Ich werde mich diesmal einfach nicht für den späten Eintrag entschuldigen, ihr seid es wahrscheinlich eh schon gewohnt.
Danach ging ich mit Paul und dem Lehrpersonal noch in einen nahegelegenen Pub.
Am Samstag musste ich relativ früh aus den Federn, denn Kerri, eine Kommilitonin aus dem Unikurs, hatte mich zu einer Wanderung in den Algonquin Nationalpark eingeladen. Dieser Nationalpark ist mit einer Fläche von 7500 km² einer der größten Nordamerikas. Er beherbergt fast alle Tierarten Kanadas, darunter auch Bären und natürlich den berühmten Elch. Man kann dort nicht nur wandern, sondern auch paddeln, Rad fahren und campen. Das Wochenende war perfekt um dort wandern zu gehen. Es war sonnig und warm, das Laub war aber dennoch schon bunt und die Blätter begannen zu fallen. Schon die Fahrt dorthin war sehr reich an Eindrücken und Naturbildern. Wo noch vor einigen Wochen grüne Bäume standen, war nun eine Mischung aus dunklen Rottönen, Kürbisorange und Goldgelb zu sehen! Eine großartige Aussicht. Am Parkrand angekommen, mussten bezahlten wir den Eintritt und mussten das Autokennzeichen im Falle einer Vermisstenmeldung durchgeben – sicher ist sicher. Und dann fuhren wir wieder circa 20 min, denn wie gesagt, der Park ist groß. Kerri und ich hatten uns vorgenommen eine kleine Tour mit schöner Aussicht und eine größere Tour zum wirklichen Wandern zu gehen. Die erste Tour war gerade mal 1,5km lang, dafür aber sehr sehr beeindruckend. Wir parkten auf einer Lichtung und waren nur wenige Meter einen Berg hinauf gegangen als sich auch schon die Bäume lichteten und wir direkt an einem ziemlich steilen Abhang standen. Unten im Tal war ein Fluss, uns gegenüber ging direkt an den Klippen der Wald weiter. Es war umwerfend!!! Es war möglich das Tal einige Kilometer zu verfolgen und so setzten wir uns an den Abhang und genossen ein wenig die Aussicht. Dies war wieder einer der wenigen Augenblicke, wo ich dachte „DAS ist Kanada.“
Am Sonntag morgen fand bei uns in der Hausgemeinde der Thanksgivinggottesdienst statt, der vom Prinzip her mit dem Erntedank-Gottesdienst zu vergleichen ist. Da ich mir durchaus der Masse an Essen bewusst war, die da auf mich zukommen sollte, huschte ich im Anschluss gleich in Fitnessstudio. Gerade aber mal 5 min auf dem Laufband, rief mich Kerri mit einem Mal an, um mich zu fragen, ob ich eine Stunde eher abholfertig sein könnte. Ich war verschwitzt und verdutzt, denn das war in gerade mal 45 min. Da sie es aber nicht all zu eilig hatte, konnte ich zumindest mein Lauftraining beenden und so holte sie mich und eine weitere Kommilitonin am Nachmittag ab. Ich muss dazu sagen, dass das Thanksgivingdinner bei den meisten Familien auf 16Uhr angelegt ist...
Als wir dort ankamen, waren die Vorbereitungen noch in vollem Gange. Es sollte zwei Truthähne geben und etliche Beilagen: Kartoffelbrei, Süßkartoffeln, Brokkoli, Bohnen, Erbsen, Salat, die Füllung des Truthahn und zweierlei Soßen. Eine Menge Arbeit also, aber wir waren ja auch genug Leute um das Ganze vorzubereiten.
Zum krönenden Abschluss lud mich Kerri in den Whirlpool auf der Terrasse des Hauses ein und so ließen wir Mädels den Abend in einem blubbernden wohlriechenden Bad beim beobachten der Sterne ausklingen. Und für den Nachhauseweg und die restlichen 30 Jahre nach dem Essen, gab es einen riesigen Berg an Resten zum Mitnehmen.
Auch der Montag sollte nochmals ganz im Zeichen des Truthahns stehen. Diesmal aber in anderer Form. Ich war zum Haus der Oblates eingeladen, einer Ordensgemeinschaft die laut Wikipedia zu den Benediktinern gehört. Alle Freunde des Hauses waren eingeladen und so hatte Bradley, ein sehr guter Freund von mir auch mich gefragt. Insgesamt waren dort an die 30 Leute und der Truthahn reichte genau für alle. Es gab wieder ein Buffet, die Runde war diesmal allerdings lockerer. Amy und ein paar Freunde von ihrer Party waren auch da. An sich war der Abend aber eher sehr gemütlich und nachdem wir Mädels noch mit aufgeräumt hatten, ging ich vollgefuttert nach Hause. Thanksgiving habe ich in Kanada als nicht als zu übertriebene Feier festgestellt, wenn man mal von der Größe des Truthahns absieht. Die Reste werden hier im Übrigen eingefroren und später für Sandwichs verwendet. Die Knochen kochen sie für einen Suppenfond, was ich wirklich toll fand. Es wurde wirklich alles verwendet und kaum etwas weggeschmissen. Im Endeffekt ist es ein Wochenende um mal ein wenig Zeit mit Freunden oder der Familie zu verbringen, mehr Bedeutung schien es aber in meinen Augen für die Kanadier nicht zu haben. Wobei Freunde und Familie ja doch bedeutungsvoll genug sind....
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