Nachdem der letzte Eintrag ja nicht so gut klang, möchte ich mich nun mit ein paar schöneren Erlebnissen zurückmelden. Am vergangenen Wochenende war bei mir ja doch einiges los. Zunächst war am Donnerstagabend an der St.-Paul-Universität ein Tanzabend. Dass dieser ein Motto, „Dance like the stars“, hatte und man sich dementsprechend kleiden sollte, erfuhr ich erst kurz vorher. Naja, Verkleiden hat mir eh noch nie so viel Spaß gemacht... Zum Glück kamen auch einige Studenten direkt aus ihren letzten Kursen (der letzte endet 20:30 Uhr und es gibt Nachtkurse bis 22:30 Uhr) und die hatten natürlich auch nicht extra eine Verkleidung mitgebracht. So lernte ich unter anderem zwei Studenten aus dem Bereich der katholischen Ost-Kirchen kennen (ukrainion catholics), Cyrell und, ich glaube, Henry. Tja und irgendwie wollte ich anscheinend unbedingt den Weltrekord im Fettnäppchentieftauchen aufstellen und fragte Cyrell als allererstes: „Ist es nicht deprimierend wie eine Null geschrieben zu werden nur noch mit einem l dazu?“ (Cyrell hört sich ausgesprochen wie Zero an, was das englische Wort für Null ist) Diesen Witz rafften die beiden leider erst nach einigen Minuten und sie hatten zumindest soviel Anstand noch so zu tun als wäre es nach den ganzen Erklärungen immer noch DER Brüller. Dennoch unterhielten wir uns den ganzen Abend und obwohl ich den schlechten Witz mit einem Bier wieder gut machen wollte, gaben mir die Jungs das Bier lieber aus anstatt es spendiert zu bekommen. Am besten habe ich mich mit Cyrell verstanden, weil wir ungefähr den gleichen Humor teilten und so redeten wir über Uni und sein angehendes Priesterleben, über Heimat und Freunde UND über Toronto. Denn Cyrell kommt aus einer Vorstadt Torontos und fährt dort an seinem monatlich freien Wochenende immer hin. Als ich sagte, dass ich Toronto natürlich fest auf meinem Touri-agenda hätte, gestand er vieles in Toronto noch nicht gesehen zu haben, was man eigentlich sehen müsste. Es folgte eine kurze Diskussion darüber, dass man sich nie die Dinge in der eigenen Heimatstadt anschaut, weil man denkt, immernoch soviel Zeit zu haben und wie fatal das eigentlich ist. Lange Rede, kurzer Sinn, plötzlich sagte er, dass ich ihn doch einfach ein Wochenende begleiten solle und dann würden wir einfach gemeinsam die ganzen Touri-attraktionen anschauen. Ich war natürlich begeistert! Da aber mein Oktober schon relativ voll ist, wird das wohl bis November warten müssen. Bis dahin wollen wir uns einige Museen in Ottawa vorknöpfen, die er und ich (sowieso) noch nicht besucht haben.
Die Tanzveranstaltung, die man ruhig Party nennen konnte, fand in der Cafeteria der Uni statt und ich schätze mal an die 50 Leute waren da und das soll für St. Paul wohl ziemlich gut sein. Die Dekoration war einsame spitze, dafür dass es 'nur' eine Studentenparty war und eines muss man den Kanadiern lassen, sie haben keine Hemmungen, wenn es ums Tanzen geht. Sobald die Musik anfing zu spielen, waren mindestens immer zwei Leute auf der Tanzfläche und es dauerte nie lange bis weitere dazukamen. Ich erfuhrt auch bald, dass noch ein anderer deutscher Student kommen sollte und natürlich war es ein Erfurter, Lutz :) Ich freute mich riesig jemanden aus der Heimat zu sehen und wir redeten auch einige Zeit mit einander. Er erzählte, dass sein Start ziemlich stressig gewesen war, da er erst noch ein Zimmer finden musste und sich auch nicht so schnell in das Unisystem reinfuchsen konnte. Er hatte allerdings schon Quebec und Toronto gesehen und sagte, dass er die freie Studienwoche im Oktober (ja hier haben Studenten mitten im Herbst eine Woche frei!) noch zum Reisen nutzen würde. Dafür fliegt er aber schon einen Monat eher als geplant wieder nach Hause, weil der Trip für ihn doch teurer wird als geplant. Verständlich.
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