7. November 2010

Alltag

Nachdem dieser Blog mir fast in den Winterschlaf gefallen wäre, dachte ich die Stunde, die es heute extra gab für einen neuen Eintrag zu nutzen. Die letzten Wochen verliefen allerdings mehr im Alltagstrott, als dass es etwas überaus Spannendes zu erzählen gäbe. Aber dennoch gibt es ein kleines Update, was ich mittlerweile so treibe.
In der Schule läuft alles wie gewohnt. Ich komme morgens um kurz nach 8 Uhr an, schließe das Büro auf und begebe mich seit einiger Zeit nun immer auf den Nordflur, um da mit den Betreuungslehrern die Kinder noch vor der Hymne in die Klassen zu scheuchen und natürlich um ein wenig zu tanzen. Während der Hymne stoppen wir Schüler, die zu spät sind und fordern sie auf bis nach den Ankündigungen für den Tag dort still zu stehen, wo sie sind. Danach geht es dann meistens an die Arbeit. Paul hat meist schon eine lange Liste von Dingen, die wir den Tag erledigen müssen: Kinder sehen, um ihnen Uniformen, neue Unterkünfte, etwas zu Essen oder andere lebensnotwendige Dinge zu beschaffen; mit Schülern reden (sei es einfach so oder weil gerade ein Verwandter, Freund etc. gestorben ist);Veranstaltungen organisieren und wenn ich Paul mal nicht helfen kann, weil es sich um Papierkram handelt, dann bereite ich die Morgengebete vor. Mittlerweile stehen alle bis Weihnachten und ich glaube, Paul würde sich riesig freuen, wenn ich noch bis zum Halbjahresende vorarbeiten könnte. Solange habe ich allerdings dazu nicht mehr Zeit. In drei Wochen werde ich dann die Schule wechseln. Dann geht es an eine relativ neue Schule, in der das eigentliche Problem, so wurde mir gesagt, der Reichtum der Kinder ist. Betreuen wird mich da Sister Shelly, die ich auch schon kennengelernt habe und die nun zu meinem Supervisor für das gesamte Praktikum geworden ist. Das bedeutet, dass ich mich wöchentlich mit ihr treffe und reflektiere, was ich eigentlich mache und vor allem, wo die Theologie in meinem ganzen Tun steckt. Diese Geschichte gehört zu dem Unikurs, den ich immer noch besuche und der vor allem eines bringt: Selbstreflexion und Situationsanalysen. Es ist wirklich interessant wie viele Facetten man an einem Erlebnis und auch an sich selbst erkennen kann, wenn man sich die Zeit zur Betrachtung nimmt.
Des Weiteren habe ich den November für mich zum Hospitationsmonat erklärt. Das bedeutet, dass ich pro Tag mindestens eine Religionsstunde besuche. Ebenfalls habe ich in Eigeninitiative ein paar Deutschkurse an der Uni und an einer anderen Schule gefunden und die Professorin war zufälliger- und glücklicherweise auch die Lehrerin der Kurse an den Schulen und so durfte ich aber letzter Woche auch dort beisitzen und sogar schon kleine Einheiten selbst übernehmen. Da die Kurse aber Donnerstagabend von 18:30 bis 21:15 und Samstagvormittag 9:00 bis 12:30 sind, ist mein Wochenplan ziemlich ausgefüllt und an größere Reisen ist kaum noch zu denken. Das wird sich aber mit dem 17. Dezember ändern. Da ist sowohl das Schuljahr als auch das Unisemester vorbei und ich werde an diesem Tag ebenfalls meine Unterkunft wechseln. Eine Freundin, die Seelsorgerin an der Schule ist, fliegt ironischerweise über Weihnachten nach Deutschland und fragte mich, ob ich nicht ihr Haus sitten wollen würde. Da habe ich natürlich nicht nein gesagt, da ich zu Weihnachten doch etwas Ruhe gebrauchen kann... Im Haus läuft es leider noch immer nicht besser. So verfliegen nun doch so langsam die Wochen und ich zähle die Tage bis zum 27. Dezember, wenn Jörg kommen wird. Der Plan wohin es dann gehen wird steht. Es soll eine große Rundtour durch Kanada und den U.S.A. werden. Silvester werden wir in Chicago sein, dann geht nach Denver in die Rocky Mountains und per Flug nach Washington D.C., weiter nach New York und wieder zurück mit Zwischenhalten in Montreal und Quebec City. Am Ende stehen noch ein paar Tage in Ottawa, was letztendlich eine Art Mix aus den Dingen ergibt, die Jörg damals bei seinem Auslandssemester und ich nun bei meinem gesehen haben. Ich sage mir immer, dass das ja nun nicht mehr so lange dauert. Denn ehrlich gesagt, ich vermisse Deutschland und ich vermisse Jena. Ich habe lange darüber nachgedacht, ob ich etwas falsch mache und warum ich einfach nicht die Art Begeisterung verspüre, die viele meiner Freunde hatten, als sie weg waren. Aber eine gute Freundin hat mir erzählt, dass es ihr damals genauso ging bis sie im letzten Monat herumreiste. Ich kann mir gut vorstellen, dass ich dann auch ins Schwärmen komme. Bis jetzt ist mein Aufenthalt aber eher von Arbeit und Alltag geprägt.
Ansonsten verbringe ich die übrige Zeit im Fitnessstudio oder beim Schwimmen, gehe in die Stadt und treffe mich mit Freunden, wie zum Beispiel Artemysia, die ihr auf den Bildern vom Jackenraubzug sehen könnt. Ich habe sie beim Kaffee und Kuchen zum Tag der Deutschen Einheit kennengelernt. Sie besucht hier Deutschkurse und will vielleicht bald auch ein Semester in Erfurt verbringen. Auch Bradley sehe ich häufig und durch ihn treffe ich auch viele andere von Amys Party regelmäßig. Und mit Adam gehe ich häufiger Sushi essen...
Heute war ich zum ersten Mal im Gottesdienst einer Kirchgemeinde, was mir wirklich gut gefallen hat. Ich werde definitiv nächsten Sonntag wieder hingehen. Der Gottesdienst war um 19:30 und ist speziell für die Studenten und junge Menschen der Stadt ausgelegt und das konnte man auch merken.
Die Temperaturen pendeln sich hier nun um den Nullpunkt ein und gab auch schon Schnee, der allerdings noch nicht liegen blieb. Die Prognose der junge Dame im Strickgeschäft besagte allerdings, dass es noch circa 10 Tage dauern würde, bis der Winter käme. Ja richtig, Strickgeschäft! Ich stricke und habe auch schon das erste Paar Handschuhe fertig und arbeite jetzt an einem Alpakawollschal :)
Und zum Schluss für alle die es interessiert: ich habe mir gestern ganz spontan meine Haare abschneiden lassen und sehe mit richtig kurzen Haaren gar nicht so schlecht aus. So, das war´s für´s Erste mit diesem Update. Die nächsten Einträge werden wahrscheinlich wieder kleine sein, da sich wie gesagt, hier der Alltag einschleicht und ich für lange Einträge leider nicht mehr soviel Zeit und auch nicht genügend Stoff zur Verfügung habe. Aber ich denke, das ist euch doch auch ganz recht. Schaut im Übrigen immer mal bei meinem Picasawebalbum rein. Ich lade öfter mal Fotos hoch, ohne dazu hier Texte im Blog zu schreiben. Der Link kommt hier:


Ich wünsche euch eine schöne Woche! Ich vermisse euch und zähle wirklich die Tage bis ich wieder nach Deutschland fliege. Es freut mich aber immer mal zu hören, dass es euch allen soweit gut geht. Bis bald und kanadische Grüße :)

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