30. August 2010

Ein Wochenende in Watford - Montag

Sonntagabend hatte Ad noch davon gesprochen relativ früh zum Coffeeshop in die Stadt fahren zu wollen, in Anbetracht der Tatsache, dass SEHR VIEL für Montag geplant war. Ich dachte mir: hey ein richtiger nordamerkanischer Coffeeshop in dem jeden Morgen die Tracker frühstückten und die Bedienung sicher jeden Kunden in und auswendig kannte – da muss ich gewesen sein. Also stand ich um 6 Uhr auf und trottete voller Erwartung um halb sieben in Watfords kleinen Coffeeshop. Und es war genauso wie ich es mir vorgestellt hatte. Ich wollte ja eigentlich nicht mehr mit Klischees arbeiten, aber das erfüllte mal sowas von einem amerikanischen Coffeeshop. Alles so wenig im Stil der 50er Jahre gemacht, ein langer Tresen, vollkommen verschiedene Tassen (die eine oder andere mit lustigem Spruch drauf), vereinzelt sitzende alte und ältere Männer mit Bart und Frauen in roten Poloshirts mit der Aufschrift Mary´s Drugstore. Und die Bedienung, eine Dame namens Karen bereitete sofort, wenn ein Gast das Lokal betrat, das zu was derjenige bestellen WÜRDE. Erstaunlich und doch so überraschend typisch! Ad und ich tranken also unseren Kaffee, lasen etwas Zeitung und unterhielten uns mit Karen. Dann ging es wieder nach Hause, wo Rita schon mit dem Frühstück auf uns wartete. Ein ordentlicher Farmer braucht ein ordentliches Frühstück und so gab es ganz typisch Eggs und Bacon dazu frische Tomaten aus dem Garten und Erdbeermarmelade mit Toast. Tja und dann.... ihr werdet nie erraten, wie mein weiterer Tag verlief. Wir fuhren wieder über Ads Felder und in den kleinen Wald. Und da... ja da fällten wir dann einen Baum. Das klingt vielleicht noch nicht so spektakulär, aber dazu sei auch gesagt, dass wir es auf ganz altmodische Art taten – mit einer ganz normalen Säge. Das ist selbst zu zweit echt wahnsinnig anstrengend! Und weil Peter uns Frauen helfen wollte, legte er die Kameras weg (so typisch Mann: die Frauen dürfen arbeiten und die Männer schauen zu ;) ) und sägte mit. Als der Baum dann fiel, hatten wir die Kameras so gut wie vergessen und erschraken uns umso mehr als wir diese einen knappen Meter neben dem gefällten Baum lagen sahen – ups! Nachdem wir also unsere Arbeit im Wald verrichtet hatten, schickte uns Ad aufs Feld. Ja, aufs Feld! Und da wurde dann eben mal auf ganz altertümliche Art der Weizen geerntet. Die Sense selbst hing eigentlich schon als Ausstellungsstück in Ads Wintergarten, wurde aber für uns extra geschärft. Ehrlich gesagt, hat mir das sogar richtig Spaß gemacht und so senste ich den Weizen 40m weit. Dann ging es mit dem Quad zurück zum Haus. Diesmal durfte ich sogar fahren, allerdings mit der Bemerkung, dass ich bitte daran denken solle, dass wir nicht auf deutschen Autobahnen sind. Zum Mittag essen die Kanadier meistens nichts Großes. Bei Rita gab es eine kleine Schale Suppe und eine Scheibe Brot, dazu Obst. Woanders bekommt man meistens ein Sandwich oder ähnliches.
Der Nachmittag wurde zwar von der älteren Generation mit einem Schläfchen eingeleitet, sollte aber vollgepackt sein. Zuerst ging es zu einer riesigen Farm, auf der vor allem mit Ziegenmilch und -käse gewirtschaftet wird. So fanden wir da um die 500 Ziegen, die täglich zweimal gemelkt werden müssen.

Dazu gab es einen kleinen Hasenstall mit Babyhasen (3 Wochen, schon mit Fell), von denen ich einen ein paar Minuten in den Händen halten durfte. Danach war er allerdings ziemlich fertig und schlief gleich wieder im Käfig ein. Ist schon aufregend, wenn eine Deutsche einen zum ersten Mal in den Händen hält.. ;)
Außerdem gab es da Hühner, Kühe und einen riesigen Hund, der am liebsten Walzer mit einem getanzt hätte, sooft wie er an den anderen hochgesprungen ist. Dann fuhren wir zum Originalort des Buches Onkel Toms Hütte, was heutzutage ein Museum ist. Naja, ein Museum im amerikanischen Stil – viel anfassen, wenig lesen, da fühlte ich mich doch etwas unterfordert. Im Anschluss ging es dann zu den ältesten Ölfeldern Nordamerikas, wo das Öl immer noch mit den gleichen Pumpen transportiert wird, die bei der Entdeckung des Öls angebaut wurden.
Auf der Heimfahrt kamen wir nochmals an einigen Menonitenfarmen vorbei und weil viele von ihnen einen Straßenverkauf hatten und ich gerne mal frischen Mais vom Kolben essen wollte, hielten wir kurzfristig an. Das Abendessen war somit sehr gemüsereich und superlecker! Der Mais schmeckte wirklich gut, es ist eben doch etwas ganz anderes, wenn man ihn frisch bekommt und selbst (!) zubereitet. Ich habe sogar alle Würmer entfernt – gutes Bioprodukt also! ;)
Und als ob das nicht genug für einen Tag gewesen wäre, wurde mir abends noch ein Wunsch erfüllt. Ein Bruder Peters, der ebenfalls Peter heißt (man fragt sich wieso) hat eine Ranch mit 7 Pferden. Da fuhren wir hin und ich ritt zusammen mit den Sandersbrüdern eine Stunde lang dem Sonnenuntergang entgegen. Es war wirklich unglaublich, wie sehr sich alle um mich bemühten. Und immer wieder wurde betont, dass ich jede Erfahrung mitnehmen sollte, die sich mir eröffnen würden und in Watford sollten das eine Menge sein.

1 Kommentar:

  1. Was für einen Abendteuer!! Gebannt habe ich deine Zeilen verfolgt und dachte nur, "man, ist das geil!". Zwar kenne ich die quadratischen Felder, schwarze Eichhörnchen und stinkendes Duschwasser (was hab ich das gehasst), aber Baumfällen, Häschen, rießen-Familien-Feier, usw. konnte mir nicht geboten werden. Es freut mich, dass du so viel erlebst und sofort integriert wirst! Da fällt mir ein, ja, das "langsame" Autofahren kenne ich auch. Als ich mit einer anderen Deutschen mal ein Auto auslieh, missachteten wir auch grundsätzlich die Tempolimits...sonst kommt man ja nicht voran ;-)
    Ich bin gespannt, wann bei dir der Alltag einsetzt. Pass auf dich auf und genieß die schöne Zeit!! Bin echt neidisch =)
    *drück* Masu

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