22. Januar 2011

Chicago – hohe Häuser, große Museen und seltsame Nachbarschaften

In Chicago durften wir in einem Haus der Priests of Sacred Heart unterkommen. Jedoch unterschied sich dieses von dem, in dem ich in Ottawa gewohnt hatte bei weitem. Es war zunächst einige Quadratmeter größer und es leben dort viel mehr Priester, Brüder und solche, die es werden wollen. Jörg und ich wurden richtig freundlich von Bruder Duane begrüßt, der uns das Haus mit großer Gemeinschaftsküche, moderner Kapelle, Fernsehraum, Tischtennisraum, Bibliotheken, Computerraum und vielen Schlafräumen. Einer davon war unserer. Und zu diesem hinzu bekamen wir eine eigene Küche, ein eigenes Esszimmer, Wohnzimmer, Bad, 2 weitere Schlafzimmer und einen Eingangsbereich. Uns beide haute es ziemlich von den Socken, hatten wir doch eigentlich nur nach einem Bett verlangt. Dazu gab es einige Sahnehäubchen: ein Schild an unserer Tür mit unseren Namen, eine Flasche Wein und Snacks zur Begrüßung, die Einladung uns an jedem Kühlschrank im Haus bedienen zu dürfen und die Freundlichkeit aller Hausbewohner. Jörg und ich waren uns einig, dass es als Dankeschön hier mehr als dem Ahornsirup geben sollte, immerhin bezahlten wir als Freunde des Hauses nichts.
Wir unterhielten uns noch lange mit Duane, der uns einige Karten und viele Infos, was an Chicago sehenswert sei und wo man gut essen gehen könnte. Oh ja, fast vergessen: es war ja Silvester und wir beschlossen in dem neuen asiatischem Restaurant um die Ecke schön essen zu gehen und auf Empfehlung Duanes später am Hafen das Feuerwerk anzusehen. Als wir von unserem Dinner wiederkamen, machten sich die Herren des Hauses gerade auf den selben Weg und Duane fragte uns spontan, ob wir nicht doch noch Lust auf ein Dessert hätten. So gingen wir also mit Verstärkung zum Asiaten zurück und genossen beide einen Drink und ein Stück Kuchen. Bezahlen durften wir es selbst nicht – das wollte Duane machen. Wir waren begeistert!
Gegen Mitternacht machten Jörg und ich uns mit dem Gemeinschaftsauto (welches uns ebenso selbstverständlich angeboten wurde, unfassbar!) Richtung Hafen auf. Blöder weise hatte halb Chicago die gleiche Idee und einen Parkplatz zu finden war, so gut wie unmöglich. Die einzigen Plätze, die wir fanden, waren weit vom Hafen entfernt und meist in Hinterhöfen, in denen ich mein Auto nicht mal tagsüber hätte parken wollen. Zudem kosteten diese meist noch horrende Preise. Wir beschlossen uns hinter die Einheimischen zu klemmen und fuhren mit dem Strom am Hafen entlang. Gegen Mitternacht wurde ich unruhig, weil ich eigentlich Silvester gerne ohne hupen und mit Countdown und einem Glas Sekt in der Hand erleben wollte. Es kam allerdings anders. Kurz vor zwölf, wir waren immer noch auf der Straße neben dem Hafen, stoppten mit einem Mal alle Autos auf den zwei Spuren, die am nächsten zum Hafen lagen und schalteten die Warnblinkanlage an. Jörg sagte nur „Ich glaube es ist jetzt zwölf.“, dann fuhren wir ebenfalls rechts ran und stiegen wie viele andere aus dem Wagen. Es war seltsam so ohne Countdown, ohne Familie, ohne Sekt und immer mit dem Blick aufs Auto. Wir standen eine Weile, schauten dem Feuerwerk zu, welches relativ klein war, und setzten uns dann wieder ins Auto um in unserer Suite wenigstens den Sekt nachzuholen.
Die folgenden Tage waren vor allem museumsreich. Jörg hatte mir zu Weihnachten einen Citypass für Chicago geschenkt. Tolle Sache: hiermit konnten wir die 4 größten Museen der Stadt besuchen, ohne dafür anzustehen. Ebenso war darin der Ausblick vom höchsten Gebäude Amerikas enthalten. So gingen wir am ersten Tag des neuen Jahres, welcher sich für mich wie jeder andere auch anfühlte, ins Aquarium der Stadt. Dort sahen wir gleich die ersten Vorteile des Citypass, denn die Schlange für die Eintrittskarten war wirklich lang. Wir sahen, ganz kleine Fische, riesengroße Fische, sehr sehr hübsche Fische und wirklich eklige Fische. Es gab alles: Wale, Pinguine, Delphine, Hammerhaie, Katzenfische, Korallen, Riesenschildkröten und einen Seestern-Streichelzoo. Das Aquarium war riesig und wir nahmen uns genug Zeit, sodass wir im Anschluss aber leider viel zu spät für ein weiteres Museum waren. Wir beschlossen, noch ein wenig spazieren zu gehen, was allerdings bei der Kälte (- 5 Grad) eher in einen Stechschrittlauf ausartete. Wir aßen noch einen Bagel Downtown und wollten dann mit der Straßenbahn wieder nach Hause fahren. Was wir an diesen Abend nicht wussten, war, dass es in Chicago zwei Straßenbahnsysteme gab. Wir stiegen bei der erstgefunden Station in eine Bahn, die laut Auskunft nicht weit weg von unserer Straße halten würde. Uns fiel auf, dass nach ein paar Stationen nur noch farbige Menschen in der Bahn saßen. Als unser Halt kam, stiegen Jörg und ich mit ziemlich mulmigen Gefühlen aus. Es sollte aber noch schlimmer kommen. Die Gegend unserer Haltestelle sah zum Einen nicht wie unsere Wohngegend aus, zum Anderen mangelte es an Straßenlaternen und an weißen Menschen. Es war unheimlich und wir wussten jetzt schon, dass wir hier NICHT richtig waren. Wir gingen dennoch tapfer den Weg zu unserer, den wir als kürzesten erachteten. Leider führte uns dieser in eine absolut dunkle Straße, wo rechts und links nur alle paar Meter mal ein Haus stand, welches aber auch nicht sehr ansehnlich wirkte. Obwohl es dunkel war, hatte ich das Gefühl, dass die Leute hinter den Scheiben nach uns sahen. Ich bekam so langsam Angst. Jörg versuchte auf seinem Navi uns ausfindig zu machen. Zwei Autos fuhren an uns vorbei, in beiden saßen farbige Menschen und ich meine nicht die von der Sorte „Obama“. Hinter uns lief jemand, wir drei waren weit und breit die einzigen auf der Straße. Plötzlich sagte Jörg „Ich glaube, wir müssen zurück. Die Straße geht da vorne nicht weiter.“ Ehrlich gesagt, ich war innerlich panisch. Ich wollte nicht umdrehen und diese seltsame Straße zurück laufen, aber wir mussten. Wir überquerten zumindest die Straßen um dem Typen hinter uns nicht direkt über den Weg zu laufen. Da hielt mit einem Mal ein Auto, ein farbiger junger Mann stieg aus und lief genau auf unsere neue Straßenseite. Er lief auf ein Haus zu und machte sich dort an irgendetwas zu schaffen. Es sah nicht so aus, als werfe er Post ein und als er bemerkte, dass wir auf ihn zukamen, hielt er inne und starrte uns an. Jörg und ich wechselten reflexartig erneut die Straßenseite, auch wenn wir wussten, dass uns das als ängstlich outen würde. Da ich nicht länger ein Risiko eingehen wollte, rief ich sofort Duane an und sagte ihm, dass wir nicht so wirklich wüssten wo wir seien. Er fragte nach der Straße, auf der wir uns befanden und der nächsten kreuzenden, danach sagte ich ihm, dass wir dem Navi folgen würden, aber ich ihn nochmal anrufen würde, wenn wir uns vollkommen verloren vorkämen. In diesem Moment bogen wir in eine etwas mehr beleuchtete und belebtere Straße ein. Ein paar Blöcke weiter hupfte und winkte jemand auf der anderen Straßenseite. Es war Duane! Zunächst sagte er garnichts und wir erzählten ihm, dass uns die Gegend relativ gruselig vorgekommen war. Dann sagte er uns, dass er unsere Position gegooglt hatte, daraufhin sofort seinen Mitbruder angerufen hatte, sodass Duane fahren und dieser nach uns Ausschau halten konnte. Uns wurde mit einem Schlag klar, dass wir mit unserem Gefühl Recht hatten. „Es ist nicht die gefährlichste Gegend Chicagos, aber sicherlich auch nicht die beste für weiße Leute, wenn es dunkel ist.“, so Duane. An diesem Abend gingen wir nicht mehr raus, sondern verbrachten ein paar Stunden gemütlich mit den Brüdern vorm Fernseher. Von da an, war eine unserer ersten Fragen bei neuen Unterkünften immer, ob es Gegenden gab, die man meiden sollte.
Die nächsten Tage verbrachten wir immer sicher umgeben von anderen Touristen beim erkunden des Uni-geländes, im „Wissenschafts- und Industriemuseum“, im Planetarium, beim Sightseeing in der Stadt und auf dem höchsten Gebäude der U.S.A., dem Willis Tower. Wir frühstückten im Haus und abends gingen wir meist essen. Bis auf den zweiten Abend war der Aufenthalt in Chicago ein toller Auftakt zum Rest unserer Reise.

16. Januar 2011

Kleiner Vorgeschmack und kurzer Gruß

Liebe Grüße aus New York, das wir heute leider schon wieder verlassen mussten. Jetzt heißts: Montreal, wir kommen. Die nächsten Reiseberichte sind schon getippt.

14. Januar 2011

Die Reise beginnt

Unser erstes Ziel sollte Chicago sein. So packten wir am 30. morgens unsere Taschen und fuhren gegen Mittag mit dem Greyhound (dem kanadischen/amerikanischen Überlandsbus) los. Die Fahrt sollte 22 Stunden dauern und dreimal umsteigen beinhalten, was eine Menge Erlebnisse versprach. Der erste Abschnitt führte uns nach Toronto, wo wir anderthalb Stunden Aufenthalt hatten uns so beschlossen noch gemütlich einen Kaffee zu trinken. Es war gegen sechs Uhr abends. Wir verließen unseren Bus und lächelten ein wenig über den Andrang an Menschen, die für den Bus nach New York City anstanden, um dort wohl Silvester zu verbringen. Es waren um die 200 Menschen. Mit dem Gedanken, nur nach Buffolo zu müssen, tranken wir im Stationsgebäude unseren Kaffee. Sei es Eingebung oder etwas anderes, Jörg fragte bei der Information nochmals nach unserem „Gleis“. Da zeigte die Dame auf die Schlange für den NYC-Bus, die inzwischen noch länger geworden war und sagte, dass das unser Bus sei. Dieser machte nämlich Zwischenhalt in Buffolo und würde uns dort abladen. Bei Greyhound ist es zwar so, dass sobald ein Bus voll ist, das Unternehmen einfach einen nächsten schickte, aber anhand des Andrangs war uns schnell klar, dass es hier mehr als zwei oder drei Bussen bedarf. Wir stellten uns dennoch ganz brav hinten an und hofften das Beste. Und wirklich: Greyhound hielt sich nicht mal mehr an die Abfahrtszeiten. Eine gute halbe Stunde bevor wir eigentlich gefahren wären, kam der erste Bus um die Ecke, wurde mit Menschen und Gepäck beladen und fuhr los. Ein zweiter kam gleich hinterher. Die Schlange wuchs und wuchs und war zu dem Zeitpunkt, als wir endlich in einen Bus (den mittlerweile Dritten) betraten, dreimal so lang wir zu Beginn.
Die Fahrt nach Buffolo war also ziemlich beengt, aber immerhin gab es freies W-Lan und Strom im Bus, sodass wir kurz Emails und Wetter checken, konnten. Auf dieser Strecke kamen wir ebenfalls an den Niagarafällen vorbei, die im Dunkeln ebenfalls sehr schön wirkten. Dort war auch die Grenzüberfahrt geplant. Das hieß für uns Passagiere: raus aus dem Bus, alles an Gepäck geschnappt, was man mitgenommen hatte und dann auf die Kontrolle warten. Es war gegen Mitternacht und die meisten waren ziemlich müde. So war es weniger schön nun auch noch mit Fragen durchlöchert zu werden: „Wo kommen Sie her?“ „Was machen Sie in den USA?“ „Wann verlassen Sie das Land wieder?“ „Haben Sie Drogen bei sich?“ „Warum sind Sie hier?“ usw... Ich hatte eigentlich Glück und wurde schnell aus dem Verhör entlassen, musste aber mein Gepäck öffnen, da der Ahornsirup für die Beamten im Ultraschall mächtig nach einer gefährlichen Substanz aussah. Jörg wurde dagegen länger befragt und musste zweimal Fingerabdrücke abgeben anstatt nur einmal, was uns ziemlich verwunderte. Wir kamen aber mit all unseren Sachen heil in Buffolo an, wo wir in den Bus Richtung Cleveland stiegen. Clevelands Busstation sprach Bände über die Gegend selbst. Es war nun morgens um drei und durch das Gebäude lief ein ordentliches Polizeiaufgebot. Auch hier wurden nochmals unsere Taschen durchsucht, während wir in der Schlange auf unseren nächsten Bus warteten. Wir selbst wurden mit einem Detektor abgescannt, um sicher zu stellen, dass wir keine Waffen mit in den Bus nahmen. Die Angestellten hier waren alle farbig wie auch die meisten der Fahrgäste. Und leider ist es in Nordamerika immer noch so, dass Hautfarben meist einen „Klassenunterschied“ anzeigen. Vor allem in diesen Gegenden. Unsere letzte Fahrt hielt eine wirklich abenteuerliche Erfahrung für uns bereit. Nachdem wir ungefähr fünf Minuten waren, wunderten Jörg und ich uns, warum es so nach heißem Teer bzw. verbrannt roch. „Diese Amerikaner sind wirklich verrückt. Machen morgens um drei Uhr die Straße neu.“ sagte Jörg, als wir zufällig an einer Baustelle vorbei fuhren. Der Geruch verschwand aber nicht, sondern wurde stärker, penetranter und wir wurden immer stutziger. Nach weiteren fünf Minuten – Schreck – stellten wir im hinteren Teil des Busses, wo wir saßen, Rauch fest. Irgendetwas schien zu brennen. Wir saßen direkt über dem Motor und ich hatte schon die Bilder aus sämtlichen Actionfilmen im Kopf, wo Autos in die Luft flogen. Jörg sprintete zum Busfahrer, der auf dem Highway nun auf den Standstreifen fuhr. Er ging einmal um den Bus herum und behauptete dann, dass es wohl die Heizung wäre, die er nun vorerst ausschalten würde. Sollte es weiterhin qualmen, sollten wir uns nochmal melden. Das taten wir nach weiteren 10 Minuten Fahrt auch wieder, obwohl es nicht mehr qualmte aber weiterhin garstig stank. So rief der Busfahrer bei seiner Zentrale an, die ihm uns den Passagieren nun die Entscheidung überließ. Entweder wir konnten zurück nach Cleveland fahren, den Bus tauschen oder einfach weiterfahren. Wir wurden darauf aufmerksam gemacht, dass wir allerdings in Cleveland erst einen neuen Bus finden müssten, das komplette Gepäck umgelagert und die Leute neu eingecheckt werden müssten. Jörg und ich waren dennoch dafür zurück zu fahren – wir waren eben die Auf-Nummer-Sichergehen-Deutsche. Wir wurden aber schnell vom Rest des Busses überstimmt, der einfach so schnell wie möglich ankommen wollte. Meine Nerven waren überstrapaziert, was auch am Schlafmangel lag weswegen Jörg mir mindestens 20 mal versichern musste, dass wir heil ankommen würden. Nach etwa einer Stunde verging der Gestank (ich hatte schon geschlafen, während Jörg wachsam immer wieder Riechproben nahm), wir schliefen ein wenig und kamen gegen 10 Uhr morgens heil und dennoch sehr erledigt in Chicago an. Ein netter Taxifahrer brachte uns daraufhin zu unserer Unterkunft...

Erste gemeinsame Tage in Ottawa

… Die meisten von euch kennen uns wahrscheinlich gut genug um zu ahnen, dass wir so ziemlich jeden Outdoorladen Ottawas abgrasten und zwar innerhalb des ersten Tages. Gefunden hatten wir allerdings nichts. So gingen wir am zweiten Tag ein wenig Kultur nach und besichtigten das Parlamentsgebäude von innen. Natürlich hatte ich mir diese Sachen aufgehoben um die Führung nicht zweimal zu hören. Wir merkten bald, dass auch hier zu Amerika kaum ein Unterschied bestand, denn zunächst ging es ohne Schuhe und Gürtel durch die Sicherheitskontrolle. Nachdem auch unsere Taschen gut durchleuchtet wurden, durften wir eine ca. 20-minütige Führung genießen, die sagen wir ganz okay war. Was wollte uns die junge Dame auch viel erzählen – das Gebäude ist gerade mal gute 100 Jahre alt. Wir sahen alle Kammern und wurden ein wenig über das Regierungssystem Kanadas aufgeklärt, was mit seinen beiden Kammern dem britischen relativ nahe kommt. Das weitere Sightseeing dauerte nicht all zu lange, weil es erstens einfach nach circa drei Stunden laufen nichts Außergewöhnliches mehr zu zeigen und es zweitens doch ziemlich kalt war. So ging ich mit Jörg in mein Lieblingscafé, in dem ich sehr oft gesessen hatte und mir genau das vorstellte. Ebenso gingen wir noch ein wenig in der Gegend spazieren, in der ich bis Mitte Dezember gewohnt hatte. Die beiden Abende ließen wir eher ruhig angehen, kochten ein wenig was, weil Jörg doch noch etwas unter der Zeitverschiebung litt und auch schon am 30. Dezember unsere große Rundreise begann. Diese sollte gleich von Anbeginn an abenteuerlich, schön und abenteuerlich schön werden...

6. Januar 2011

Weihnachten in Kanada

Hallo an euch alle! Na, habt ihr die Feiertage gut überstanden?
Als kleines Geschenk von meiner Seite gibt es nun mal wieder ein paar Zeilen und einige Fotos ins Picasaalbum. Weihnachten war, sagen wir es mal so, im Großen und Ganzen ganz okay. Bis zum 24. Dezember selbst hatte ich eigentlich gar nicht realisiert, dass es Weihnachten war, immerhin stand kein Weihnachtsbaum im Wohnzimmer, meine Familie war weit weg und draußen schien bei blauem Himmel die Sonne. Erst als ich gegen 16 Uhr etwas Weihnachtsmusik laufen ließ und nebenbei mein Abendessen kochte, da wurde mir doch klar, dass es Heiligabend war. Da rollten dann doch einige Tränen...
Später war ich mit einer Freundin zur Christmette verabredet. Die Kirche war sehr gut besucht, wie das an Weihnachten nun mal so ist. Die Messe selbst war aber wirklich gut und ich war glücklich, dass sich diese Gemeinde mit den typischen Weihnachtsliedern eher zurückhielt. Sobald nämlich eines der Lieder kam, die wir durchaus auch in Deutschland gesungen hätten, kullerten bei mir die Tränen. Ich weiß nicht, was die Menschen um mich herum dachten, ich erntete allerdings einige mitleidende Blicke. Nach der Messe lud mich meine Freundin noch zum Familienempfang bei ihrer Oma ein. Es war schön, den Abend so nicht alleine zu verbringen, wenngleich es natürlich nicht die eigene Familie war. So endete der Tag relativ unspektakulär mit ein paar netten Gesprächen und ich war beim Einschlafen froh darüber, diesen Tag hinter mich gebracht zu haben. Am 25. Dezember wachte ich mit einer richtig fiesen Erkältung inklusive Halsschmerzen und verstopfter Nase auf und hatte die Befürchtung die Einladung Kerris an diesem Nachmittag ablehnen zu müssen. Wie auch schon an Thanksgiving war ich bei ihrer Mutter zum Truthahn-Essen eingeladen. Ich dachte mir aber: wenn schon nicht das deutsche Weihnachten, dann wenigstens das kanadische. Also hielt ich mich tapfer und saß am Nachmittag wieder bei Kerris Familie auf der Couch und genoß den Anblick eines Weihnachtsbaumes und den Duft des Vogels im Ofen. Die Kanadier laden zu Weihnachten meist noch Menschen außerhalb des engen Familenkreises ein und so kam es, dass auch Freunde der Familie und Kerris Stiefbruder da waren. Der Truthahn war natürlich köstlich und es gab auch einiges an Beilagen dazu. Vieles war genauso wie Thanksgiving: der Kartoffelbrei, der Rübenauflauf, Kürbisgemüse usw. Das was das Weihnachtsessen allerdings vom Thanksgivingessen unterscheidet, ist der „Meat-Pie“. Gehacktes wird mit ein wenig Gemüse in eine Kuchenkruste gepackt und in den Ofen geschoben. Das schmeckt leckerer als es klingt... Achja und zum Nachtisch gab es Schoko-Minz-Eis mit Plätzchen. Ebenfalls sehr lecker. Und zum Schluss gab es diese lustigen Knallbonbons, die man sonst nur aus dem Fernseher kennt. In meinem war, seltsamer Weise, ein Bierflaschenöffner und wie bei jedem anderen auch, eine Krone aus butem Papier und ein Witz.
Ich genoß den Abend in seiner Gemütlichkeit und fieberte nun langsam auf den 27. zu, an dem Jörg endlich nach Kanada kommen sollte.

Alles in allem habe ich Weihnachten also gut überstanden. Es war anders und nicht so intensiv wie es wohl in Deutschland gewesen wäre. Wenn die, die man liebt an solchen Tagen fehlen, dann hält sich die Feierlichkeit eben doch in Grenzen. Ich freue mich auf das nächste Jahr mit dem Weihnachten, das ich von klein auf kannte und das ich nach diesem hier noch mehr zu schätzen gelernt habe.

Ach ja, ein kleiner Nachtrag noch. Der 26. Dezember ist bei den Kanadiern traditionell der „Boxing Day“. An diesem Tag sind alle Geschäfte geöffnet, was dem besonderen Namen des Tages nun zweierlei Bedeutung verleiht. Zum Einen kommen viele Menschen in die Geschäfte, um ihre Geschenke (GeschenkBOXEN) umzutauschen. Zum Anderen haben fast alle Läden hochprozentig reduzierte Ware, da alle Weihnachtskollektionen und Sachen aus dem alten Jahr den Platz für die neuen Sachen räumen müssen. In den Einkaufshallen ist deshalb soviel los, dass es sogar oft zu Kämpfen (BOXEN) kommt.
Auch ich machte mich am 26. auf. Vor vielen Läden standen die Menschen Schlange um überhaupt hinein zu kommen und auch die Schlangen an den Kassen waren enorm lang. Noch wilder ging es auf den Highways zu, vor allem, wenn ein Einkaufszentrum in der Nähe war. Die Schlangen der Autos für das Parkhaus reichten meist bis auf die Highways. Ich machte aber die Erfahrung, dass man an solch einem Tag am besten gezielt einkaufen gehen sollte, denn schlendern war einfach nicht drin.

24. Dezember 2010

Frohe Weihnachten!

Hallo an euch alle! Wie geht es euch im verschneiten Deutschland?

Nun ist doch wirklich schon der 24. Dezember, Weihnachten. Ich habe den Blog in den letzten Wochen sehr vernachlässigt, tut mir Leid. Dafür gibt es nun ein umso längeres Update was ich im Advent so getrieben habe.

In den letzten Schulwochen war einiges los und Paul und ich steckten mitten in den Vorbereitungen für die "Christmas Hamper" (Weihnachtspakete) für bedürftige Familien der Schule. Dazu wurde vor Wochen im Kollegium nach Vorschlägen gefragt und natürlich hatten auch die Schulpsychologen und Paul selbst einige Schüler im Auge. So erstellten wir nach und nach Profile und kamen am Ende auf 72 Pakete. Bei den entsprechenden Leuten riefen wir natürlich vorher an, fragten, ob sie ein Paket haben wollen würden und auch was sie dieses Jahr besonders brauchen würden (Kleidung fürs Baby, Kosmetikartikel, Küchenutensilien - alles war irgendwie dabei.) Die Nachfrage ist, wie schon früher erwähnt, viel größer. Nachdem die Profile verschlüsselt wurden, sodass niemand die Familien erkennen kann, wurden sie in die Klassen gegeben. So hatte nun jede Klasse ein Paket zu packen, in das von uns vorgegebene Sachen kamen. In der letzten Schulewoche wurde diese dann von Lehrern ausgeliefert... und ich war froh, dass der Stress weniger wurde!
Am 2. Advent hatten Artemysia und ich ein großes Plätzchenbacken geplant. 4 Sorten sollten es werden und wir hatten jede Menge Spaß dabei und genauso viele Pannen. So war uns zum Beispiel nicht bewusst, dass der Ofen die Gradzahl in Fahrenheit anzeigen würde, weil Kanada eigentlich mit Celsium rechnet. Es war nur irgendwie komisch, dass das erste Blech mit Plätzchen nach einer halben Stunde immernoch genauso aussah wie zu dem Zeitpunkt als wir es in den Ofen geschoben hatten. Am Ende war das Ergebnis aber sehr zufriedenstellend und jeder von uns hatte eine ordentlich Portion an leckeren Keksen, die ihr auf den Fotos bewundern könnt. Am dritten Advent musste aufgrund zu schnellen Verzehrens dennoch eine weitere Plätzchenbackaktion stattfinden. Diesmal in einem anderen Ofen.
Denn wie vor einigen Wochen angekündigt, war ich nun endlich umgezogen. Eine Freundin, Sue, die an der Schule wahre Wunder mit Problemkindern vollbringt, ist über Weihnachten nach Europa gegangen und hat mich gebeten ihre Katze und das Haus zu sitten. So packte ich in der zweiten Adventwoche meine sieben Sachen und bemerkte dabei, dass ich schon jetzt viel zu viel besitze um das für den Rückflug in meine Koffer zu packen. Nun sitze ich aber erstmal in einem wunderschönen kleinen und gemütlichen Haus mit einer Katze und darf mich ganz zuhause fühlen. Die Gegend ist sehr schön. So bin ich nur 10 Minuten von Little Italy (einem Viertel mit vielen kleinen Cafes und Restaurant) und China Town entfernt. Auch die Outdoor-läden und der Kanal sind nicht weit weg. Wie man sicherlich bemerkt, ich bin absolut begeistert.
Wenngleich ich in den ersten Tagen vor Begeisterung lieber nicht in die Luft springen sollte, da dies zuviel Gefahrenpotential für meinen Rücken in sich barg. Tja, denn wenn man schonmal im Ausland ist, sollte man jede mögliche Erfahrung machen. Einen Tag vor dem Umzug kam ich mit zu nassen Schuhen in die Schule und rutschte im Treppenhaus aus und landete knallhart auf meinem Rücken. Zum Glück nur auf der Seite, da ich noch im Sturz dachte "Bloß nicht auf die Wirbelsäule! Bloß nicht auf die Wirbelsäule!!!" Als ich mich nach einer Stunde immernoch nicht richtig bewegen konnte, beschlossen Paul und Sue mich in ein Krankenhaus zu fahren. Ich landete im Montforte und durfte nun das kanadische Krankenhaussystem kennenlernen. Es gab nummerierte Wartebereiche, die man durchlaufen musste. Zuerst kam ich in den Bereich A, da ich noch niemanden gesehen hatte. Dort bekam ich aber immerhin einen Rollstuhl. Eine nette Schwester befragte mich daraufhin, was passiert sei und wie schwer es schmerzen würde. Danach durfte ich mich in den Bereich B setzen Von dort aus ging es dann an die Rezeption, wo nicht gerade freundlich meine ganzen Daten aufgenommen wurden. Dass ich zwar versichert, aber nicht ein typischer Patient war, bescherte der Dame noch schlechtere Laune und mir einen entgültigen Tränenausbruch. Ich fühlte mich so unsicher, wusste nicht wie genau es ablaufen würde und noch dazu schmerzte der Rücken höllisch. Am Ende des "netten Gesprächs" sagte sie mir mit einem Supermarktkassenton "Das macht dann 495$." Es gab wenige Momente in den letzten Wochen, wo ich mir gewünscht hätte nach Hause zu fliegen. Das war einer davon.
Danach war ich eine Woche krank geschrieben. Zum einen wegen des Rückens, zum anderen wegen der Medizin dagegen. Mir wurde sogenanntes Oxicodon verschrieben. Das ist ein Schmerzmittel, dass aber unter anderem Müdigkeit, Glücksgefühle und ein nettes Schwindelgefühl auslösen kann - unterm Strich gesagt, macht es high. Sue erzählte mir, dass ich pro Pille in der Schule von Schüler locker 30$ bekommen könnte, da es eine sehr beliebte Droge sei. Natürlich habe ICH die Pillen brav nach Vorgaben des Arztes genommen und sie dann in eine Schublade verbannt.
Damit hatte sich vorerst aber auch mein Schulalltag verabschiedet, was aber auch nicht so schlimm war. Sue musste ebenfalls krankheitsbedingt zuhause bleiben und so machten wir uns ein paar gemütliche Tage und ich genoss die Zeit mit ihr wirklich sehr. Wir schauten uns die Gegend an, machten einige Einkäufe und organisierten ihre Reise nach Europa, wobei ich ihr vor allem bei Deutschland sehr behilflich sein konnte. Ich lernte auch einige ihrer Verwandten kennen, die alle wirklich sehr nett waren und von denen jeder mindestens schon einmal in Europa war. Am 17. flogen Sue und ihr Mann dann Richtung London, was dazu führte, dass ihre Reise nicht so begann, wie sie sich das vorgestellt hatten. Mittlerweile sind sie aber da, wo sie hinwollten und hoffen, dass trotz des Wetters ihre Reise gut verläuft.
Ich habe die letzten Tage mit Freunden verbracht, die ja jetzt über Weihnachten nach Hause fahren. Es ist seltsam, denn viele von ihnen habe ich zum vorletzten Mal gesehen, denn wenn sie wiederkommen, werde ich mit Jörg wohl schon auf unserer großen Nordamerikatour sein. Am Ende bleiben uns noch 5 Tage in Ottawa, die aber wahrscheinlich gerade mal zum Aufwiedersehen-Sagen reichen.

Nun ist aber erstmal Weihnachten und ich bin heute Abend aber auch morgen bei Freunden eingeladen und sehr froh darüber. Jetzt da Heiligabend ist denke ich vor allem an meine Familie zuhause in Sonneberg und an Jörg und seine Familie. Es ist traurig nicht dort zu sein, nicht bei denen sein zu können, die man liebt und die mein ganzes Leben lang jedes Jahr mit mir am Weihnachtsbaum saßen. Ihr fehlt mir.
Auch meine Freunde seien hiermit herzlich gegrüßt. Ich habe euren Plätzchenbackbrief bekommen und mich riesig gefreut. Ihr seid die Besten.

Euch allen wünsche ich frohe, besinnliche und gesegnete Weihnachten, dass es nicht einfach nur Kommerz ist, sondern dass ihr wirklich das fühlen und feiern könnt, worauf es in diesen Tagen ankommt. Die Liebe zu den Menschen, die immer für uns da waren und hoffentlich auch immer sein werden.
In diesem Sinne: Frohe Weihnachten.

29. November 2010

Kleinigkeiten des Alltags - Teil 6

Bevor der November gänzlich vorbei ist, kommt hier noch eine  Kleinigkeit. Der November wird in Kanada schnell mal zum Mo-vember gemacht. Warum? Mo ist die Kurzform von Moustache und bedeutet Schnurrbart. So lassen sich im November viele Männer einen Bart stehen und sich dabei von Freunden und Bekannten sponsoren. Das Geld geht für einen guten Zweck an eine Stiftung für die Behandlung des Brustkrebs bei Männern. Dabei sieht man die lustigsten Exemplare und bei vielen Männern wird deutlich warum sie eigentlich keinen Bart tragen sollten... es ist auf alle Fälle in der Schule immer ein großer Spaß für Lehrer und Schüler!