16. September 2010

Tanzabend at St. Pauls und Amys Warm-up-Party


Nachdem der letzte Eintrag ja nicht so gut klang, möchte ich mich nun mit ein paar schöneren Erlebnissen zurückmelden. Am vergangenen Wochenende war bei mir ja doch einiges los. Zunächst war am Donnerstagabend an der St.-Paul-Universität ein Tanzabend. Dass dieser ein Motto, „Dance like the stars“, hatte und man sich dementsprechend kleiden sollte, erfuhr ich erst kurz vorher. Naja, Verkleiden hat mir eh noch nie so viel Spaß gemacht... Zum Glück kamen auch einige Studenten direkt aus ihren letzten Kursen (der letzte endet 20:30 Uhr und es gibt Nachtkurse bis 22:30 Uhr) und die hatten natürlich auch nicht extra eine Verkleidung mitgebracht. So lernte ich unter anderem zwei Studenten aus dem Bereich der katholischen Ost-Kirchen kennen (ukrainion catholics), Cyrell und, ich glaube, Henry. Tja und irgendwie wollte ich anscheinend unbedingt den Weltrekord im Fettnäppchentieftauchen aufstellen und fragte Cyrell als allererstes: „Ist es nicht deprimierend wie eine Null geschrieben zu werden nur noch mit einem l dazu?“ (Cyrell hört sich ausgesprochen wie Zero an, was das englische Wort für Null ist) Diesen Witz rafften die beiden leider erst nach einigen Minuten und sie hatten zumindest soviel Anstand noch so zu tun als wäre es nach den ganzen Erklärungen immer noch DER Brüller. Dennoch unterhielten wir uns den ganzen Abend und obwohl ich den schlechten Witz mit einem Bier wieder gut machen wollte, gaben mir die Jungs das Bier lieber aus anstatt es spendiert zu bekommen. Am besten habe ich mich mit Cyrell verstanden, weil wir ungefähr den gleichen Humor teilten und so redeten wir über Uni und sein angehendes Priesterleben, über Heimat und Freunde UND über Toronto. Denn Cyrell kommt aus einer Vorstadt Torontos und fährt dort an seinem monatlich freien Wochenende immer hin. Als ich sagte, dass ich Toronto natürlich fest auf meinem Touri-agenda hätte, gestand er vieles in Toronto noch nicht gesehen zu haben, was man eigentlich sehen müsste. Es folgte eine kurze Diskussion darüber, dass man sich nie die Dinge in der eigenen Heimatstadt anschaut, weil man denkt, immernoch soviel Zeit zu haben und wie fatal das eigentlich ist. Lange Rede, kurzer Sinn, plötzlich sagte er, dass ich ihn doch einfach ein Wochenende begleiten solle und dann würden wir einfach gemeinsam die ganzen Touri-attraktionen anschauen. Ich war natürlich begeistert! Da aber mein Oktober schon relativ voll ist, wird das wohl bis November warten müssen. Bis dahin wollen wir uns einige Museen in Ottawa vorknöpfen, die er und ich (sowieso) noch nicht besucht haben.
Die Tanzveranstaltung, die man ruhig Party nennen konnte, fand in der Cafeteria der Uni statt und ich schätze mal an die 50 Leute waren da und das soll für St. Paul wohl ziemlich gut sein. Die Dekoration war einsame spitze, dafür dass es 'nur' eine Studentenparty war und eines muss man den Kanadiern lassen, sie haben keine Hemmungen, wenn es ums Tanzen geht. Sobald die Musik anfing zu spielen, waren mindestens immer zwei Leute auf der Tanzfläche und es dauerte nie lange bis weitere dazukamen. Ich erfuhrt auch bald, dass noch ein anderer deutscher Student kommen sollte und natürlich war es ein Erfurter, Lutz :) Ich freute mich riesig jemanden aus der Heimat zu sehen und wir redeten auch einige Zeit mit einander. Er erzählte, dass sein Start ziemlich stressig gewesen war, da er erst noch ein Zimmer finden musste und sich auch nicht so schnell in das Unisystem reinfuchsen konnte. Er hatte allerdings schon Quebec und Toronto gesehen und sagte, dass er die freie Studienwoche im Oktober (ja hier haben Studenten mitten im Herbst eine Woche frei!) noch zum Reisen nutzen würde. Dafür fliegt er aber schon einen Monat eher als geplant wieder nach Hause, weil der Trip für ihn doch teurer wird als geplant. Verständlich.
Unsere Unterhaltung führten wir anfangs noch in Deutsch, als aber dann immer mehr Kanadier hinzukamen, wechselten wir zu Englisch über, was viele sehr erstaunte. So verging der Abend recht schnell und ich ging gegen halb eins am Kanal der Stadt entlang nach Hause und machte noch ein paar Nachtaufnahmen vom Parlamentsgebäude. Am nächsten Morgen erfuhr ich aber, dass ich so spät lieber nicht mehr da lang laufen sollte... nicht weil die Stadt voller Schwerverbrecher ist, sondern weil junge Mädchen wie ich um diese Uhrzeit eben nicht alleine durch die Gegend spazieren sollten. Naja, daran halte ich mich auch in nächster Zeit.
Am Freitagabend hatte ich mich deshalb auch mit einem Fahrdienst abgesichert., doppelt. Denn Bradley und David fuhren mit mir zusammen zu Amys Party und Gustave (ein Priester in unserem Haus) hätte mich aber auch abgeholt. Amys Party fand aufgrund eines Hauskaufes statt und war mit dem Titel „Warm-up-party“ („Aufwärmparty“) versehen. Eigentlich hatte ich erwartet, dass sich diese Party wilder gestalten würde, weil es ja nun mal eine Privatparty war. Entgegen meiner Erwartungen verlief der Abend aber eher gemütlich. Es waren überraschenderweise auch Leute im Alter meiner Eltern da und die meiste Zeit saß ich gemeinsam mit Bradley und anderen sehr interessanten Leuten im Garten. Dort hatten Amy und ihre Mitbewohnerin eine Butan-Gas-Feuerstelle (das Holz auf den Bilder ist also nur Fake) und ganz viele Marshmellows und Schokolade und Kekse gebunkert um eine typische kanadische Süßigkeit zu servieren. Zunächst spießt man sich 2 Marshmellows auf einen Spieß und lässt sie außen karamellisieren. Dann nimmt man 2 Kekse und ein Stück Schokolade und versucht nun die Marshmellows irgendwie dazwischen zu bekommen, indem man sie mit den Keksen vom Spieß schiebt. Ich sage euch, das ganze ist eine Kunst! Vor allem weil die Marshmellows überall kleben bleiben: am Spieß, an den Fingern, an meiner Kamera (aaaaarrrrrr!!!)... dafür ist es aber auch super lecker und eine wahnsinns Kalorienbombe. Von daher ist es eigentlich ganz gut, dass die Zubereitung nicht so einfach ist. Ja und so saß ich in einer Gruppe junger Kanadier an einem Butanfeuer und hatte wirklich sehr viel Spaß. Da waren zum Beispiel Adam und Matt, die zu zweit wirklich sehr witzig waren und mich irgendwie an die Alten aus der Muppetshow erinnerten; und David, ein weiterer Priesteramtskandidat, der mit bei Bradley in der Gemeinschaft lebt. Der hatte dann einfach mal den Einfall, sich aus Marshmellows einen Bart zu formen – das hat bestimmt schön geklebt. Lustig war es aber und ganz ehrlich, ich glaube eine Party wird unter anderem durch solche Leute wirklich gut. Ich versuchte mich so viel wie möglich an den Unterhaltungen zu beteiligen und einige begriffen erst nach einer Stunde, dass ich nicht aus Kanada komme, was mich sehr ehrte. Zunehmend bekomme ich auch gesagt, wie gut mein Englisch doch sei, ich glaube aber eher, dass sich mein Akzent so langsam dem der Menschen hier angleicht. Wie dem auch sei, die Ergebnisse dieses Abends waren mehrere neue Freunde (mit Adam werde ich am Sonntag etwas unternehmen), das Angebot mit zu einem Hockeyspiel zu gehen und endlich einmal viel Spaß mit Gleichaltrigen gehabt zu haben. Gegen halb eins fuhren wir dann nach Hause; ich musste ja gegen 5 Uhr aufstehen, da es um 6 Uhr am Samstag mit Flavie nach Quebec gehen sollte.

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