26. Oktober 2010
Kleinigkeiten des Alltags - Teil 5
25. Oktober 2010
Kleinigkeiten des Alltags - Teil 4
Die Hymne Kanadas ist zweisprachig. Die erste und dritte Strophe ist in englisch, die zweite französisch formuliert. Aufgrund des absolut englischen Akzentes ist mir das aber erst am Christian Community Day aufgefallen, als der Text per Power Point an die Leinwand gebracht wurde. Die Provinz, die sich als durch und durch französisch betrachtet, ist Quebec. Diese hatte einige Zeit das Bestreben, sich als eigenständiger Staat von Kanada loszulösen, was aber an der Volkabstimmung scheiterte. 2006 wurde Quebec jedoch als "Nation innerhalb eines geeinten Kanadas" anerkannt.
21. Oktober 2010
Truthahn, nichts als Truthahn!
Ich werde mich diesmal einfach nicht für den späten Eintrag entschuldigen, ihr seid es wahrscheinlich eh schon gewohnt.
Danach ging ich mit Paul und dem Lehrpersonal noch in einen nahegelegenen Pub.
Am Samstag musste ich relativ früh aus den Federn, denn Kerri, eine Kommilitonin aus dem Unikurs, hatte mich zu einer Wanderung in den Algonquin Nationalpark eingeladen. Dieser Nationalpark ist mit einer Fläche von 7500 km² einer der größten Nordamerikas. Er beherbergt fast alle Tierarten Kanadas, darunter auch Bären und natürlich den berühmten Elch. Man kann dort nicht nur wandern, sondern auch paddeln, Rad fahren und campen. Das Wochenende war perfekt um dort wandern zu gehen. Es war sonnig und warm, das Laub war aber dennoch schon bunt und die Blätter begannen zu fallen. Schon die Fahrt dorthin war sehr reich an Eindrücken und Naturbildern. Wo noch vor einigen Wochen grüne Bäume standen, war nun eine Mischung aus dunklen Rottönen, Kürbisorange und Goldgelb zu sehen! Eine großartige Aussicht. Am Parkrand angekommen, mussten bezahlten wir den Eintritt und mussten das Autokennzeichen im Falle einer Vermisstenmeldung durchgeben – sicher ist sicher. Und dann fuhren wir wieder circa 20 min, denn wie gesagt, der Park ist groß. Kerri und ich hatten uns vorgenommen eine kleine Tour mit schöner Aussicht und eine größere Tour zum wirklichen Wandern zu gehen. Die erste Tour war gerade mal 1,5km lang, dafür aber sehr sehr beeindruckend. Wir parkten auf einer Lichtung und waren nur wenige Meter einen Berg hinauf gegangen als sich auch schon die Bäume lichteten und wir direkt an einem ziemlich steilen Abhang standen. Unten im Tal war ein Fluss, uns gegenüber ging direkt an den Klippen der Wald weiter. Es war umwerfend!!! Es war möglich das Tal einige Kilometer zu verfolgen und so setzten wir uns an den Abhang und genossen ein wenig die Aussicht. Dies war wieder einer der wenigen Augenblicke, wo ich dachte „DAS ist Kanada.“
Am Sonntag morgen fand bei uns in der Hausgemeinde der Thanksgivinggottesdienst statt, der vom Prinzip her mit dem Erntedank-Gottesdienst zu vergleichen ist. Da ich mir durchaus der Masse an Essen bewusst war, die da auf mich zukommen sollte, huschte ich im Anschluss gleich in Fitnessstudio. Gerade aber mal 5 min auf dem Laufband, rief mich Kerri mit einem Mal an, um mich zu fragen, ob ich eine Stunde eher abholfertig sein könnte. Ich war verschwitzt und verdutzt, denn das war in gerade mal 45 min. Da sie es aber nicht all zu eilig hatte, konnte ich zumindest mein Lauftraining beenden und so holte sie mich und eine weitere Kommilitonin am Nachmittag ab. Ich muss dazu sagen, dass das Thanksgivingdinner bei den meisten Familien auf 16Uhr angelegt ist...
Als wir dort ankamen, waren die Vorbereitungen noch in vollem Gange. Es sollte zwei Truthähne geben und etliche Beilagen: Kartoffelbrei, Süßkartoffeln, Brokkoli, Bohnen, Erbsen, Salat, die Füllung des Truthahn und zweierlei Soßen. Eine Menge Arbeit also, aber wir waren ja auch genug Leute um das Ganze vorzubereiten.
Zum krönenden Abschluss lud mich Kerri in den Whirlpool auf der Terrasse des Hauses ein und so ließen wir Mädels den Abend in einem blubbernden wohlriechenden Bad beim beobachten der Sterne ausklingen. Und für den Nachhauseweg und die restlichen 30 Jahre nach dem Essen, gab es einen riesigen Berg an Resten zum Mitnehmen.
Auch der Montag sollte nochmals ganz im Zeichen des Truthahns stehen. Diesmal aber in anderer Form. Ich war zum Haus der Oblates eingeladen, einer Ordensgemeinschaft die laut Wikipedia zu den Benediktinern gehört. Alle Freunde des Hauses waren eingeladen und so hatte Bradley, ein sehr guter Freund von mir auch mich gefragt. Insgesamt waren dort an die 30 Leute und der Truthahn reichte genau für alle. Es gab wieder ein Buffet, die Runde war diesmal allerdings lockerer. Amy und ein paar Freunde von ihrer Party waren auch da. An sich war der Abend aber eher sehr gemütlich und nachdem wir Mädels noch mit aufgeräumt hatten, ging ich vollgefuttert nach Hause. Thanksgiving habe ich in Kanada als nicht als zu übertriebene Feier festgestellt, wenn man mal von der Größe des Truthahns absieht. Die Reste werden hier im Übrigen eingefroren und später für Sandwichs verwendet. Die Knochen kochen sie für einen Suppenfond, was ich wirklich toll fand. Es wurde wirklich alles verwendet und kaum etwas weggeschmissen. Im Endeffekt ist es ein Wochenende um mal ein wenig Zeit mit Freunden oder der Familie zu verbringen, mehr Bedeutung schien es aber in meinen Augen für die Kanadier nicht zu haben. Wobei Freunde und Familie ja doch bedeutungsvoll genug sind....
19. Oktober 2010
Kleinigkeiten des Alltags - Teil 3
Und ich fahre mittlerweile mit Handschuhen und leichter Mütze zur Schule. Zu Recht, denn heute Morgen gab es den ersten Frost auf den Autos. Im Bild im Übrigen mein alltägliches Transportmittel... klein, blau und ohne funktionierende Gangschaltung.
18. Oktober 2010
Kleinigkeiten des Alltags - Teil 1
Über eine rote Ampel in Ottawa zu fahren, kostet 325$! Einer unserer Afrikaner im Haus hat das gleich zweimal in zwei Wochen geschafft ;)!
7. Oktober 2010
Immaculata Saints – meine Herausforderung
Es tut mir Leid, dass ihr solange nichts von mir gehört habt, aber momentan ist hier einiges los...
Nun beende ich schon die dritte Woche im Schulbetrieb hier in Ottawa und seitdem ist vieles anders geworden. Die Zeit scheint doch allmählich wie im Flug zu vergehen, was ich voll und ganz meinen neuen Aufgaben verdanke.
Wie also erwähnt, bin ich an der Immaculata und arbeite dort mit Paul, dem Hauptseelsorger. Paul Kozak ist 32 und Ukrainiancatholic. Er hat 4 Kinder und das 5. ist auf dem Weg. Darüber hinaus ist er wohl einer der witzigsten Personen mit denen ich jemals arbeiten werde. Vom ersten Tag an mochte ich die Art und Weise wie er mit den Schülern sprach und versuchte einen Draht zu ihnen zu finden. Genau wie ich ist Paul neu an dieser Schule, aber dafür macht er seinen Job als Seelsorger echt gut. Die Schule selbst ist katholisch und wurde 1928 von Schwestern gegründet und ist heute als eine sehr internationale Schule bekannt. Das heißt, dass vor allem Kinder von Immigranten hier lernen und betreut werden. Diese Betreuung erstreckt sich von Hausaufgabenclubs, über verschiedene Nachmittagskurse (Chor, Hockey, Schach, Mosaikgestaltung etc.) bishin zur direkten Seelsorge. Die Klassenstufen 7 bis 12 werden dort unterrichtet und es gibt an die 100 Lehrer und 4 Seelsorger, von denen Paul als Kaplan einer ist. Mein erster Tag an der Mac war schon sehr aufregend und bezeichnend. Ich erschien pünktlich um 7:45 Uhr und brachte meine Sachen in Pauls Büro. Und wie es für einen Praktikanten üblich ist, rannte ich ihm in den ersten Tagen nur hinterher und versuchte so viele Namen und Infos wie möglich zu behalten. Unser erster Weg führte uns durch die Eingangshalle der Schule Richtung Ansageraum (die Schule verfügt über eine Lautsprecheranlage), um dort das Morgengebet zu sprechen. Wie gesagt, die Schule ist katholisch! Jeden Morgen gibt es die gleiche Routine: um kurz vor acht werden aktuelle Songs durch die Lautsprecher gespielt um die Schüler mit guter Laune in die Klassen zu schicken. Um 8:15 Uhr folgt die Nationalhymne, dann das Morgengebet und abschließend die Ankündigungen für den Tag. Als ich also am ersten Tag mit Paul durch die Eingangshalle lief, wurde schon Musik gespielt und auf einmal blieb Paul stehen und fing an zu tanzen. Ich war irritiert! „Los! Wir starten einen Flashmob!“, so Pauls Aufforderung und welcher Student sagt zu einem Flashmob schon nein?! Seitdem machen wir das jeden Morgen und immer mehr Schüler machen mit, was wirklich für gute Stimmung sorgt und das um 8 Uhr :)...
Meine Aufgaben am Tag variieren und morgens weiß ich meistens noch nicht, was am Tag auf mich zukommt. Große Projekte, die ich bis jetzt übernehmen durfte, waren zum Beispiel die Gespräche, die ich mit den Achtklässlern führen sollte, die in diesem Jahr neu an die Immaculata gekommen sind. An dieser Schule wird sehr darauf geachtet, dass es allen Schülern gut geht und dass sie mindestens einen erwachsenen Ansprechpartner haben. Das ganze wird durch sehr viel Organisation, Fragebögen und einem Haufen Arbeit der Seelsorger ermöglicht, von denen ich nun allmählich einer bin. Weitere Aufgaben sind aber auch das Heraussuchen von neuen Morgengebeten, das Sortieren und Ausgeben der Schuluniformen. Ja genau, hier werden Uniformen getragen und leider wurde ich selbst schon zweimal gefragt, ob ich meine vergessen hätte. Aber ich muss mir einfach noch einen Ruf verschaffen, obwohl ich dachte, dass Tanzen am Morgen reicht... Zu den eher ungewöhnlicheren Aufgaben gehörte das Vorbereiten von 1200 Hotdogs für den Terry-Fox-Run. Was ist das? Also, Terry Fox war ein kanadischer Leichtathlet, der in den 60ern erfuhr, dass er Krebs habe und dadurch ein Bein verlor. Er bekam eine Prothese und überlegte, was er nun machen sollte. Und so beschloss er mit der Prothese durch Kanada zu laufen und von jedem Kanadier einen Dollar für Krebsleidende zu sammeln. Terry Fox fand viele Anhänger und Fans und begeisterte eine ganze Nation bis er nach 143 Tagen und 5373 gelaufenen Kilometern hatte der Krebs schon lange seinen Körper erneut befallen und war bis dahin in seine Lungen gelangt. Er musste den Lauf abbrechen und starb kurze Zeit später mit 22 Jahren in der Nähe von Thunder Bay hier in Ontario. Er wird hier als Held gefeiert und natürlich ist eine Stiftung für Krebskranke nach ihm benannt. Und für diese Stiftungen laufen jährlich alle Schulen in Ontario einen Spendenmarathon. Dieser fand in meiner ersten Woche an der Schule statt und im Anschluss bekamen alle Läufer eine Flasche Wasser und ein Hotdog. Das ganze endete in einer Art Sport- und Spielfest für die Schüler. Und ich habe an diesem Mittag das erste Mal „Dunk me!“ gesehen. Das heißt, ein Lehrer wird über einem großem Bottich mit Wasser auf eine Vorrichtung gesetzt, die mit einer Zielscheibe verbunden ist. Die Schüler bezahlen eine bestimmte Summe, um auf die Zielscheibe zu werfen. Treffen sie die Mitte, geht der Lehrer baden... nette Idee ;)! Und es gab wirklich einige Lehrer, die da mitgemacht haben.
Ich muss wirklich sagen, dass das Kollegium mir wirklich gut gefällt. So gut wie alle versuchen hier einen respektvollen Umgang mit den Schülern zu pflegen, sich dabei aber nicht über den Schüler stellen. Allein die Tatsache, dass sich Lehrer von den Schülern versinken lassen, zeugt von einer besonderen Beziehung, die die Schüler ebenso versuchen zu pflegen. Natürlich ist hier nicht alles schön und auch die Mac hat mit Problemkindern zu kämpfen, aber momentan scheint mir die Herangehensweise eine andere als in Deutschland zu sein.
Mein nächstes Projekt wird es sein, ein Konzept für eine Gruppe von Problemkindern zu erstellen, in dem vor allem Religion und Gott eine Rolle spielen. Diese Aufgabe bekam ich heute... mal schaun, was mir so einfällt.
Ansonsten geht hier momentan einiges drunter und drüber und ich stehe zur Zeit leider ziemlich unter Strom. Am letzten Wochenende war Frau Prof. Wijlens bei uns und hat am Montag auch mit dem School Board über zukünftige Praktikanten gesprochen. Sie schrieb mir hinterher eine Email, dass dort alle ganz begeistert von mir seien und in den nächsten Jahren gerne auch andere kommen könnten. Das sind doch mal gute Nachrichten! Am 3. Oktober feierten wir zusammen mit anderen Studenten, die aus Erfurt nach Ottawa für ein Auslandssemester gekommen waren, den Tag der Deutschen Einheit mit Kaffee und Kuchen, was sehr schön war. Am kommenden Wochenende ist nun Thanksgiving. Am Samstag hat mich eine Kommilitonin zum Wandern in einen Nationalpark eingeladen und am Sonntag werde ich in Ottawa mit ihrer Familie ganz traditionell Truthahn essen. Davon wird es dann sicher auch einige Fotos geben.
Aprospos Fotos: da ich in der letzten Zeit immer mal wieder Fotos geschossen habe, aber nicht zu jedem Album einen Text schreiben werde, lohnt es sich auf alle Fälle immer mal in mein Picasa-webalbum reinzuschauen. Die Fotos bekommen dann auch Unterschriften, um wenigstens ein bisschen Information dazu zu liefern.
Ich wünsche euch allen ein sehr schönes Wochenende und ich werde mich bemühen, wieder öfter von mir hören zu lassen. Ich vermisse euch!
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