhren um zu angeln. Eigentlich sollte es Fisch geben und wir hatten extra Steaks gekauft, denn wenn man welche kauft, dann fängt man auch was; wenn nicht, geht meistens nichts an die Angel. Tja diesmal war es wohl genau umgekehrt, denn die Männer kamen ohne Fisch zurück und so gab es wieder ein ausgiebiges Barbeque mit Maiskolben und Kartoffel, Salat und Pilzen. Zwischendurch führte mich Peter ein Stück in den Wald hinter der Hütte – der erste Besuch großer kanadischer Wälder! Er zeigte mir, was Biber hier so alles anrichten können (da musste ich natürlich an das letzte Patfest denken – liebe Grüße an die KSG :)) und wie hoch und dicht dort alles wuchs. So ein wenig erinnerte mich das an den heimischen Thüringer Wald, nur war um ehrlich zu sein, das Licht hier irgendwie anders. Vielleicht kann man das auf den Fotos etwas erahnen. Wir liefen bis zur nächsten Hütte und von dort wieder zurück. Auf dem Rückweg ließ ich Peter vorgehen um die Natur noch etwas alleine genießen zu dürfen und Gedanken schweifen zu lassen – super Platz dafür!!! Wobei wie gesagt in Erinnerung an zuhause, doch etwas Heimweh aufkam. Auch an diesem Freitag ging die Sonne wunderschön hinter den Wäldern des Sees unter und es war Zeit nach Ottawa zurück zu fahren.

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