29. November 2010
Kleinigkeiten des Alltags - Teil 6
Bevor der November gänzlich vorbei ist, kommt hier noch eine Kleinigkeit. Der November wird in Kanada schnell mal zum Mo-vember gemacht. Warum? Mo ist die Kurzform von Moustache und bedeutet Schnurrbart. So lassen sich im November viele Männer einen Bart stehen und sich dabei von Freunden und Bekannten sponsoren. Das Geld geht für einen guten Zweck an eine Stiftung für die Behandlung des Brustkrebs bei Männern. Dabei sieht man die lustigsten Exemplare und bei vielen Männern wird deutlich warum sie eigentlich keinen Bart tragen sollten... es ist auf alle Fälle in der Schule immer ein großer Spaß für Lehrer und Schüler!
28. November 2010
Die Vorbereitung auf die Ankunft
Hallo an Euch alle!
Auch hier wird es Advent. Man mag es zwar kaum glauben, aber es ist so. In den Geschäften läuft schon ordentlich Weihnachtsmusik, die Einkaufscenter sind voll von Weihnachtsbäumen und es scheint, dass hier die Menschen mit dem 1. Advent schon im Geschenkekaufstress sind.
Eigentlich hatte ich dieses Jahr nicht vor, mir einen Adventskranz zu machen, doch dann lief ich über den Markt und sah überall das Tannengrün und es roch tatsächlich ein wenig wie... Weihnachten... und so lief ich wenige Minuten später freudestrahlend, ein Bündel Tannenzweige umarmend wieder nach Hause. Dank dem netten Herrn am Stand bekam ich kostenlos sogar ein paar Tannenzapfen dazu. Noch schnell 4 Kerzen und etwas schönes Geschenkband gekauft und so wurde der Samstagabend zur Bastelstunde. Den Werdegang und das Ergebnis seht ihr im Album. Euch allen wünsche ich einen schönen 1. Advent, dass etwas Ruhe einkehren kann und dass das, was in dieser Zeit besonders wichtig wird, euch täglich begleitet - die Vorbereitung auf die Ankunft des Herrn.
25. November 2010
An Tagen wie diesem....
Ich komme gerade aus der Schule und habe einen Tag hinter mir, der sich länger anfühlt als er eigentlich war. Warum?!
Ich hatte schon längere Zeit den Gedanken einen Text zu meinen emotionalen Erfahrungen zu schreiben, denn wie schon erwähnt – dies ist kein normales Auslandssemester. Täglich kommen Schüler zu Paul und mir, wollen einfach nur jemanden, der zuhört, der sich ihnen widmet. Täglich werden wir mit jungen Schicksalen konfrontiert, mit Problemen die Kinder in diesem Alter einfach nicht haben dürften. Fast wöchentlich finden Veranstaltungen und Konferenzen für Schüler statt, die sich um ihr Leben, um ihre Zukunft, im Generellen um die psychische Fürsorge kümmern. So trafen sich zum Beispiel vor einigen Wochen alle Jugendgruppen der Schulseelsorger für einen Tag um zum Thema „Liebe an-ziehen. Propheten im 21. Jahrhundert“ Vorträge zu hören, zu diskutieren und künstlerisch tätig zu werden. Ich war dabei und durfte alles ein wenig beobachten und den Vorträgen lauschen. Der Unikurs, den ich besuche dreht sich vor allem darum wer wir (die Kursteilnehmer) sind und was unsere Art der Seelsorge ist, welchen Stil wir im Umgang mit Menschen haben und wie wir uns entwickeln können auch in Hinsicht unseres Glaubens- und Gottesverständnisses. Dazu müssen wir Situationen aus unserem Tätigkeitsbereich sehr genau analysieren und Komponenten wie Psychologie und Theologie mit einbringen. Alles in allem ist diese Zeit hier zu einem absoluten Selbstfindungs- und Erkenntnisprozess geworden. Und dies verlangt einiges ab.
Dazu einige Zahlen, die zum Teil recherchiert sind, zum Teil aus persönlichen Erfahrungen stammen. Jedes zweite Paar in Kanada wird geschieden. Die Hälfte davon heiratet wieder, und ein gutes Drittel dieser Gruppe lässt auch die zweite Ehe scheiden. 2009 wurde ermittelt, dass bei 40% der kanadischen Frauen und 41% der kanadischen Männer im Laufe ihres Lebens Krebs diagnostiziert wird. Im Durchschnitt betrifft das jede Familie mindestens einmal. Tendenz zunehmend. Jeder zweite Schüler in Kanada wurde bereits gemobbt. Jede dritte Frau wird bis zu ihrem 30. Lebensjahr sexuell missbraucht, belästigt; verletzt sich selbst, hat Essstörungen, Suizidgedanken oder leidet unter psychischen Problemen. Jeder dritte Kanadier hat mindestens einmal in seinem Leben unter der Armutsgrenze gelebt... Jeder 10. schafft es nicht mehr zurück.
Vor allem heute habe ich den Eindruck, dass mich diese Fakten überall hin verfolgen. Kein Tag an der Schule vergeht ohne die Sichtbarkeit von mindestens einem davon. Erst heute wieder hatte ich mit einem Mädchen zu tun, dessen Vater sie zum Psychologen schickt, weil sie mit der Schizophrenie der Mutter nicht zurecht kommt. Ebenso ein Junge der 7. Klasse, der aufgrund der Krebstherapie eine neue Hose bestellen musste. Die alte war 3 Nummern zu groß. In der Religionsstunde heute kam ein Vertreter einer Organisation der Stadt in die Klasse, die sich um die Obdachlosen und Armen kümmert. Er kam mit erschreckenden Zahlen. Und letztendlich durfte ich online eine Liste erstellen von Weihnachtskörben für Familien der Schule, die sich kein Weihnachtsessen geschweige denn Geschenke leisten können. Es waren Familien mit 4 Kindern dabei; Großeltern, die sich um ihre Enkel kümmern weil die Eltern geschieden oder tot sind oder sich einfach nicht um die Kinder kümmern wollen. Bei den meisten Profilen war das Elternteil alleinstehend und die Kinderanzahl viel zu groß. Es waren Schüler der Schule darunter, die schon mit 14 in eine eigene Wohnung gezogen sind, neben der Schule jobben und versuchen ihren Abschluss zu meistern. Insgesamt waren es 60 Profile, die Anzahl der Anfragen übersteigt dies weit.
An Tagen wie diesem ist es schwer, seine Gefühle aus dem Spiel zu lassen, sich vom Mitfühlen nicht ins Mitleid zu verlieren. An Tagen wie diesen wird mir klar, wie gut es mir geht und wie stark diese Menschen sind. Es ist nicht so, dass sie bedauert werden wollen aber es ist erstaunlich, wie vor allem diese Kinder an der Schule (, die entweder geschiedene Eltern oder einen Krebsfall mit Todesfolge in der Familie haben) versuchen ihr Leben zu meistern.
An dem Tag als sich die Jugendgruppen trafen und ich den Vortrag über den Einfluss einer Scheidung der Eltern, über die Auswirkung unerfüllter Liebe auf Kinder hörte, rief ich spontan meine Eltern an, um ihnen zu sagen wie stolz und dankbar ich bin. Klar, das mag vielleicht für den einen oder anderen Außenstehenden zu sentimental klingen. Aber täglich mit diesen Dingen in Verbindung zu sein, hat mir bewusst gemacht, dass es nicht mehr selbstverständlich ist, wie ich aufgewachsen bin, dass meine Eltern immer noch verheiratet sind und dass ihre 3 Töchter alle den Weg in eine Universität geschafft haben und immer noch gerne nach Hause kommen. Ich habe an diesem Tag auch an Freunde und Bekannte gedacht, deren Eltern geschieden sind und auch hier ist zumindest mir klar geworden, dass es ebenso nicht selbstverständlich ist, dass sie Ausbildungen abschließen, an die Uni gehen, selbst heiraten und starke Persönlichkeiten entwickelt haben.
Ich möchte mich auf diesem Weg bei allen bedanken, die stets für mich da gewesen sind, bei meinen Eltern, Großeltern, bei Elisabeth und bei Jutta; bei Jörg, bei allen, die mich auf meinem Weg begleiten, seien es meine Freunde oder Menschen in meiner Heimatgemeinde und in Jena, Dingelstädt, Scheinfeld, Hamburg und anderswo und bei Menschen, die mich herausgefordert haben.
Ich merke jeden Abend, dass diese Erfahrung mich einiges an Kraft kostet und dass nach Kanada sicherlich einiges anders sein wird. Was genau, das wird sich noch zeigen...
15. November 2010
Kanada gedenkt - Rememberance Day
Sonntagabend. Zeit für einen Tee und einen Blogeintrag! Hallo an euch alle! Wie geht es euch? Bevor ich zu meinem sonntäglichen Studentengottesdienst gehe, wollte ich doch ein paar Zeilen über die vergangene Woche schreiben. Während in Deutschland am 11.11. um 11:11Uhr die Narrenzeit begann, standen in Kanada alle Autos und Maschinen still. Es war Rememberance Day. Das ist ein sehr besonderer Tag, was mir vor allem am Donnerstagmorgen deutlich wurde als ich in die Schule kam und Paul im Anzug mit Hemd und Krawatte erschien. Die Tage zuvor konnte ich nur Informationen aufschnappen wie: Kanada gedenkt seinen gefallenen Soldaten; es geht vor allem um den 1. und 2. Weltkrieg, es hat etwas mit Mohnblumen zu tun; es gibt eine große Zeremonie am Kriegsdenkmal und die Läden öffnen erst Mittag.
Nach ein paar Gesprächen und einigen Minuten bei Google kann ich folgenden Hintergrund dazu geben. Der Rememberance Day wird vor allem in den Commonwealth Ländern gefeiert, nachdem ihn König Georg V. im Jahre 1918 zum Gedenken der Gefallenen im 1. Weltkrieg einführte. Das Datum rührt daher, dass dieser offiziell am 11. Tag des 11. Monats zur 11. Stunde zu Ende war. Und so kamen auch dieses Jahr tausende Menschen zu dieser Zeit zusammen um zu gedenken. Jede Schule hat ihre eigene kleine Gedächtnisfeier zu der immer Soldaten eingeladen werden, die gedient haben oder noch dienen. So auch an meiner Schule. Um kurz nach halb neun begannen wir in der Turnhalle. Das Programm war gefüllt mit einer Rede der Direktorin, einem Gebet, für das Paul verantwortlich war und einem Vortrag eines jungen Offiziers, der letztes Jahr in Afghanistan von einer Miene schwer verletzt worden war. Schüler aller Klassenstufen nahmen an der Zeremonie teil und hörten sehr genau zu als der junge Soldat mit Bildern seine Erlebnisse schilderte. Es folgte eine kurze szenische Darstellung von der Theatergruppe, die wirklich gut und angemessen war. Sie stellten die Lebenswege zweier Soldaten dar. Einer, der nach dem Krieg wieder nach Hause kam und ein anderer, der dort starb. Alles geschah ohne Text und es war wirklich eindrucksvoll und rührend. Selbst ich musste mir einige Tränen verkneifen, dachte ich dabei doch auch an die Kriegsgeschichte Deutschlands. Das Schulorchester spielte die Nationalhymnen Englands und Kanadas und am Ende wurde den gefallenen Soldaten des Jahres 2010 in Afghanistan gedacht. Es waren 31. Nach der Zeremonie machte ich mich auf zum Kriegsdenkmal, dass mitten in der Stadt liegt. Lutz und Bea, ebenfalls Erfurter Studenten hatten auch beschlossen, sich die Feier anzuschauen. Je näher wir dorthin kamen, desto mehr rote Mohnblumen konnten wir sehen. Tage zuvor schon werden diese als Anstecknadeln in allen öffentlichen Einrichtungen ausgegeben. Das Format für diese ist patentiert und andere Anstecknadeln in Form von Mohn werden ungerne gesehen. Die Geschichte dazu ist eigentlich sehr schön, wenn sie nicht zugleich auch so traurig wäre... Im ersten Weltkrieg waren viele Soldaten in Flandern stationiert. Als nach einer großen Schlacht hunderte von Holzkreuzen dort aufgestellt wurden, wuchsen zwischen ihnen nach einiger Zeit Mohnblumen zu hauf. Das Rot der Blüten erinnerte vor allem an das vergossene Blut. Ein kanadischer Lieutnant namens John McCrae schrieb daraufhin ein Gedicht, das manche von euch vielleicht kennen.
In Flanders Fields
In Flanders fields the poppies blow
Between the crosses, row on row,
That mark our place; and in the sky
The larks, still bravely singing, fly
Scarce heard amid the guns below.
We are the dead. Short days ago
We lived, felt dawn, saw sunset glow,
Loved, and were loved, and now we lie
In Flanders fields.
Take up our quarrel with the foe:
To you from failing hands we throw
The torch; be yours to hold it high.
If ye break faith with us who die
We shall not sleep, though poppies grow
In Flanders fields
In Flanders fields the poppies blow
Between the crosses, row on row,
That mark our place; and in the sky
The larks, still bravely singing, fly
Scarce heard amid the guns below.
We are the dead. Short days ago
We lived, felt dawn, saw sunset glow,
Loved, and were loved, and now we lie
In Flanders fields.
Take up our quarrel with the foe:
To you from failing hands we throw
The torch; be yours to hold it high.
If ye break faith with us who die
We shall not sleep, though poppies grow
In Flanders fields
Auf Flanderns Feldern
Auf Flanderns Feldern blüht der Mohn
Zwischen den Kreuzen, Reihe um Reihe,
Die unseren Platz markieren; und am Himmel
Fliegen die Lerchen noch immer tapfer singend
Unten zwischen den Kanonen kaum gehört.
Wir sind die Toten. Vor wenigen Tagen noch
Lebten wir, fühlten den Morgen und sahen den leuchtenden Sonnenuntergang,
Liebten und wurden geliebt, und nun liegen wir
Auf Flanderns Feldern.
Nehmt auf unseren Streit mit dem Feind:
aus sinkender Hand werfen wir Euch
Die Fackel zu, die Eure sei, sie hoch zu halten.
Brecht Ihr den Bund mit uns, die wir sterben
So werden wir nicht schlafen, obgleich Mohn wächst
Auf Flanderns Feldern.
Dieses Gedicht wurde eines der populärsten über die Thematik der Sinnlosigkeit des Krieges und die Mohnblume wurde daraufhin zum Symbol des Gedenkens der Gefallenen. Einige Jahre später während des 2. Weltkrieges waren kanadische Soldaten wieder in dieser Gegend stationiert. Es war Sommer und der Mohn blühte in Unmengen. So schickten viele von ihnen gepresste Blüten nach Hause und prägten somit weiterhin den symbolischen Charakter dieser Blume.
Heute werden die Anstecknadeln vor allem zugunsten von Stiftungen ausgeteilt und am Ende der Zeremonie legen am Kriegsdenkmal viele Besucher aus Zeichen der Solidarität ihre Anstecker dort nieder, wie ihr es auch auf den Fotos sehen könnt.
Die Zeremonie selbst war, so habe ich gehört, sehr andächtig und von vielen hohen Tieren besucht. Ich stellte an diesem Tag leider fest, dass ich viel zu klein für kanadische Verhältnisse bin und wir kamen auch etwas spät um noch die begehrten Plätze auf den Brückenpfeilern und Parkbänken zu ergattern. Wie voll es wirklich war, könnt ihr auf den Fotos sehen. Es waren einige hohe Tiere anwesend sowohl aus Kanada als auch Englands, deswegen gab es auch eine ordentliche Portion Scharfschützen auf den Dächern rund herum – die konnte ich wenigstens noch sehen. Alle Militäreinheiten waren vertreten, unter anderem die Navi und auch die berühmten Ranger! Ja, es gibt sie wirklich: die mit den roten Jacken und den komischen Hüten. Ebenso vertreten war die Luftwaffe, die zweimal in Formation über die Veranstaltung hinwegflog, was wirklich eindrucksvoll war. Außerdem war auch eine Abordnung der englischen Garde da sowie einige Schotten, die mit Dudelsäcken für einen Großteil der musikalischen Gestaltung sorgten. Schaut euch die Bilder an... es war fantastisch. Punkt 11 Uhr stand alles still und es folgten 21 Salutschüsse, die wirklich den Boden beben ließen. Nach der Feier konnte man überall Männer in jeglichen Uniformen sehen und in den Restaurants gab es spezielle Rabatte für Angestellte des Militärs. Lutz, Bea und ich werteten bei einem Lunch alles etwas aus. Wenngleich es ein riesiges Aufgebot an Militär war und eine Menge Vertreter des Staates anwesend waren, so kam es uns dennoch sehr andächtig vor. Wir hatten nicht das Gefühl, dass es sich hier um ein zur-Schau-stellen handelten, sondern das der Fokus wirklich auf das Gedenken gelegt wurde. Es gab weder Applaus noch große Reden. Nur zwei Gebete und ein feierliches Ablegen vieler Kränze am Denkmal. Auf uns machte es genau den Eindruck, den mir Paul am Morgen prophezeit hatte: dies war ein besonderer Tag für Kanada.
7. November 2010
Alltag
Nachdem dieser Blog mir fast in den Winterschlaf gefallen wäre, dachte ich die Stunde, die es heute extra gab für einen neuen Eintrag zu nutzen. Die letzten Wochen verliefen allerdings mehr im Alltagstrott, als dass es etwas überaus Spannendes zu erzählen gäbe. Aber dennoch gibt es ein kleines Update, was ich mittlerweile so treibe.
In der Schule läuft alles wie gewohnt. Ich komme morgens um kurz nach 8 Uhr an, schließe das Büro auf und begebe mich seit einiger Zeit nun immer auf den Nordflur, um da mit den Betreuungslehrern die Kinder noch vor der Hymne in die Klassen zu scheuchen und natürlich um ein wenig zu tanzen. Während der Hymne stoppen wir Schüler, die zu spät sind und fordern sie auf bis nach den Ankündigungen für den Tag dort still zu stehen, wo sie sind. Danach geht es dann meistens an die Arbeit. Paul hat meist schon eine lange Liste von Dingen, die wir den Tag erledigen müssen: Kinder sehen, um ihnen Uniformen, neue Unterkünfte, etwas zu Essen oder andere lebensnotwendige Dinge zu beschaffen; mit Schülern reden (sei es einfach so oder weil gerade ein Verwandter, Freund etc. gestorben ist);Veranstaltungen organisieren und wenn ich Paul mal nicht helfen kann, weil es sich um Papierkram handelt, dann bereite ich die Morgengebete vor. Mittlerweile stehen alle bis Weihnachten und ich glaube, Paul würde sich riesig freuen, wenn ich noch bis zum Halbjahresende vorarbeiten könnte. Solange habe ich allerdings dazu nicht mehr Zeit. In drei Wochen werde ich dann die Schule wechseln. Dann geht es an eine relativ neue Schule, in der das eigentliche Problem, so wurde mir gesagt, der Reichtum der Kinder ist. Betreuen wird mich da Sister Shelly, die ich auch schon kennengelernt habe und die nun zu meinem Supervisor für das gesamte Praktikum geworden ist. Das bedeutet, dass ich mich wöchentlich mit ihr treffe und reflektiere, was ich eigentlich mache und vor allem, wo die Theologie in meinem ganzen Tun steckt. Diese Geschichte gehört zu dem Unikurs, den ich immer noch besuche und der vor allem eines bringt: Selbstreflexion und Situationsanalysen. Es ist wirklich interessant wie viele Facetten man an einem Erlebnis und auch an sich selbst erkennen kann, wenn man sich die Zeit zur Betrachtung nimmt.
Des Weiteren habe ich den November für mich zum Hospitationsmonat erklärt. Das bedeutet, dass ich pro Tag mindestens eine Religionsstunde besuche. Ebenfalls habe ich in Eigeninitiative ein paar Deutschkurse an der Uni und an einer anderen Schule gefunden und die Professorin war zufälliger- und glücklicherweise auch die Lehrerin der Kurse an den Schulen und so durfte ich aber letzter Woche auch dort beisitzen und sogar schon kleine Einheiten selbst übernehmen. Da die Kurse aber Donnerstagabend von 18:30 bis 21:15 und Samstagvormittag 9:00 bis 12:30 sind, ist mein Wochenplan ziemlich ausgefüllt und an größere Reisen ist kaum noch zu denken. Das wird sich aber mit dem 17. Dezember ändern. Da ist sowohl das Schuljahr als auch das Unisemester vorbei und ich werde an diesem Tag ebenfalls meine Unterkunft wechseln. Eine Freundin, die Seelsorgerin an der Schule ist, fliegt ironischerweise über Weihnachten nach Deutschland und fragte mich, ob ich nicht ihr Haus sitten wollen würde. Da habe ich natürlich nicht nein gesagt, da ich zu Weihnachten doch etwas Ruhe gebrauchen kann... Im Haus läuft es leider noch immer nicht besser. So verfliegen nun doch so langsam die Wochen und ich zähle die Tage bis zum 27. Dezember, wenn Jörg kommen wird. Der Plan wohin es dann gehen wird steht. Es soll eine große Rundtour durch Kanada und den U.S.A. werden. Silvester werden wir in Chicago sein, dann geht nach Denver in die Rocky Mountains und per Flug nach Washington D.C., weiter nach New York und wieder zurück mit Zwischenhalten in Montreal und Quebec City. Am Ende stehen noch ein paar Tage in Ottawa, was letztendlich eine Art Mix aus den Dingen ergibt, die Jörg damals bei seinem Auslandssemester und ich nun bei meinem gesehen haben. Ich sage mir immer, dass das ja nun nicht mehr so lange dauert. Denn ehrlich gesagt, ich vermisse Deutschland und ich vermisse Jena. Ich habe lange darüber nachgedacht, ob ich etwas falsch mache und warum ich einfach nicht die Art Begeisterung verspüre, die viele meiner Freunde hatten, als sie weg waren. Aber eine gute Freundin hat mir erzählt, dass es ihr damals genauso ging bis sie im letzten Monat herumreiste. Ich kann mir gut vorstellen, dass ich dann auch ins Schwärmen komme. Bis jetzt ist mein Aufenthalt aber eher von Arbeit und Alltag geprägt.
Heute war ich zum ersten Mal im Gottesdienst einer Kirchgemeinde, was mir wirklich gut gefallen hat. Ich werde definitiv nächsten Sonntag wieder hingehen. Der Gottesdienst war um 19:30 und ist speziell für die Studenten und junge Menschen der Stadt ausgelegt und das konnte man auch merken.
Die Temperaturen pendeln sich hier nun um den Nullpunkt ein und gab auch schon Schnee, der allerdings noch nicht liegen blieb. Die Prognose der junge Dame im Strickgeschäft besagte allerdings, dass es noch circa 10 Tage dauern würde, bis der Winter käme. Ja richtig, Strickgeschäft! Ich stricke und habe auch schon das erste Paar Handschuhe fertig und arbeite jetzt an einem Alpakawollschal :)
Ich wünsche euch eine schöne Woche! Ich vermisse euch und zähle wirklich die Tage bis ich wieder nach Deutschland fliege. Es freut mich aber immer mal zu hören, dass es euch allen soweit gut geht. Bis bald und kanadische Grüße :)
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