17. September 2010

Quebec City - die unentschlossene Stadt (17. und 18.09.2010)

Am Samstagmorgen ging ich also um 6 Uhr aus der Tür in den doch kalten Herbstmorgen. Es war noch etwas neblig und ich ziemlich müde. Ich hatte mir selbst auch keine Zeit mehr dafür gelassen, einen Kaffee zu kochen bzw. zu trinken und hoffte einfach, dass wir auf der Fahrt bald irgendwo halten würden. Ottawa hat wie jede Stadt am frühen Morgen ihren ganz eigenen Flair.. Wir waren so gut wie die einzigen auf der Straße und der Himmel, der so langsam vom dunkel- ins hellblau verlief, ergab mit den Leuchtreklamen der Stadt ein sehr schönes Bild. Wir bogen auf den Highway und befanden uns bald außerhalb der Stadt, wo über den Wiesen noch der Nebel hang. Perfekt wurde dieses Bild, als durch den Nebel hindurch die Sonne direkt vor uns goldorange aufging. Und ich muss mich mal selbst loben: ich habe eines der schönsten Bilder meines bisherigen Aufenthalt geschossen, aus dem Auto heraus!
Die weitere Fahrt schlief ich viel und gönnte mir beim ersten Quebecer McDonalds einen Kaffee. Gegen 10 Uhr waren wir noch eine Stunde von Quebec City entfernt und hielten bei einem Tim Hortons (eine Art Fast-food-restaurant nur für Kaffee und Gebäck und seeeeehhhhhhr beliebt in Kanada. Dort wollte sich Flavie mit vier ihrer alten Freundinnen treffen, die in der Nähe ihrer Heimatstadt geblieben waren, während Flavie vor 25 Jahren von Quebec nach Ottawa gezogen war. Die Truppe war wirklich sehr witzig und auch wenn sie sich nur auf Französisch unterhielten, so verstand ich doch alles. Nur mit dem Sprechen hatte ich es noch nicht so ganz... Achso, vielleicht sollte ich dazu sagen, dass die Provinz Quebec, die an Ontario grenzt komplett französisch(sprachig) und darauf auch sehr stolz ist. Um 11 Uhr brachen wir wieder auf und kamen kurz vor Mittag in Quebec City an. Viele Menschen in Ottawa hatten mir versichert, dass ich als Europäer diese Stadt lieben würde, da sie als älteste Stadt Nordamerikas auch gleichzeitig die europäischste von allen sei. Mein erster Eindruck war, dass mich die Stadt an Italien erinnerte, da das Zentrum wie Assisi auf einem Berg lag mit dem Unterschied, dass auf der einen Seite des Berges der großes St-Lauren-River an der Stadt entlang zog. Der zweite Eindruck erinnerte mich eher an San Francisco, da die meisten Straßen eine wahnsinnige Steigung hatten. So zum Beispiel auch die Straße, in der Flavies Bruder Nicolas wohnte. Dieser stand mit seiner Partnerin schon am Straßenrand um uns zu begrüßen UND um mir eine Karte in die Hand zu drücken. Der erste Kontakt verlief ungefähr so: ich: „Hallo ich bin Maria. Schön dich kennen zu lernen.“ Er: „Hallo ich bin Nicolas. Hier ist die Karte. Das wichtigste habe ich dir markiert. Wir sind gerade hier (er zeigt auf die Karte) und du gehst einfach hier die Straße immer gerade aus, dann siehst du es schon. Hab einen schönen Tag.“ In dem Moment haben Flavie und ich so gelacht, denn sie hatte mich schon darauf vorbereitet, dass ihr Bruder gerne durch Quebec führt, wenn Gäste da sind und dass er ein begeisterter Weltenbummler sei. Dazu aber später mehr. Daraufhin wurden noch ein paar wenige Worte gewechselt und dann ging ich Richtung Stadtzentrum und die anderen fuhren Richtung Familienveranstaltung.
Wenn ich Quebec City beschreiben müsste, dann würde ich sagen, dass es durchaus eine Stadt ist, in die man sich verlieben kann. Ich hatte an diesem Nachmittag leider nur die Möglichkeit eine kurze Affäre mit ihr einzugehen. Auf den ersten Blick war die Innenstadt wirklich sehr schön; kleine Läden mit selbst genähten und sehr modischen Sachen wie T-Shirt, Mäntel und Taschen, andere Architektur als in Ottawa und überall der Hauch des Französischen. Je weiter ich aber in das Zentrum kam, desto mehr Leute wurden es und als ich zu den Attraktionen gelangte, die Nicolas mir eingezeichnet hatte, konnte ich mich kaum vor den Massen an Touristen retten. Auf jeden meiner Schritte musste ich achten, dass ich nicht jemanden rempelte und so wunderte es nicht, dass sich die Besichtigung der Hauptattraktionen wie das Chateau Frontenac und den Blick auf den Fluss relativ kurz hielten. Interessant waren aber wiederum die vielen Straßenkünstler, die überall in der Innenstadt ihre Talente zur Schau stellten. Ruhiger wurde es erst als ich die Basilica Notre Dame betrat; eine sehr schöne Kirche, die aber über und über mit Gold verziert ist und an jeder Säule einen Plasmabildschirm besitzt (etwas typisch nordamerikanisches hab ich mir sagen lassen.). Nach der Kirche beschloss ich in die kleineren Gassen der Stadt zu gehen und das war die beste Entscheidung, die ich hätte treffen können. Mit einem Schlag war niemand mehr auf der Straße und eines der wahren Gesichter der Stadt kam zum Vorschein; ein sehr schönes Gesicht. Die kleinen Häuser und individuell gestalteten Fassaden waren wunderschön und bestätigten meinen Eindruck von Quebec als eine Stadt, die sich einfach nicht entscheiden wollte in welchem Land sie liegt. Da waren Häuser, die sehr italienisch aussahen neben welchen die gut und gerne auch in Schweden hätte stehen können. Wieder andere erinnerten mich sehr an Häuser, die ich auf Bildern von Irland gesehen hatte. Und nicht zum Schluss gab es viele, die sehr britisch und wieder andere die sehr französisch wirkten. Es war alles dabei und ich war begeistert und rannte wie eine Wilde mit meiner Kamera hin und her. Meinen Stadtrundgang beendete ich mit einem Gang am Wasser entlang und mit Suche nach einer Bäckerei um ein paar Postkarten zu schreiben und ein leckeres Stück Kuchen zu essen. Naja, die Bäckerei fand ich, aber klein war sie nicht. Dafür war aber das Gebäck umso leckerer... Blätterteig mit Schokolade und Birne, total simple und total lecker! Zum Kartenschreiben kam ich leider nicht mehr, weil bald Flavie anrief und sagte, ich könne nun jederzeit zu Nicolas kommen, da sie wieder da wären.
Also machte ich mich zu seinem Appartement und mit dem ersten Schritt hinein, hatte ich mich auch schon in die Wohnung verliebt. Diese Wohnung war der Hammer! Wie Quebec selbst war sie eine Mischung: mediterraner, orientalischer und amerikanischer Stil mit Holzdielen und viel Kunst und Fotos an den Wänden. Die Wohnung lag im Obergeschoss und dazu noch auf dem Hügel und so hatte man vom Balkon aus eine wunderbare Sicht. Ich bekam das schönste Zimmer und hätte es bei der Abreise am liebsten einfach mitgenommen. Der Holzfußboden, die braunroten Wände und das große Bett mit einer Federdecke; ich fühlte mich wahnsinnig wohl! Im Übrigen ist Nicolas Wohnung Couchsurfern zugänglich und ich kann diese Bleibe wärmstens empfehlen! Am Samstagabend saßen wir also zusammen, aßen ein leckeres Nudelgericht, tranken Wein und unterhielten uns auf Quebecer französisch. Mit der Zeit schaffte ich es auch mit meinem Schulfranzösisch Sätze zu formulieren. Es war ein wunderschöner Abend und ich würde lügen, wenn nicht französischer Flair in der Luft lag. Nicolas zeigte mir vieler seiner Fotos, die er überall in Nordamerika über die Jahre gemacht hatte und er gab mir viele Tips, wohin man im Januar fahren könnte.
Und so fuhr ich am Sonntagvormittag voller Eindrücke und guter Ideen zum Thema Reisen und Wohnungsgestaltung;)) wieder Richtung Ontario. Natürlich aber nicht ohne in einem kleinen Café um die Ecke gefrühstückt zu haben. Es gab zwar auch hier Bacon and Eggs aber dazu bestellte ich Pancakes. Allerdings sind die Quebecer Pancakes genau das gleiche wie bei uns die Crepes. Auf meine original amerikanischen Pancakes muss ich also noch ein wenig warten. Auf der Rückfahrt nahm Flavie anfänglich extra den Weg durch die kleineren Städte um mir zu zeigen, wie die Provinz Quebec sonst aussieht. Überall waren kleine Häuser und die Städtchen direkt am St.-Laurence-River waren wunderschön. Typisch für Quebec sind Häuser aus Stein, wie sie von den ersten Bewohnern dieser Gegend gebaut wurden. Es gab einige Jahrzehnte, wo diese Fassaden mit Holz versteckt wurden, aber so langsam wird es wieder populär und mir persönlich haben diese Häuser sehr gefallen. Irgendwie sahen sie sehr britisch aus... gezwungenermaßen musste ich an Rosamunde Pilcher denken. Und Flavie hatte erwähnt, dass die Provinz Quebec mit den Jahreszeiten immer 3 Wochen vorraus ist und wie man auf den Bildern erkennen kann, wurde es dort so langsam Herbst und die Bäume wechselten von grün zu einem kürbisorange.

So schön, wie das Wochenende war, so schrecklich war der Sonntagabend. Eine weitere Unterhaltung mit Peter über mein Praktikum war beim Abendessen etwas ausgeartet. Ich hatte gefragt, wer im School Board überhaupt wusste, dass ein Praktikant aus Deutschland da war und ob die Schulen davon wussten. In der Organisation wussten an die 4 Leute genauer Bescheid, an den Schulen aber absolut niemand. Es soll angeblich an meinem Motivationsschreiben gelegen haben, dass nicht genau formuliert sei, aber diesen Schwarzen Peter wollte ich mir nicht zuschieben lassen und so versuchte ich so ruhig wie möglich zu erklären, dass man keinen deutschen Praktikanten nach Kanada einfliegen lassen kann ohne dass überhaupt feststeht, dass er in die Schulen darf. Ich sollte dann erklären, wie die Organisation denn laufen solle, also schlug ich vor doch einfach bevor jemand nach Kanada kommt, zu checken ob die Schulen jemanden nehmen würden. So wirklich einsichtig war Peter aber nicht und ich deswegen um so wütender. Am Montag konnte sich mein Fall zum Glück lösen, da mich der Seelsorger der Immaculata Highschool gerne als Praktikant haben wollte. Also sollte ich am Dienstag gleich damit anfangen, ihm unter die Arme zu greifen. Und darauf freute ich mich riesig.

16. September 2010

Tanzabend at St. Pauls und Amys Warm-up-Party


Nachdem der letzte Eintrag ja nicht so gut klang, möchte ich mich nun mit ein paar schöneren Erlebnissen zurückmelden. Am vergangenen Wochenende war bei mir ja doch einiges los. Zunächst war am Donnerstagabend an der St.-Paul-Universität ein Tanzabend. Dass dieser ein Motto, „Dance like the stars“, hatte und man sich dementsprechend kleiden sollte, erfuhr ich erst kurz vorher. Naja, Verkleiden hat mir eh noch nie so viel Spaß gemacht... Zum Glück kamen auch einige Studenten direkt aus ihren letzten Kursen (der letzte endet 20:30 Uhr und es gibt Nachtkurse bis 22:30 Uhr) und die hatten natürlich auch nicht extra eine Verkleidung mitgebracht. So lernte ich unter anderem zwei Studenten aus dem Bereich der katholischen Ost-Kirchen kennen (ukrainion catholics), Cyrell und, ich glaube, Henry. Tja und irgendwie wollte ich anscheinend unbedingt den Weltrekord im Fettnäppchentieftauchen aufstellen und fragte Cyrell als allererstes: „Ist es nicht deprimierend wie eine Null geschrieben zu werden nur noch mit einem l dazu?“ (Cyrell hört sich ausgesprochen wie Zero an, was das englische Wort für Null ist) Diesen Witz rafften die beiden leider erst nach einigen Minuten und sie hatten zumindest soviel Anstand noch so zu tun als wäre es nach den ganzen Erklärungen immer noch DER Brüller. Dennoch unterhielten wir uns den ganzen Abend und obwohl ich den schlechten Witz mit einem Bier wieder gut machen wollte, gaben mir die Jungs das Bier lieber aus anstatt es spendiert zu bekommen. Am besten habe ich mich mit Cyrell verstanden, weil wir ungefähr den gleichen Humor teilten und so redeten wir über Uni und sein angehendes Priesterleben, über Heimat und Freunde UND über Toronto. Denn Cyrell kommt aus einer Vorstadt Torontos und fährt dort an seinem monatlich freien Wochenende immer hin. Als ich sagte, dass ich Toronto natürlich fest auf meinem Touri-agenda hätte, gestand er vieles in Toronto noch nicht gesehen zu haben, was man eigentlich sehen müsste. Es folgte eine kurze Diskussion darüber, dass man sich nie die Dinge in der eigenen Heimatstadt anschaut, weil man denkt, immernoch soviel Zeit zu haben und wie fatal das eigentlich ist. Lange Rede, kurzer Sinn, plötzlich sagte er, dass ich ihn doch einfach ein Wochenende begleiten solle und dann würden wir einfach gemeinsam die ganzen Touri-attraktionen anschauen. Ich war natürlich begeistert! Da aber mein Oktober schon relativ voll ist, wird das wohl bis November warten müssen. Bis dahin wollen wir uns einige Museen in Ottawa vorknöpfen, die er und ich (sowieso) noch nicht besucht haben.
Die Tanzveranstaltung, die man ruhig Party nennen konnte, fand in der Cafeteria der Uni statt und ich schätze mal an die 50 Leute waren da und das soll für St. Paul wohl ziemlich gut sein. Die Dekoration war einsame spitze, dafür dass es 'nur' eine Studentenparty war und eines muss man den Kanadiern lassen, sie haben keine Hemmungen, wenn es ums Tanzen geht. Sobald die Musik anfing zu spielen, waren mindestens immer zwei Leute auf der Tanzfläche und es dauerte nie lange bis weitere dazukamen. Ich erfuhrt auch bald, dass noch ein anderer deutscher Student kommen sollte und natürlich war es ein Erfurter, Lutz :) Ich freute mich riesig jemanden aus der Heimat zu sehen und wir redeten auch einige Zeit mit einander. Er erzählte, dass sein Start ziemlich stressig gewesen war, da er erst noch ein Zimmer finden musste und sich auch nicht so schnell in das Unisystem reinfuchsen konnte. Er hatte allerdings schon Quebec und Toronto gesehen und sagte, dass er die freie Studienwoche im Oktober (ja hier haben Studenten mitten im Herbst eine Woche frei!) noch zum Reisen nutzen würde. Dafür fliegt er aber schon einen Monat eher als geplant wieder nach Hause, weil der Trip für ihn doch teurer wird als geplant. Verständlich.
Unsere Unterhaltung führten wir anfangs noch in Deutsch, als aber dann immer mehr Kanadier hinzukamen, wechselten wir zu Englisch über, was viele sehr erstaunte. So verging der Abend recht schnell und ich ging gegen halb eins am Kanal der Stadt entlang nach Hause und machte noch ein paar Nachtaufnahmen vom Parlamentsgebäude. Am nächsten Morgen erfuhr ich aber, dass ich so spät lieber nicht mehr da lang laufen sollte... nicht weil die Stadt voller Schwerverbrecher ist, sondern weil junge Mädchen wie ich um diese Uhrzeit eben nicht alleine durch die Gegend spazieren sollten. Naja, daran halte ich mich auch in nächster Zeit.
Am Freitagabend hatte ich mich deshalb auch mit einem Fahrdienst abgesichert., doppelt. Denn Bradley und David fuhren mit mir zusammen zu Amys Party und Gustave (ein Priester in unserem Haus) hätte mich aber auch abgeholt. Amys Party fand aufgrund eines Hauskaufes statt und war mit dem Titel „Warm-up-party“ („Aufwärmparty“) versehen. Eigentlich hatte ich erwartet, dass sich diese Party wilder gestalten würde, weil es ja nun mal eine Privatparty war. Entgegen meiner Erwartungen verlief der Abend aber eher gemütlich. Es waren überraschenderweise auch Leute im Alter meiner Eltern da und die meiste Zeit saß ich gemeinsam mit Bradley und anderen sehr interessanten Leuten im Garten. Dort hatten Amy und ihre Mitbewohnerin eine Butan-Gas-Feuerstelle (das Holz auf den Bilder ist also nur Fake) und ganz viele Marshmellows und Schokolade und Kekse gebunkert um eine typische kanadische Süßigkeit zu servieren. Zunächst spießt man sich 2 Marshmellows auf einen Spieß und lässt sie außen karamellisieren. Dann nimmt man 2 Kekse und ein Stück Schokolade und versucht nun die Marshmellows irgendwie dazwischen zu bekommen, indem man sie mit den Keksen vom Spieß schiebt. Ich sage euch, das ganze ist eine Kunst! Vor allem weil die Marshmellows überall kleben bleiben: am Spieß, an den Fingern, an meiner Kamera (aaaaarrrrrr!!!)... dafür ist es aber auch super lecker und eine wahnsinns Kalorienbombe. Von daher ist es eigentlich ganz gut, dass die Zubereitung nicht so einfach ist. Ja und so saß ich in einer Gruppe junger Kanadier an einem Butanfeuer und hatte wirklich sehr viel Spaß. Da waren zum Beispiel Adam und Matt, die zu zweit wirklich sehr witzig waren und mich irgendwie an die Alten aus der Muppetshow erinnerten; und David, ein weiterer Priesteramtskandidat, der mit bei Bradley in der Gemeinschaft lebt. Der hatte dann einfach mal den Einfall, sich aus Marshmellows einen Bart zu formen – das hat bestimmt schön geklebt. Lustig war es aber und ganz ehrlich, ich glaube eine Party wird unter anderem durch solche Leute wirklich gut. Ich versuchte mich so viel wie möglich an den Unterhaltungen zu beteiligen und einige begriffen erst nach einer Stunde, dass ich nicht aus Kanada komme, was mich sehr ehrte. Zunehmend bekomme ich auch gesagt, wie gut mein Englisch doch sei, ich glaube aber eher, dass sich mein Akzent so langsam dem der Menschen hier angleicht. Wie dem auch sei, die Ergebnisse dieses Abends waren mehrere neue Freunde (mit Adam werde ich am Sonntag etwas unternehmen), das Angebot mit zu einem Hockeyspiel zu gehen und endlich einmal viel Spaß mit Gleichaltrigen gehabt zu haben. Gegen halb eins fuhren wir dann nach Hause; ich musste ja gegen 5 Uhr aufstehen, da es um 6 Uhr am Samstag mit Flavie nach Quebec gehen sollte.

3 Wochen um und....??? Ein Zwischenbericht

Hallo an Euch alle da draußen. So langsam ebben die tagelangen Erlebnisse ab und die kleinen Überraschungen und Erfahrungen des Alltags stellen sich ein. Da ich in der nächsten Zeit eher thematisch arbeiten werde (also mal ein Post über das Haus, die Stadt, das Essen etc.) dachte ich, es wäre mal eine gute Gelegenheit für ein Update, was ich denn eigentlich zur Zeit hier treibe. Um es kurz zu fassen: nicht viel. Ehrlich gesagt, geht es mir zur Zeit aus einigen Gründen nicht so gut. Ich habe gelesen, dass nach 3 Wochen Aufenthalt in einem fremden Land sich der erste Tiefpunkt einstellen soll, weil eben der Alltag kommt. Aber das hier ist nicht Alltag oder sollte es nicht sein. Ich versuche das Ganze mal zu erklären. Eigentlich geht es mir hier sehr sehr gut und ich bin sehr dankbar, dass ich hier in Kanada sein darf, dass ich bei Peter wohnen darf und dass ich in den ersten Wochen schon so viel erlebt habe. Das waren tolle Erlebnisse und Erfahrungen, wie ihr ja lesen könnt. Leider läuft aber die Sache mit meinem Praktikum ganz anders als ich und auch andere Menschen in meinem Umkreis sich das vorgestellt hatten. Am kommenden Donnerstag bin ich bereits einen Monat hier und ich habe noch keine Schule von Innen gesehen. Woran das liegt? So genau kann ich euch das leider nicht sagen, weil ich anscheinend eine der Letzten bin, die etwas erfährt.
Zu Beginn meines Aufenthalts hatte die Schule noch nicht begonnen, sondern startete erst nach dem Labour Day am 7. September. Dann sagte Peter, dass sich sich an den Schulen erstmal die Lage entspannen müsse, da der Schuljahresbeginn doch sehr stressig sei. Auch das habe ich verstanden. Gleichzeitig war aber immer die Rede davon, dass ich zunächst mit den Vorgesetzten des Schoolboards reden müsste, um abzuklären was ich genau machen will und machen DARF. Dieses Gespräch hat bis heute noch nicht stattgefunden, obwohl es unabhängig vom Schulalltag war. Ich versuchte mich anfangs in Geduld zu üben, immerhin will ich nicht undankbar sein. Viele Leute hier versuchen mir den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen. Meinen inneren Konflikt, der dadurch entstand, könnt ihr euch vielleicht vorstellen. Aber bei einem Telefonat mit Frau Prof. Wijlens, die mir das Praktikum vermittelt hatte, machte sie mir deutlich, dass ich zu recht etwas sauer sein darf und nun bitte auf einen baldigen Beginn drängen soll. Also redete ich mit Peter. Manchmal macht es auf mich den Eindruck als ob er mich hinhalten will, da er immer versucht Entschuldigungen zu finden und mir erklären will, wie toll es doch (anscheinend auch ohne das Praktikum) ist. Ich drängte nun aber dennoch, dass mal was passiert und so versuchte er die Leute beim Schoolboard per Telefon zu erreichen. Als aber nach 2 Tagen immer noch nichts passiert war, fuhren wir zusammen zu der Organisation, dass ich die wenigstens schon mal gesehen habe. Natürlich war von den für mich wichtigen Leuten niemand da und so bekam ich nur eine kleine Führung durch den riesigen Komplex und wurde vorerst auf unbestimmte Zeit vertröstet. Nun hat sich das Schoolboard gestern per Telefon gemeldet und so wie es scheint, haben Peter und ich einen Termin für Montag bekommen, an dem ich vortragen soll, was ich machen will. Ja auch dazu will ich kurz etwas sagen: jeder fragt mich hier, was ich machen will. Auch die Leute vom Schoolboard, die meine Sachen in der Hand haben und ich musste mich gezwungenermaßen fragen, wozu ich in Deutschland mit der Hilfe vieler ein Motivationsschreiben erstellt hatte. Es gab im Schoolboard 2 Leute, die sich an mich erinnerten. Zum einen die Dame, die mein Bestätigungsschreiben verfasst hatte und zum anderen der Herr, der meine Bewerbung für das Praktikum bearbeitet hatte. Aber ansonsten war es das. Alles scheint hier anders zu laufen: es ist nicht wie in Deutschland, wo die Leute bei denen man Praktikum macht schon vorher genau wissen, wann du wo zu sein hast. Irgendwie macht es auf mich den Eindruck, als ob hier keiner auf mich vorbereitet ist. Tja und deswegen besteht mein momentaner Alltag aus unbestimmtem Warten, Warten darauf, dass es endlich losgeht.
Ach ja, als „kleiner“ Trost, hat mir Peter einen Unikurs „besorgt“. Ich bin nicht richtig eingeschrieben, aber ich soll teilnehmen. Das wurde mir überraschender Weise 2 Tage vor Unibeginn gesagt. So sitze ich nun jeden Mittwoch von 9 bis 12 Uhr in einem Kurs im Master of pastoral Theology zusammen mit 6 anderen Studenten, die aber viel älter sind als ich und alle später als Pastoren und Priester in einer Gemeinde arbeiten werden. Es ist natürlich interessant, das Unileben hier kennen zu lernen, aber ihr könnt euch sicherlich denken, dass ich mich innerlich zuerst fragte: Und was ist mit meinem Praktikum? Wieder so ein Punkt, wo es für mich ein wenig nach Vertröstung klingt. Es ist auch nicht wie bei uns in Deutschland, dass man einfach in die Veranstaltung geht, sich das anhört, ein bisschen was liest und das war es. Nein, hier bekommt man richtig Hausaufgaben auf. Ich muss zum Beispiel für nächste Woche ein 4seitiges Paper schreiben, ein Fachbuch gelesen haben und ein Symbol für mein Gottesverständnis mitbringen. Das mag jetzt noch alles gehen, aber ich mache mir etwas Sorgen darüber, ob ich das auch noch schaffen werde, wenn denn irgendwann mal das Praktikum angefangen hat. Klar sagt hier jeder, dass von mir nichts erwartet wird, weil ich am Ende keine Noten bekomme, aber ich möchte mich auch nicht in diesen Kurs setzen und nichts machen. Die Teilnehmer dort bezahlen an die 5000 $ und ich bekomme das umsonst. Ich will nicht, dass es am Ende heißt, die Deutschen wären faul und undankbar. Tja und so gestalte ich meinen Alltag mit warten und Unihausaufgaben. Ich habe in den letzten Wochen auch zwei jüngere Kanadier kennen gelernt: Amy (Doktorantin,26) und Bradley (Priesteramtskandidat, 22). Wir versuchen jetzt öfter etwas zu Dritt zu machen, weil auch die beiden zur Zeit fast nur ältere Bekanntschaften haben. So bin ich Freitagabend zum Beispiel bei Amy zu einer Hausparty eingeladen. Mal sehen, da lassen sich vielleicht noch weitere Kontakte knüpfen.
Ansonsten gehe ich ab und zu noch mit Flavie ins Fitnessstudio und schaue mir immer mal einen anderen Teil der Stadt an, war in den letzten Wochen zweimal im Kino („Eat,Pray,Love“ nur zu empfehlen!) und Montagabend in der Oper („Turandot“). Es sind eben kleine Dinge, die ich mir täglich einfallen lasse, um die Zeit bis zum Praktikum zu verkürzen. Vielleicht fragen sich viele von euch, warum ich nicht einfach verreise. Das Problem dabei ist, dass ich nicht wusste, wann es wirklich losgeht. Wie gesagt, ich bin die Letzte, die etwas mitbekommt und ich bin letzte Woche noch davon ausgegangen, dass ich diese Woche in die Schule darf. Und ich möchte auch nicht Reisen planen, solange ich noch keine Details über das Praktikum habe, z.B. wielange ich tägliche arbeite, ob die Möglichkeit für freie Tage besteht usw. Dass es sich solange hinzieht, hätte ich nicht gedacht...

Naja, wie ihr seht, ist es momentan für mich nicht ganz so einfach, auch wenn ich in einem wunderschönen Land sitze. Ich hoffe aber, dass sich bald etwas ändert, sehr bald. So langsam wird es hier auch Herbst und die Blätter färben sich. Bis zum Indian Summer dauert es aber noch ein wenig. Jetzt am Wochenende fahre ich mit Flavie in ihre alte Heimatstadt Quebec City. Es ist die älteste Stadt in Nordamerika und deswegen für Europäer wohl eine der schönsten Städte Kanadas. Ich werde sehen, ob sich das bestätigen lässt. Sicherlich schreit auch das Wochenende nach einem Blogeintrag. Ich versuche hinterher zu sein, wie ihr seht. Aber ich möchte auch keinen Eintrag tippen, wenn ich gerade nicht gut drauf bin. Irgendwie liest man das ja doch raus...

So dann fühlt euch alle, die ihr das lest, von mir gedrückt und drückt wiederum mir die Daumen für Montag. Ich denke sehr viel an Jena und an meine Freunde und Familie und was ihr jetzt alle so treibt. Für alle, die mich im Skype haben: immer wenn ich online und mein Status auf grün ist, bin ich auch skype-bereit. Dann bitte einfach anskypen! Lasst es euch gut gehen!
Grüße aus dem langsam herbstlichen Kanada

3. September 2010

Tage beim Cottage 03.09.2010 und 11.09.2010


Den Donnerstag nutzte ich nun dennoch zum Kofferauspacken und Sachenwaschen – ich erinnere, die Sachen waren immer noch voller Butter! Und ich versuchte mich ein wenig an dieses große Haus zu gewöhnen. Ehrlich gesagt, habe ich in Deutschland zwar nicht den besten Orientierungssinn besessen, aber mein Orientierungssinn hier ist eine Katastrophe! Ich habe mich wirklich in diesem Haus verlaufen. Ein gesonderter Blogeintrag mit Bildern vom Haus wird noch kommen. Momentan wird nämlich die Küche im Erdgeschoss renoviert und alles ist etwas chaotisch, da will ich ungern Fotos ins Internet stellen.
Naja, am Freitag war ein aufgrund des schönen Wetters ein Ausflug zur Hütte der Gemeinschaft des Hauses geplant. Gegen 11 Uhr fuhren wir los, 45 min sollte die Fahrt dauern. Wir fuhren in die Provinz Quebec, die direkt an Ottawa grenzt. Allein die Landschaft, die während der Fahrt an uns vorbei zog, war traumhaft. Ein paar Berge, viele Wälder, Felsen und der Ontarioriver direkt neben der Straße. Wir hielten noch an einem kleinen Supermarkt um dort Essen für den Abend zu kaufen, natürlich sollten wir mal wieder Barbeque machen. Der Markt war zwar kleiner als Supermärkte, die es zum Beispiel in Ottawa gibt, aber er war super ausgestattet. Wie es sich für eine französische Provinz gehört, gab es dort ein riesige Käseregal und eine große Auswahl an frischgebackenen Baguettes. Also beschlossen wir zum Mittag ein frisches Baguette und verschiedenen Käse mitzunehmen. Peter hatte mich darauf hingewiesen, dass je schlechter die Straße werden würde, desto näher kämen wir an die Hütte. Und genauso war es auch. Am Ende fuhren wir wirklich Waldweg über Laub und Äste und mussten das letzte Stück sogar laufen, weil ein umgeknickter Baum den Weg versperrte. Diesen hatte Peter ein paar Minuten später mit der Motorsäge aus dem Weg geräumt, während wir Frauen die Gartenstühle und einen kleinen Tisch an den See stellten. Ja an den See.... ich habe selten so einen Flecken Erde gesehen. Die Hütte befindet sich am Ufer eines großen Sees, der Manitu genannt wird, also großer Geist oder eben Gott. Der See lag ruhig und war dunkelblau. Drumherum nur Wälder und Felsen und vereinzelt andere Hütten. Während in Deutschland dieser See sicher schon von Touristen überrannt und mit Hütten am Ufer bombadiert worden wäre, waren es hier maximal 5 Häuser, die ich an den anderen Ufern erkennen konnte. Es war ruhig und ein wenig windig und wun-der-schön!!! So saßen wir eine Weile und machten Mittagspause und beschlossen einen faulen Tag zu haben. Also schnappte ich mir mein Buch und las. Peter und Flavie versuchten währenddessen am Rande des Sees einen Weg ins Wasser zu bahnen, da der Algenbefall durch den niedrigen Wasserstand in diesem Jahr doch relativ groß war. Und dann gings ins Wasser, ja ich war baden! Ich lasse es mir doch nicht entgehen in einem kanadischen See zu schwimmen. Das Wasser war angenehm frisch, nicht zu kalt und zu warm und ich hätte ewig drin bleiben können, wenn meine Kondition mitgemacht hätte. Die tiefste Stelle des Sees misst 30m und im Winter kann man sogar beobachten, dass der See ein paar kleinere Geysire hat, so Peter. Tja und als ob das Im-Wasser nicht gereicht hätte, folgte auch das Auf-dem-Wasser, denn die Hütte beherbergt unter anderem ein Kanu. Also fuhren Peter und ich eine „kleine“ Runde über den See. Glücklicherweise hatten wir das relativ früh gemacht. Als wir wenig später wieder am Ufer saßen, zogen sich doch allmählich Wolken zusammen und bald schon musste wir in die Hütte flüchten, während es draußen wie aus Eimern goss. Das war im Übrigen gut für alle die, die in den letzten Tagen eine Karte von mir bekommen haben, denn bei dieser Gelegenheit hab ich mich allen Postkarten gewidmet, die ich bis dahin gekauft hatte. Ich arbeite also fleißig am Vorsatz, jedem eine zu schreiben.
Später bereiteten wir noch das Abendessen in der Hütte vor. Ich muss zugeben, dass diese Hütte super ausgestattet ist: 3 Schlafzimmer, dazu die Sofas im Wohnzimmer.. insgesamt können da bis zu 12 Leute komfortabel schlafen. Dazu die Küche mit Herd, Kühlschrank, Mikrowelle und einer Wasserpumpe. Und dazu die volle Aussicht vom Wohnzimmer auf den See. Später hörte es auch auf zu regnen und über den Wäldern des Sees stiegen die Nebelschwaden auf. Ich konnte mich daran nicht sattsehen und habe unzählige Fotos geschossen. Als dann noch die Sonne dahinter unterging, musste ich darüber nachdenken, dass das einer der einmaligen Momente sein wird, an die ich mich nach dem halben Jahr erinnern würde. Dieser Abend auf dem Steg mit den in orange getauchten Nebelschwaden über den Wäldern Kanadas. So stelle ich mir einen Kurzurlaub vor.
Auch als wir eine Woche später ein zweites Mal dort waren, dauerte es nicht lange, bis ich den ganzen Alltag hinter mir gelassen hatte (Achtung ich schreibe nun über den 2. Besuch der Hütte eine Woche später!). Diesmal waren wir dort nicht alleine. Peters Nichte Michelle und ihre Familie hatten 2 Nächte in der Hütte verbracht und wollten über das Wochenende mit nach Ottawa kommen. Dieser Tag war allerdings ein typischer Septembertag in der Umgebung Ottawas: sehr sonnig und warm, wenn der Nordwind nicht gewesen wäre. Durch den war es leider zu kalt um nochmal schwimmen zu gehen, obwohl alle weiblichen Anwesenden optimistisch ihren Badeanzug mitgebracht hatte. Naja, aber so saßen wir drei Frauen (Flavie, Michelle und ich) an diesem Freitag am Ufer und quatschten, während die Männer (Jeff-Michelles Mann, die beiden Söhne und Peter) auf den See fuhren um zu angeln. Eigentlich sollte es Fisch geben und wir hatten extra Steaks gekauft, denn wenn man welche kauft, dann fängt man auch was; wenn nicht, geht meistens nichts an die Angel. Tja diesmal war es wohl genau umgekehrt, denn die Männer kamen ohne Fisch zurück und so gab es wieder ein ausgiebiges Barbeque mit Maiskolben und Kartoffel, Salat und Pilzen. Zwischendurch führte mich Peter ein Stück in den Wald hinter der Hütte – der erste Besuch großer kanadischer Wälder! Er zeigte mir, was Biber hier so alles anrichten können (da musste ich natürlich an das letzte Patfest denken – liebe Grüße an die KSG :)) und wie hoch und dicht dort alles wuchs. So ein wenig erinnerte mich das an den heimischen Thüringer Wald, nur war um ehrlich zu sein, das Licht hier irgendwie anders. Vielleicht kann man das auf den Fotos etwas erahnen. Wir liefen bis zur nächsten Hütte und von dort wieder zurück. Auf dem Rückweg ließ ich Peter vorgehen um die Natur noch etwas alleine genießen zu dürfen und Gedanken schweifen zu lassen – super Platz dafür!!! Wobei wie gesagt in Erinnerung an zuhause, doch etwas Heimweh aufkam. Auch an diesem Freitag ging die Sonne wunderschön hinter den Wäldern des Sees unter und es war Zeit nach Ottawa zurück zu fahren.

1. September 2010

Ein Wochenende in Watford - Abreise und Besuch der Niagarafälle

Gut, bevor ich den letzten Tag des langen Wochenendes schildere, möchte ich wenigstens mal ein paar aktuelle Worte schreiben. Es tut mir Leid, dass ich mit schreiben nicht so ganz hinterher bin, aber in den letzten Tagen gab es viel Organisatorisches zu erledigen. Die Texte werden bis auf Ausnahmen sicher auch kürzer werden, da die ersten Tage wirklich vollgestopft von Erlebnissen waren. Mir geht es soweit gut, wenngleich ich nicht leugne etwas Heimweh zu haben und Euch wirklich zu vermissen. Gut soweit dazu...

Der Abfahrtstag begann für mich relativ früh, weil ich noch einmal die Felder in der Morgensonne fotografieren wollte und Karren einen letzten Besuch abstatten musste.

Nachdem ich mich nochmals ausgiebig vom Coffeeshop und Karren und der kleinen Stadt verabschiedet hatte, wurde im „Basislager“ ein letztes Frühstück eingenommen, natürlich Bacon and Eggs. Dann gab es noch schnell ein Gruppenfoto mit Add und Rita und das Versprechen, dass wir uns vor meinem Rückflug nochmal sehen würden. Koffer ins Auto und los ging´s. Diesmal Richtung Niagarafälle! Wow, werden jetzt sicher einige von euch denken... *hüstel* okay, da an diesem Tag nicht allzu viel passiert ist, würde ich gerne kurz etwas erwähnen. Es gibt einen guten Grund, mich nicht zu beneiden und manch einer wird diesen sicher nachvollziehen. So gut es mir hier in Kanada geht und so lieb alle zu mir sind, es gibt eine Sache, die absolut störend war und zeitweise noch ist. Sowohl Peter als auch Flavie sind, man kann es schon als solches bezeichnen, Kettenraucher. Vor allem in Gesellschaft rauchen die beiden gerne und viel. Ich will an dieser Stelle sagen, dass ich nichts gegen Raucher habe, wirklich nicht. Aber wenn man einen ganzen Tag mit Rauchern in einem Auto sitzt und auch permanent dort geraucht wird, naja, dann vergeht vor allem mir die Reiseluft.. äh -lust. Da es in Kanada nicht erlaubt ist, in öffentlichen Einrichtung, Bars und Kneipen zu rauchen, wird eben häufig ins Auto ausgewichen oder ins eigene Haus. Ja leider raucht Peter auch im Haus... Naja bis zu diesem Tag. Die Hinfahrt war für mich nicht wirklich schön in DIESER HINSICHT, aber unhöflich wollte ich nicht sein. Dennoch musste ich auf der Rückfahrt etwas sagen, da all meine Sachen nach der Fahrt wie ein Aschenbecher rochen. Seitdem versuchen beide sich in meiner Gegenwart zurück zu halten, wofür ich sehr dankbar bin. Aber wie gesagt, es gibt Gründe mich nicht zu beneiden!

Nach vier Stunden Fahrt kamen wir bei den Niagarafällen an und ich war wirklich wirklich gespannt. Die Fälle sind immerhin eine der populärsten Attraktionen Nordamerikas. Also stieg ich aus dem Auto voller Erwartungen... und da, da waren sie... diese diese... diese.... großen Mengen an Wasser, die einen Abhang runterfallen... Nein, jetzt mal Ernst. Es war schon ziemlich beeindruckend, dennoch muss ich ehrlich zugeben, dass um die Wasserfälle für mich ein viel zu großes Spektakel gemacht wird. Aber mal davon abgesehen, so war es doch ein sehr schönes Bild. Es waren immerhin um die 33 Grad und strahlender Sonnenschein, sodass durch den Dunst der Wasserfälle eine Menge Regenbögen entstanden. Die Niagarafälle unterteilen sich ja in die amerikanischen und kanadischen, da die Grenze der beiden Länder direkt durch diese verläuft. Die kanadischen Fälle sind bekanntlicher Weise die schöneren, weil sie zum einen größer sind und zum anderen die auf allen Postkarten zu findende U-Form bilden. Die Niagarafälle auf Seiten der U.S.A. sind schmaler und durch keine besondere Form ausgezeichnet, dennoch sind sie schön, das will ich nicht bestreiten. Wir liefen also etwas an den Niagarafällen entlang und ließen uns bei etwas Wind den erfrischenden Dunst ins Gesicht sprühen. Nach einer Stunde hatten wir aber genug gesehen und ganz unter uns, länger braucht man für dieses Unternehmen nicht. Also stiegen wir in Auto und fuhren los. Ich bin froh da gewesen zu sein, denn man sollte die Niagarafälle, wenn man schon mal in Kanada ist, gesehen haben. Ich würde es auch jedem empfehlen, wenn er „in der Nähe ist“ dort mal vorbei zu schauen, aber nochmal dorthin fahren, würde ich nicht unbedingt. Denn es ist nunmal eben „nur“ eine Menge Wasser, die einen Abhang hinunterfällt.
Ansonsten verlief der Tag relativ unspektakulär. Wir fuhren über den Highway, der direkt durch Toronto verläuft nach Hause, standen 3 Stunden zur Rush-Hour im Stau und hatten am Ende des Tages 850 km zurückgelegt. Ich war froh wieder in Ottawa zu sein, wenngleich ich diese erste Woche als eine ungemeine Bereicherung erlebt habe. Aber nun wurde es so langsam Zeit sich mal einzuleben. Wobei Peter die Gelegenheit dazu noch ein wenig hinauszögern wollte...