7. Oktober 2010

Immaculata Saints – meine Herausforderung


Es tut mir Leid, dass ihr solange nichts von mir gehört habt, aber momentan ist hier einiges los...
Nun beende ich schon die dritte Woche im Schulbetrieb hier in Ottawa und seitdem ist vieles anders geworden. Die Zeit scheint doch allmählich wie im Flug zu vergehen, was ich voll und ganz meinen neuen Aufgaben verdanke.
Wie also erwähnt, bin ich an der Immaculata und arbeite dort mit Paul, dem Hauptseelsorger. Paul Kozak ist 32 und Ukrainiancatholic. Er hat 4 Kinder und das 5. ist auf dem Weg. Darüber hinaus ist er wohl einer der witzigsten Personen mit denen ich jemals arbeiten werde. Vom ersten Tag an mochte ich die Art und Weise wie er mit den Schülern sprach und versuchte einen Draht zu ihnen zu finden. Genau wie ich ist Paul neu an dieser Schule, aber dafür macht er seinen Job als Seelsorger echt gut. Die Schule selbst ist katholisch und wurde 1928 von Schwestern gegründet und ist heute als eine sehr internationale Schule bekannt. Das heißt, dass vor allem Kinder von Immigranten hier lernen und betreut werden. Diese Betreuung erstreckt sich von Hausaufgabenclubs, über verschiedene Nachmittagskurse (Chor, Hockey, Schach, Mosaikgestaltung etc.) bishin zur direkten Seelsorge. Die Klassenstufen 7 bis 12 werden dort unterrichtet und es gibt an die 100 Lehrer und 4 Seelsorger, von denen Paul als Kaplan einer ist. Mein erster Tag an der Mac war schon sehr aufregend und bezeichnend. Ich erschien pünktlich um 7:45 Uhr und brachte meine Sachen in Pauls Büro. Und wie es für einen Praktikanten üblich ist, rannte ich ihm in den ersten Tagen nur hinterher und versuchte so viele Namen und Infos wie möglich zu behalten. Unser erster Weg führte uns durch die Eingangshalle der Schule Richtung Ansageraum (die Schule verfügt über eine Lautsprecheranlage), um dort das Morgengebet zu sprechen. Wie gesagt, die Schule ist katholisch! Jeden Morgen gibt es die gleiche Routine: um kurz vor acht werden aktuelle Songs durch die Lautsprecher gespielt um die Schüler mit guter Laune in die Klassen zu schicken. Um 8:15 Uhr folgt die Nationalhymne, dann das Morgengebet und abschließend die Ankündigungen für den Tag. Als ich also am ersten Tag mit Paul durch die Eingangshalle lief, wurde schon Musik gespielt und auf einmal blieb Paul stehen und fing an zu tanzen. Ich war irritiert! „Los! Wir starten einen Flashmob!“, so Pauls Aufforderung und welcher Student sagt zu einem Flashmob schon nein?! Seitdem machen wir das jeden Morgen und immer mehr Schüler machen mit, was wirklich für gute Stimmung sorgt und das um 8 Uhr :)...
Meine Aufgaben am Tag variieren und morgens weiß ich meistens noch nicht, was am Tag auf mich zukommt. Große Projekte, die ich bis jetzt übernehmen durfte, waren zum Beispiel die Gespräche, die ich mit den Achtklässlern führen sollte, die in diesem Jahr neu an die Immaculata gekommen sind. An dieser Schule wird sehr darauf geachtet, dass es allen Schülern gut geht und dass sie mindestens einen erwachsenen Ansprechpartner haben. Das ganze wird durch sehr viel Organisation, Fragebögen und einem Haufen Arbeit der Seelsorger ermöglicht, von denen ich nun allmählich einer bin. Weitere Aufgaben sind aber auch das Heraussuchen von neuen Morgengebeten, das Sortieren und Ausgeben der Schuluniformen. Ja genau, hier werden Uniformen getragen und leider wurde ich selbst schon zweimal gefragt, ob ich meine vergessen hätte. Aber ich muss mir einfach noch einen Ruf verschaffen, obwohl ich dachte, dass Tanzen am Morgen reicht... Zu den eher ungewöhnlicheren Aufgaben gehörte das Vorbereiten von 1200 Hotdogs für den Terry-Fox-Run. Was ist das? Also, Terry Fox war ein kanadischer Leichtathlet, der in den 60ern erfuhr, dass er Krebs habe und dadurch ein Bein verlor. Er bekam eine Prothese und überlegte, was er nun machen sollte. Und so beschloss er mit der Prothese durch Kanada zu laufen und von jedem Kanadier einen Dollar für Krebsleidende zu sammeln. Terry Fox fand viele Anhänger und Fans und begeisterte eine ganze Nation bis er nach 143 Tagen und 5373 gelaufenen Kilometern hatte der Krebs schon lange seinen Körper erneut befallen und war bis dahin in seine Lungen gelangt. Er musste den Lauf abbrechen und starb kurze Zeit später mit 22 Jahren in der Nähe von Thunder Bay hier in Ontario. Er wird hier als Held gefeiert und natürlich ist eine Stiftung für Krebskranke nach ihm benannt. Und für diese Stiftungen laufen jährlich alle Schulen in Ontario einen Spendenmarathon. Dieser fand in meiner ersten Woche an der Schule statt und im Anschluss bekamen alle Läufer eine Flasche Wasser und ein Hotdog. Das ganze endete in einer Art Sport- und Spielfest für die Schüler. Und ich habe an diesem Mittag das erste Mal „Dunk me!“ gesehen. Das heißt, ein Lehrer wird über einem großem Bottich mit Wasser auf eine Vorrichtung gesetzt, die mit einer Zielscheibe verbunden ist. Die Schüler bezahlen eine bestimmte Summe, um auf die Zielscheibe zu werfen. Treffen sie die Mitte, geht der Lehrer baden... nette Idee ;)! Und es gab wirklich einige Lehrer, die da mitgemacht haben.
Ich muss wirklich sagen, dass das Kollegium mir wirklich gut gefällt. So gut wie alle versuchen hier einen respektvollen Umgang mit den Schülern zu pflegen, sich dabei aber nicht über den Schüler stellen. Allein die Tatsache, dass sich Lehrer von den Schülern versinken lassen, zeugt von einer besonderen Beziehung, die die Schüler ebenso versuchen zu pflegen. Natürlich ist hier nicht alles schön und auch die Mac hat mit Problemkindern zu kämpfen, aber momentan scheint mir die Herangehensweise eine andere als in Deutschland zu sein.
Mein nächstes Projekt wird es sein, ein Konzept für eine Gruppe von Problemkindern zu erstellen, in dem vor allem Religion und Gott eine Rolle spielen. Diese Aufgabe bekam ich heute... mal schaun, was mir so einfällt.

Ansonsten geht hier momentan einiges drunter und drüber und ich stehe zur Zeit leider ziemlich unter Strom. Am letzten Wochenende war Frau Prof. Wijlens bei uns und hat am Montag auch mit dem School Board über zukünftige Praktikanten gesprochen. Sie schrieb mir hinterher eine Email, dass dort alle ganz begeistert von mir seien und in den nächsten Jahren gerne auch andere kommen könnten. Das sind doch mal gute Nachrichten! Am 3. Oktober feierten wir zusammen mit anderen Studenten, die aus Erfurt nach Ottawa für ein Auslandssemester gekommen waren, den Tag der Deutschen Einheit mit Kaffee und Kuchen, was sehr schön war. Am kommenden Wochenende ist nun Thanksgiving. Am Samstag hat mich eine Kommilitonin zum Wandern in einen Nationalpark eingeladen und am Sonntag werde ich in Ottawa mit ihrer Familie ganz traditionell Truthahn essen. Davon wird es dann sicher auch einige Fotos geben.
Aprospos Fotos: da ich in der letzten Zeit immer mal wieder Fotos geschossen habe, aber nicht zu jedem Album einen Text schreiben werde, lohnt es sich auf alle Fälle immer mal in mein Picasa-webalbum reinzuschauen. Die Fotos bekommen dann auch Unterschriften, um wenigstens ein bisschen Information dazu zu liefern.
Ich wünsche euch allen ein sehr schönes Wochenende und ich werde mich bemühen, wieder öfter von mir hören zu lassen. Ich vermisse euch!

1 Kommentar:

  1. Very happy I found your site. Will note it and return for more info.

    cialis online

    AntwortenLöschen